Nicht alles lässt sich erfolgreich verkapseln. Zu dieser Erkenntnis ist Nestlé bei «BabyNes» gelangt, dem Kapselsystem für Muttermilchersatz, das bis vor kurzem in der Schweiz, in Frankreich, in den USA und in China erhältlich war. Lanciert wurde es 2011 für Säuglinge und Kleinkinder. Doch nun hat Nestlé-Chef Mark Schneider dem Projekt in allen Ländern bis auf China den Stecker gezogen, wie eine Sprecherin auf Anfrage bestätigt.

Mit «BabyNes» wollte Nestlé die Kapseltechnologie, mit der man bei «Nespresso» Millionengewinne einfährt, auf Muttermilchersatz anwenden. Produziert werden die Kapseln im Nestlé-Werk in Konolfingen BE. In der Schweiz waren die Maschinen ab 180 Franken erhältlich. Die Kapsel pro Schoppen gab es für rund 2 Franken.

Preise, die für viele Kunden wohl zu teuer waren. Der erhoffte Erfolg blieb aus. Verkauft wurde «BabyNes» in spezialisierten Baby-Geschäften, Apotheken sowie im Onlineshop. Dort wird seit kurzem über das Aus informiert. Mit Bedauern müsse man mitteilen, dass die «BabyNes»-Kapseln ab dem 31. Dezember 2018 nicht mehr erhältlich sind, heisst es dort. Wer die Maschine zurückgeben will, erhält eine Gutschrift im Wert von 100 Franken.

Die Nestlé-Sprecherin weist darauf hin, dass die Kapseln auch in Zukunft in Konolfingen für China produziert würden. In China, wo Nestlé auch andere Schweizer Milchprodukte verkauft, hofft die Firma mit Swissness bei wohlhabenden Eltern punkten zu können, nicht zuletzt da bei vielen Müttern und Vätern die Sensibilität in Sachen Babynahrung nach dem Milchskandal von 2008 noch immer gross ist. Damals wurde das Kunstharz Melamin Milchprodukten beigemischt, um so trotz verdünnter Milch einen hohen Proteinanteil vorzutäuschen. Der chinesische Marktführer Sanlu musste aufgrund des Skandals Insolvenz anmelden. Auch Todesstrafen wurden verhängt. Nestlé war vom Skandal nicht betroffen.

Kein Erfolg mit Tee-Kapseln

Laut der Konzernsprecherin gehört Säuglingsnahrung trotz dem «BabyNes»-Rückschlag weiterhin zu den vier strategischen Wachstumskategorien, wie sie CEO Mark Schneider nach seinem Stellenantritt 2017 definierte. Auch in der Schweiz wolle man mit Säuglingsnahrungsprodukten weiter wachsen.

Doch fragt sich, ob Schneider nicht bald auch bei einem anderen Kapsel-Produkt die Investitionen zurückfahren wird. Denn mit den Tee-Kapseln und -Maschinen «Special-T» ist der durchschlagende Erfolg ebenfalls ausgeblieben. Ein ranghoher Nestlé-Manager meldet im persönlichen Gespräch Zweifel an, ob der Erfolg überhaupt je kommen wird. Denn: «Nicht jeder Kunde will zu Hause nebst einer Kaffee-Maschine auch noch eine Tee-Maschine aufstellen, die Platz braucht.»

Im Gegensatz zu «Nespresso» verkauft Nestlé «Special-T» auch im klassischen Detailhandel, wie zum Beispiel bei Coop. «Nespresso»-Kapseln gibt es hingegen nach wie vor nur im eigenen Onlineshop oder in so genannten Shop-in-Shops bei Dritthändlern.