Pharmaindustrie
Novartis und Roche in der Coronakrise: Ein hinkender Riese und ein Grossproduzent von Test

Seit fast einem Jahr dominiert das Virus den Alltag und trotzdem hat Novartis keinen nennenswerten Beitrag zur Eindämmung der Pandemie geliefert. Roche dagegen glänzt mit den Coronatests.

Andreas Möckli
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Ein Corona-Schnelltest.

Ein Corona-Schnelltest.

Eveline Beerkircher

An der Entwicklung von Impfstoffen wird am Rhein bei Basel längst nicht mehr geforscht. Roche glänzt immerhin mit der Produktion von Coronatests. Der Pharmakonzern liefert ab Januar weltweit 90 Millionen Schnelltests pro Monat. Hinzu kommen mehr als 20 Millionen PCR-Tests, die aufgrund ihrer höheren Genauigkeit noch immer als Goldstandard in der Covid-19-Diagnose gelten.

Roche-CEO Severin Schwan.

Roche-CEO Severin Schwan.

Sandra Ardizzone

Roche löst ein Versprechen ein, dass Konzernchef Severin Schwan schon Ende März im Interview mit «CH Media »abgegeben hatte. Er sagte:

Wir fahren nun die Produktion, wo es nur geht, hoch, um mehr Tests zu liefern.

Corona: Novartis kann nicht mithalten

Gesteht Fehler ein: Novartis-Chef Vas Narasimhan.

Gesteht Fehler ein: Novartis-Chef Vas Narasimhan.

Keystone

Weiter flussabwärts auf der anderen Seite des Rheins befindet sich die Zentrale von Novartis. In vielen Bereichen kämpfen die beiden Basler Pharmakonzerne auf Augenhöhe. Doch just in Sachen Corona hat Novartis wenig bis nichts zu bieten. Über zehn Monate sind ins Land gezogen, seit sich das Virus in Europa und den USA ausgebreitet hat. Der letzte Rückschlag in der Suche nach einem geeigneten Medikament datiert von Mitte Dezember. Wie eine Studie zeigte, verbessert das hauseigene Krebsmittel Jakavi die Situation von Coronapatienten nicht, wenn es zusätzlich zur Standardtherapie verabreicht wird. Anfang November ereilte ein anderes Novartis-Präparat das gleiche Schicksal.

Konzernchef Vas Narasimhan gestand bereits im August Fehler ein. Nun werde klar, dass mit einer verstärkten Kooperation mit Biotechfirmen vermutlich noch mehr drin gelegen wäre, sagte der 44-jährige Amerikaner der NZZ.

Wir haben uns mehr auf unsere hauseigenen Aktivitäten konzentriert – und dabei auch unsere Lektion gelernt.

Novartis erreichte kritische Grösse auf dem Impfstoffmarkt nie

Novartis habe unglaubliches Pech gehabt, zu keinem Zeitpunkt im Coronajahr 2020 einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten zu können, sagt ein Branchenkenner. Das sei auch psychologisch schwierig, insbesondere mit Blick auf die Belegschaft.

Das Management musste sich in diesem Jahr immer wieder die Frage gefallen lassen, weshalb der Pharmakonzern vor über fünf Jahren das Impfstoffgeschäft verkauft habe. Freilich wird die Kritik an der Sache nicht immer gerecht: Wer Vakzine profitabel herstellen will, ist auf eine kritische Grösse angewiesen. Diese erreichte Novartis auf dem Impfstoffmarkt aber nie. Ironischerweise sind die Novartis-Kritiker von heute teils deckungsgleich mit jenen Kreisen, die seinerzeit den Verkauf des Impfstoffgeschäft begrüsst hatten. Tatsächlich ist die Notwendigkeit zur Fokussierung auf in der Pharmaindustrie keine kurzfristige Modeerscheinung.