Ab November herrscht auf dem Hof im solothurnischen Niederbuchsiten Hochbetrieb. Siebe Tage die Woche stehen Martin Henzirohs und seine Frau Karin bereit, um die Kunden mit Advents- und Weihnachtsdekoration zu versorgen. Im November mit Tannästen, Holzfiguren und Tannenzapfen, im Dezember dann mit Weihnachtsbäumen. Sie gehören für Schweizer Verhältnisse zu den Grossproduzenten von Weihnachtsbäumen. Auf 15 Hektaren pflanzen sie sechs verschiedene Sorten an, auf jeder Hektare stehen drei- bis viertausend Bäume.

Die Weihnachtsbäume sind seit zehn Jahren die Haupteinnahmequelle für die Familie. Ein schöner Job, sagt Martin Henzirohs. «Wir haben viele Stammkunden, und häufig suchen die Familien gemeinsam einen Weihnachtsbaum aus. Es ist für sie ein Highlight», erzählt er.

Der Job ist aber auch hart. Ab März kümmert er sich täglich um seine Bäume. Er überprüft die Knospen oder zieht Äste zusammen, um Löcher zu verhindern. «Wir setzen voll auf Qualität», wirft Karin Henzirohs ein. Denn nur schöne Bäume finden einen Käufer. Neben dem Verkauf ab Hof beliefert die Familie aus Niederbuchsiten auch Grossverteiler und Gärtnereien mit Tannenbäumen.

Die Familie Henzirohs hat sich einen guten Zeitpunkt ausgesucht, um voll auf Weihnachtsbäume aus der Schweiz zu setzen. Die Nachfrage nach Schweizer Christbäumen ist in den letzten Jahren gestiegen, wie Zahlen der eidgenössischen Zollverwaltung zeigen. Im Jahr 2009 wurden 6000 Tonnen Tannenbäume aus dem Ausland importiert. Im letzten Jahr waren es noch rund 5600 Tonnen.

Bei den Grossverteilern Coop, Migros und Landi stammen mindestens die Hälfte der Bäume aus der Schweiz. Konkret sind es bei der Landi 50 Prozent der Bäume, bei der Migros 70 Prozent, bei Coop 80 Prozent. Neben den Bäumen aus der Schweiz werden bei den Grossverteilern ausschliesslich Bäume aus Dänemark verkauft.

Ansprüche sind gestiegen

Die genannten Grossverteiler werden von Mitgliedern der IG Suisse Christbaum beliefert. In der IG sind über 200 Produzenten zusammengeschlossen. Das Ziel ist klar: Sie will, dass in den Schweizer Wohnzimmern eines Tages ausschliesslich Schweizer Bäume stehen. Neben der Herkunft ist für die IG ausserdem eine ökologisch nachhaltige Produktion wichtig. Der allgemeine Trend hin zu mehr Regionalität bei den Kunden spielt der IG momentan in die Hände. Aber er bringt neue Herausforderungen mit sich. Denn um gegen die Bäume aus dem Norden bestehen zu können, müssen die hiesigen Tannen vielen Ansprüchen genügen.

Die importierten Tannenbäume aus Dänemark werden auf mehreren hundert Hektaren grossen Plantagen angepflanzt. Das Klima vor Ort ist ideal für die Zucht: Die Nährstoffe sind gleichmässig im Boden verteilt, es gibt viel Regen und im Sommer wird es nicht zu heiss. Entsprechend kommen aus dem nördlichen Land Christbäume in die Schweiz, die so grün und gleichmässig sind wie im Bilderbuch.

Harte Konkurrenz für die Schweizer Bäume also. Denn das Klima und die Böden in der Schweiz sind anders, sagt Philipp Gut, der Präsident der IG Suisse Christbaum. Die Böden in der Schweiz seien weniger flach, die Nährstoffe und die Feuchtigkeit entsprechend ungleich verteilt. Frost und Hitze würden ebenfalls ihren Beitrag dazu leisten, dass die Aufzucht der Bäume für die Produzenten eine komplizierte Angelegenheit ist. Denn sie müssen einem strengen Schema entsprechen, um bei Migros, Coop oder der Landi verkauft zu werden: Grüne Nadeln, nicht zu schief, symmetrisch und ja nicht zu breit. So lauten die Kriterien der Grossverteiler. Die geforderte Einheitlichkeit kommt daher, dass die Bäume so besser in einer Preiskategorie eingeordnet werden können. Die Preise unterscheiden sich je nach Grösse des Baumes. Die Herkunft hat bei Migros, Coop und der Landi laut eigenen Angaben einen geringen Einfluss auf den Preis. In der Landi etwa kosten Bäume aus Dänemark zwischen 18.90 und 59.90 Franken, aus der Schweiz zwischen 24.90 und 74.90 Franken.

Produzenten ohne Sicherheit

Es ist eine der Aufgaben der IG, die Produzenten auf die gewachsenen Ansprüche hinzuweisen. Sie hat die Vorgaben definiert, welche die Mitglieder berücksichtigen müssen, wenn sie Bäume an Grossverteiler liefern wollen. Die IG führt ausserdem regelmässig Schulungen durch. Jede einzelne Tanne braucht Aufmerksamkeit. Die Fehlertoleranz ist klein. «Wenn die Qualität der Weihnachtsbäume in einem Jahr nicht stimmt, dann können die Produzenten im nächsten Jahr keine Grossverteiler mehr beliefern», sagt Gut. Jedes Jahr führt die IG mit den Grossverteilern Verhandlungen darüber, wie viele Bäume die der IG angeschlossenen Produzenten liefern können.

Angesicht des grossen Aufwands ist es laut der IG für die Produzenten unbefriedigend, dass sie mit den Grossverteilern keine langjährigen Verträge abschliessen können. Ein Baum braucht aber zwischen fünf und zehn Jahren, bis er als Christbaum verkauft werden kann. Entsprechend gross ist die Unsicherheit für die Produzenten. Sie könnten finanziell nicht langfristig planen, weil sie nie wissen, wie viele Bäume sie an die Grossverteiler verkaufen können.