Industrie
OC Oerlikon sucht weiterhin den neuen CEO

Seit März hat OC Oerlikon keinen CEO. Der Finanzchef Jürg Fedier ist lediglich interimistisch auch der Chef der Industriegruppe. Hinsichtlich möglicher Zukäufe hält er sich bedeckt. «Wir stehen nicht unter Zeitdruck», sagte er der «Nordwestschweiz».

Matthias Niklowitz
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Nahm im März den Hut: CEO Michael Buscher. Seither sucht der Konzern einen Neuen.

Nahm im März den Hut: CEO Michael Buscher. Seither sucht der Konzern einen Neuen.

Keystone

Mitte März hatte Michael Buscher, der damalige CEO von OC Oerlikon, für alle überraschend das Unternehmen verlassen. Buscher hatte sich bei Analysten einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet: Er hatte in den drei Jahren eine Schlüsselrolle beim Umbau des zuvor hoch verschuldeten Konzerns gespielt und galt als treibende Kraft hinter dem Turnaround.

Buscher hatte bereits vier Wochen später wieder eine neue Stelle. Als CEO beim Bremsenhersteller Knorr in Deutschland. Der rasche Wechsel spricht gegen einen kolportierten Krach mit dem Verwaltungsratspräsidenten Tim Summers und eher für einen verlorenen Gehaltspoker oder abgeblockte Strategiediskussion.

OC Oerlikon hat dagegen hat seinen Chefposten noch nicht besetzt. «Die Liste ist jetzt beim HR-Komitee», sagte Finanzchef Jürg Fedier im Anschluss an den Medien-Konferenzcall der «Nordwestschweiz». «Die Diskussionen laufen und wir werden in Kürze über die Entscheidung informieren.»

Jürg Fedier zählt selber zu den Kandidaten. Er ist als Finanzchef seit 2009 Mitglied der Konzernleitung. Davor war er Finanzchef beim Spezialchemiekonzern Ciba. Beobachter halten es jedoch als unwahrscheinlich, dass Fedier selber auf den CEO-Posten aufrückt. Dann hätte man ihn sofort oder nach einer angemessenen kurzen Zeit berufen, heisst es bei Finanzanalysten.

Zukäufe: Nicht unter Zeitdruck

OC Oerlikon hatte im ersten Halbjahr weniger umgesetzt, wie der Konzern am Dienstag bekannt gab. Die Erlöse sanken gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres um 2 Prozent auf 1,44 Milliarden Franken. Mit 25 Prozent noch deutlicher sank der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT, der noch 174 Millionen Franken betrug, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Der Konzerngewinn legte dagegen um 30 Prozent auf 146 Millionen Franken zu. Den Ausblick für das Gesamtjahr bestätigte OC Oerlikon. Der Konzern erwartet einen gegenüber 2012 unveränderten Umsatz und Bestellungseingang. «Das Umfeld bleibt schwierig», dämpfte Fedier die Erwartungen.

Der Konzern hat laut Ferien flüssige Mittel von über 660 Millionen Franken in der Kasse. Das Eigenkapital liegt bei 2 Milliarden, woraus sich weiterer Spielraum für Zukäufe ergibt. «Die Bilanz erlaubt deshalb auch grössere Käufe», sagte Fedier weiter. «Wir halten jedoch weiterhin an unserer Strategie fest.» Und die umfasst eine Kombination von organischem Wachstum sowie Zukäufe in ergänzenden Technologiebereichen oder Ergänzungen bei bestehenden Technologien. «Wir sind nicht unter Zeitdruck», sagte Fedier weiter, «wir sind in einer Situation, die Möglichkeiten auszuloten.»

Im Rahmen der Erwartungen

«Der potenzielle Katalysator für höhere Aktienkurse bleibt die Verwendung der hohen freie Mittel», heisst es in einem Kommentar des Brokers Helvea. Das Ergebnis war weitgehend im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. «Wir sehen kaum Potenzial für eine positive Überraschung», kommentierten die Helvea-Analysten weiter. Für sie bestehe eher das Risiko, dass die Prognosen für die zweite Jahreshälfte leicht nach unten korrigiert werden müssten. Daraus gehe auch hervor, dass der Marktkonsens möglicherweise etwas zu optimistisch ist.

Unverändert belässt man den Ausblick bei der Zürcher Kantonalbank ZKB. Dennoch werde man auch hier die Gewinnschätzungen leicht nach unten anpassen. «Zwar erzielte der verkaufte Naturfaserbereich einen höher als erwarteten Gewinn,» Dem stünden indes höheren Reklassifizierungen negativer Währungseffekte gegenüber, heisst es von der ZKB.

An der Börse stieg die Aktie bis Mittag um 2 Prozent.