Kommentar

Noch ein Beschattungsfall: Die CS-Spitze ist bis auf die Knochen blamiert

CS-Konzernchef Tidjane Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner beteuerten eben noch hoch und heilig, die missratene Beschattung ihres früheren Star-Bankers Iqbal Khan sei ein «isolierter Einzelfall» gewesen. Die jüngsten Enthüllungen sind äussert peinlich für sie.

Diese Bespitzelungs-Aktion um Khan führte im September nicht nur zu hämischen Schlagzeilen in der Weltpresse; das ginge ja noch. Nein, sie endete tragisch: Der Mann, der zwischen der CS und der Detektivfirma vermittelt hatte, erschoss sich mit einer Pistole. Dies Überwachung sei ein Einzelfall gewesen, von dem sie nichts gewusst hätten, sagten Thiam und Rohner bislang ohne jede Relativierung.

Jetzt gibt es einen zweiten «Einzelfall». Keinen Geringeren als ihren damaligen Personalchef Peter Goerke liess die CS observieren. Besonders peinlich ist, dass diese Enthüllung der «NZZ» die Bankspitze überrascht hat. Sie habe von dieser Bespitzelung nichts gewusst, liess sie verlauten. Das ist zumindest beim operativ verantwortlichen Konzernchef Thiam schwer vorstellbar. Wenn es doch wahr ist: Was wiegt eigentlich schwerer? Ein Nichtwissender zu sein - also nicht zu wissen, was in der eigenen Firma läuft? Oder einen Nichtwissenden zu mimen - also zu lügen?

Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse, kürzlich am Europa Forum (Luzern, 4. Dezember 2019)

Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse, kürzlich am Europa Forum (Luzern, 4. Dezember 2019)

Vertrauensbildend ist keine der beiden Varianten. Die CS muss die Hintergründe schnell aufklären. Sollte sich erhärten, dass der Überwachungsauftrag auch bei Goerke von der CS kam, wackelt der Stuhl von Thiam. Im Verwaltungsrat gilt er als angezählt. Und irgendwann verlieren auch die Grossaktionäre, die bislang zu Thiam halten, die Geduld.

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