Coronavirus

Neue Regel am Flughafen Zürich: Passagiere müssen nach der Landung länger sitzen bleiben

Aisle between the seats in the airplane cabin, shallow depth of focus. People out of focus.

Aisle between the seats in the airplane cabin, shallow depth of focus. People out of focus.

Die Bodenabfertigungsfirma Swissport muss wegen der Corona-Pandemie die Prozesse an den Flughäfen ändern. Das hat für Reisende mehrere Konsequenzen. Auch ein Handgepäck-Verbot steht zur Diskussion. Und auf die Airlines warten Preiserhöhungen.

Der Bodenabfertigungsfirma Swissport bereitet sich auf den Neustart in der Aviatik vor. In einer Telefonkonferenz mit internationalen Journalisten gab die Firma, die Services wie Check-in, Boarding und Gepäcktransporte für Airlines übernimmt, ihre Strategie für die nächsten Wochen bekannt. Und diese betrifft auch die Passagiere.

Alles werde künftig länger dauern, sagt Konzernleitungsmitglied Luzius Wirth. Die Prozesse würden komplexer und weniger effizient. So gilt am Flughafen Zürich neu die Regel, dass die Gäste nach der Landung länger an Bord bleiben müssen und zuerst das Gepäck ausgeladen wird.

So soll sichergestellt werden, dass bei der Gepäckausgabe grosse Gruppen warten müssen. Laut Wirth könne die Wartezeit nach der Landung an Bord 15 bis 30 Minuten dauern. Die Regel gelte vorerst aber nur in Zürich. In Diskussion sei zudem in der Branche, ob Handgepäck künftig nicht mehr erlaubt wird. Kunden könnten somit gezwungen werden, alle Gepäckstücke einzuchecken.

Das Check-in wird länger dauern

Normalerweise betreibe man mehrere Check-in-Schalter in ein bis zwei Meter Abstand, sagt Wirth. «Künftig wird jeder zweite geschlossen.» Und auch in den Passagier-Schlangen werde ein Abstand von ein bis zwei Meter eingehalten werden müssen.

Die Schalter werden zudem nach jedem Passagier oder mindestens alle 15 Minuten desinfiziert. Der Check-in-Prozess dürfte im Schnitt pro Person laut Wirth somit künftig knapp drei Minuten statt wie normal bloss 30 Sekunden dauern. Fragt sich, wie dies bei grossem Andrang umsetzbar ist. Denn laut Wirth sind die Flughäfen-Gebäude in der Hochsaison mit 20 Meter langen Schlangen jeweils voll.

Vor der Corona-Pandemie zählte Swissport weltweit rund 64000 Angestellte. Aktuell sind es noch 10‘000. Der Rest wurde freigestellt oder befindet sich in Kurzarbeit. Swissport rechnet mit einem langsamen Neustart. Wirth verweist auf die Swiss, die ab Mitte Juni das Flugvolumen von 3 auf 15-20 Prozent steigern möchte.

Doch weil sich in vielen Ländern die Einreisebestimmungen noch ändern und die Buchungen entsprechend tiefer ausfallen können, rechnet Swissport mit kurzfristigen Flug-Annullationen. Deshalb fordert die Firma von den Airlines einen fixen Flugplan zwei Wochen im Voraus, der für die Abrechnung verbindlich ist.

Vorerst keine Staatshilfe

Die komplexeren Abläufe und höheren Kosten aufgrund der zusätzlichen Hygiene-Massnahmen bekommen auch die Kunden der ehemaligen Swissair-Tochter zu spüren, die Fluggesellschaften. Ab Juli wird die Firma die Preise für ihre Dienstleistungen je nach Land um bis zu 50 Prozent erhöhen.

Swissport, die zur chinesischen HNA-Gruppe gehört, will vorerst ohne Staatshilfe auskommen – abgesehen von der Kurzarbeit. Man sei in Gesprächen mit verschiedenen Kreditinstituten und sei zuversichtlich, sagt Wirth.

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