Nachhaltigkeit
Zehnder Group publiziert erstmals Nachhaltigkeitsbericht – vor zwei Jahren weibelte der Patron gegen die Konzernverantwortungs-Initiative

Verantwortung ja, aber nicht per Verfassungsartikel – das war die Haltung von Hans-Peter Zehnder, als es um die Konzernverantwortungs-Initiative ging. Nun hat sein Unternehmen, der Heizungs- und Lüftungsbauer Zehnder in Gränichen, den ersten Nachhaltigkeitsbericht publiziert.

Jocelyn Daloz Jetzt kommentieren
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Hans-Peter Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Zehnder Group, bekämpfte 2020 die Konzernverantwortungs-Initiative.

Hans-Peter Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Zehnder Group, bekämpfte 2020 die Konzernverantwortungs-Initiative.

Severin Bigler

«Die Initiative führt dazu, dass wir künftig Verantwortung für fremdes Handeln übernehmen müssen, und dagegen wehre ich mich entschieden.» Das sagte Hans-Peter Zehnder, Verwaltungsratspräsident der Zehnder Group, in Gränichen im Herbst 2020 an einer Medienkonferenz, als sich mehrere Wirtschaftsvertreter gegen die Konzernverantwortungs-Initiative aussprachen. Die Initiative scheiterte im November 2020 am Ständemehr, stattdessen trat der Gegenvorschlag am 1. Januar 2022 in Kraft.

Dieser sieht vor, dass Unternehmen ausführliche Berichte über nicht finanzielle Aspekte ihrer Aktivitäten schreiben müssen. Dies hat Zehnder nun getan und am Mittwoch seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht publiziert. «Wir bekennen uns zu unserer Verantwortung als internationales Unternehmen und treiben den anvisierten Wertewandel lokal, regional und global voran: Unser Ziel ist es, die Gesellschaft dabei zu unterstützen, eine faire und gerechte Welt zu schaffen», heisst es darin.

Hans-Peter Zehnder (zweiter von rechts) während einer Pressekonferenz der Aargauischen Industrie- und Handelskammer mit vier Unternehmern zur Konzernverantwortungs-Initiative im Jahr 2020.

Hans-Peter Zehnder (zweiter von rechts) während einer Pressekonferenz der Aargauischen Industrie- und Handelskammer mit vier Unternehmern zur Konzernverantwortungs-Initiative im Jahr 2020.

Severin Bigler

Gebäude sind für 40 Prozent der Treibhausgase verantwortlich

Der neue «Statusbericht Nachhaltigkeit» des auf Gebäudetechnik und Lüftungsanlagen spezialisierten Unternehmens ist ein erster Versuch, der Berichtspflicht nachzukommen. Darin räumen CEO Matthias Huenerwadel und Verwaltungsratspräsident Zehnder ein, dass ihre Branche einen «signifikanten Anteil am weltweiten Treibhausgasausstoss hat: Gebäude sind heute für rund 40 Prozent der weltweiten energiebezogenen Treibhausgasemissionen verantwortlich.»

Matthias Huenerwadel, CEO der Zehnder Group.

Matthias Huenerwadel, CEO der Zehnder Group.

Zvg / «Aargauer Zeitung»

Die Zehnder Gruppe soll fortan «systematisch nachhaltig» handeln und gesellschaftliche Werte in ihre Aktivitäten stets berücksichtigen. Dies über die gesamte Wertschöpfungskette. Somit verspricht Zehnder, die im Volksbegehren aufgeführten Ziele umzusetzen, allerdings frei von der rechtlichen Haftung, die die Initiative damals forderte.

Der Text stellt allerdings erst eine Absichtserklärung dar. Einen vollständigen Nachhaltigkeitsbericht will die Zehnder Gruppe im zweiten Quartal 2023 veröffentlichen. Das börsennotierte Unternehmen informiert dennoch über erste Schritte: Seit März 2022 ist die Zehnder Gruppe Unterzeichnerin des UN Global Compact. Dieser seit 2000 existierende Pakt zwischen Unternehmen und der UNO soll die Globalisierung ökologischer und sozialer machen.

Unternehmen, die den Global Compact unterschreiben, sollen …

1. die Menschenrechte respektieren und deren Einhaltung innerhalb ihrer Einflusssphäre fördern,

2. sicherstellen, dass sie nicht bei Menschenrechtsverletzungen mitwirken,

3. die Rechte ihrer Beschäftigten, sich gewerkschaftlich zu betätigen, respektieren sowie deren Recht auf Kollektivverhandlungen anerkennen,

4. alle Formen von Zwangsarbeit bzw. erzwungener Arbeit ausschliessen,

5. an der Abschaffung von Kinderarbeit mitwirken,

6. jede Diskriminierung in Bezug auf Beschäftigung und Beruf ausschliessen,

7. eine vorsorgende Haltung gegenüber Umweltgefährdungen einnehmen,

8. Initiativen zur Förderung grösseren Umweltbewusstseins ergreifen,

9. die Entwicklung und die Verbreitung umweltfreundlicher Technologien ermutigen,

10. gegen alle Arten der Korruption eintreten, einschliesslich Erpressung und Bestechung.

Ausserdem will sich die Firma an den 17 Zielen der von der UNO erarbeiteten Agenda 2030 betreffend nachhaltiger Entwicklung orientieren.

Die 17 Ziele der Agenda 2030

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen, die weltweit der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen. Mehr Infos unter : www.eda.admin.ch/agenda2030

CO2-Fussabdruck des Zehnder-Standort im deutschen Lahr halbiert

Ein Luftfilter der Zehnder Group fotografiert in Gränichen am 18. August 2021.

Ein Luftfilter der Zehnder Group fotografiert in Gränichen am 18. August 2021.

Severin Bigler

Neben den angestrebten Werten liefert Zehnder zwei Beispiele von bereits realisierten Bemühungen: So hat die deutsche Tochtergesellschaft in Lahr dank Ökostrom aus Wasserkraft ihren CO2-Fussabdruck um die Hälfte reduzieren können. Eingespart wurde etwa der jährliche Ausstoss von 1429 Privatautos.

An einem Standort in Holland spart Zehnder beim Herstellen von Wohnungslüftern rund 120 Tonnen Kunststoff pro Jahr. «So viel wie 1850 niederländische Haushalte», schreibt das Unternehmen. Bestrebungen seien zudem im Gange, den Energieverbrauch des Lüfters um 10 Prozent zu reduzieren.

CO2-Bilanz des gesamten Unternehmens

Eine konkrete Zahl nennt Zehnder am Schluss des Berichtes: die jährlichen CO2-Emissionen betragen 32’291 Tonnen. Dies ist allerdings nur die Zahl für direkte Emissionen und eingekaufte Energie. Die Emissionen entlang der Wertschöpfungskette werden nicht aufgeführt. Der CO2-Ausstoss von Zehnder entspricht jenem von 2306 Schweizerinnen und Schweizern (bei einer Pro-Kopf-Bilanz von 14 Tonnen, die auch graue Emissionen berücksichtigt).

CO2-Emissionen der Zehnder-Gruppe

Tonnen CO₂ direkte Emissionen
Tonnen CO₂ eingekaufte Energie

Auf Worte Taten folgen lassen

Die Broschüre der Zehnder Group erscheint in einer Zeit, in der Firmen mehr denn je an ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung gemessen werden. Das Komitee der Konzernverantwortungsinitiative ist weiterhin aktiv und wirbt mit einer Petition für ein Konzernverantwortungsgesetz.

Dabei verweist es auf ein entsprechendes Vorhaben der Europäischen Union und warnt davor, dass die Schweiz zum «einzigen Land in Europa ohne Konzernverantwortung» werden könnte. Der Gegenentwurf habe ja lediglich dazu geführt, dass Firmen mehr Hochglanzbroschüren veröffentlichen müssten, kritisieren die Initianten.

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