Kaffeekapseln
Nespresso auf amerikanisch: Grosse Mengen, dünner Geschmack

Nestlé bringt ein neues Nespresso-System speziell für nordamerikanische Kunden auf den Markt. Die für den Heimgebrauch gedachten Maschinen brauen den Kaffee auch in grossen Tassen.

Matthias Niklowitz
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Nespresso-Kapseln in einer Vitrine (Symboldbild)

Nespresso-Kapseln in einer Vitrine (Symboldbild)

Keystone

Bis Starbucks den US-Kaffeemarkt ab den 1980er Jahren mit seinem viel zu bitteren Espresso revolutionierte, war das, was in den USA mit den Filterkaffeemaschinen gebraut und Kaffee genannt wurde, braun, dünn und geschmacksarm. Nur raue Mengen dieser Flüssigkeit enthalten spürbaren Koffein.

Dennoch blieb der US-Kaffeemarkt zweigeteilt: Einerseits etablierte sich in den Starbucks, McCafés, weiteren Ketten und etlichen Kaffeehäusern so etwas wie eine Kaffee-Kultur, die hinsichtlich der Kreativität der Getränke das europäische Vorbild bald hinter sich gelassen hatte.

Andererseits blieben viele US-Konsumenten ihren lauen brauen Brühen treu. Denn der US-Espresso-Geschmack ist nicht jedermanns Sache.

Hohes Wachstum

Diesen 5-Milliarden-Dollar-Markt will Nestlé jetzt erobern, wie aus einer am Dienstagabend verschickten Mitteilung hervorgeht. Die neue «Vertuoline» genannten Produktline, die «den Geschmack und die Präferenzen der nordamerikanischen Konsumenten treffen» soll, soll «ein Game-Changer werden und wird das erfolgreichste Segment im US-Kaffeemarkt revolutionieren», verspricht Jean-Marc Duvoisin, CEO von Nestlé Nespresso. Nestlé setzt - wie schon bei Nespresso - auf den Premium-Ansatz und will laut eigenen Angaben am Wachstum des portionierten Kaffeeabsatzes teilhaben. Das Marktvolumen habe sich in drei Jahren verdreifacht.

Kunden sollen die Wahl zwischen verschiedenen Kaffee-Geschmachsorten haben, auch entkoffeinierte Kapseln soll es geben. Neu sind auch die «Swiss-designed» Kaffeemaschinen. Die erkennen am Bar-Code an den Kapseln, wie viel Wasser aufbereitet werden muss, und kommen auch mit speziellen Espresso-Kapseln klar. Vertrieben werden sollen Maschinen und Kapseln sowohl über die Nespresso-Boutiquen als auch über US-Retailketten wie Macy’s, Bloomingdales, Sur La Table und Williams-Sonova.

In der Schweiz nicht erhältlich

Die Maschine, die (ohne Steuer) in den USA für 299 Dollar angeboten wird, soll nicht in der Schweiz erhältlich sein, wie eine Nestlé-Sprecherin auf Anfrage erklärte. Inklusive dem Zusatzteil für die heisse Milch kostet die Maschine 50 Dollar mehr. Die Preise der Kapseln sollen gleich hoch sein wie die der Nespresso-Kapseln. In den USA solllen sie zwischen 75 und 95 Cents kosten. Verarbeitet werden soll lediglich nachhaltig angebauter Kaffee, den Nestlé im Rahmen ihrer «Rainforest-Alliance» produzieren lässt.

Nestlé selber veröffentlicht keine separaten Zahlen zum Nespresso-Geschäft mehr. Laut Analysten sind die Zeiten des zweistelligen Wachstums vorbei. Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy schätzt die Marge auf 30 Prozent. Der Nespresso-Umsatz in Nordamerika, der laut Bertschy etwa 300 Millionen Dollar gross ist, liesse sich innert zwei Jahren fast verdoppeln. Das hiesse: Etwa 500 Millionen Dollar Umsatz bis zum Jahr 2017.

Keine Konkurrenz für Starbucks

Vorausgesetzt, Maschine und Kaffeegeschmack kommen an. «Das System ist anders als das Nespresso-System, der Geschmack wird für Amerikaner gemacht und es wird sicher viele Nordamerikaner dazu bewegen, Qualitätskaffee zu trinken», sagt Bertschy weiter.

Und auch mit Starbucks und den McCafés von McDonald’s kommt Nestlé nicht in die Quere. Nestlé ist für den Hausgebrauch, die Konkurrenten sind im sogenannten «Out-of-home»-Geschäft. Starbucks hatte allerdings vor drei Jahren bereits einmal mit einem ähnlichen Kapsel-System experimentiert. Es war indes laut Bertschy ein Flop: Zu teuer und am Verbraucher vorbei positioniert.

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