Mieter können endlich aufatmen. Seit zehn Jahren sind die Mieten in der Schweiz gestiegen, im Durchschnitt 2,6 Prozent pro Jahr. Im letzten Quartal 2015 wurden sie nun erstmals ausgebremst, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Frühjahrsausgabe des Immo-Monitoring von Wüest & Partner hervorgeht. Die Studie gilt als Referenz am Schweizer Immobilienmarkt.

Eine Hauptursache orten die Experten in der jahrelang auf Hochtouren laufenden Produktion von Mietwohnungen. Damit sei einerseits der Nachfrageüberhang aus den vorangegangenen Jahren abgebaut worden, andererseits könne nun auch der durch Bevölkerungswachstum und erhöhte Flächenverbrauch pro Wohnung «mehr als befriedigt» werden.

Einfamilienhäuser legen zu

Eine der wenigen Ausnahmen ist nach wie vor die Stadt Zürich, wo sich die Mieten 1,2 Prozent verteuerten. Von 2005 bis 2015 war die jährliche Zunahme allerdings fast dreimal so hoch (3,3 Prozent). In der Region Zürich insgesamt lässt sich dagegen bereits 0,2 Prozent billiger zur Miete leben, für 2016 soll der Rückgang noch 0,1 Prozent betragen. Auch in der Nordwestschweiz sind die Mieten mit 0,8 Prozent noch leicht gesteigen. Für 2016 erwartet Wüest & Partner aber einen Rückgang um 0,6 Prozent.

Bei Wohneigentum ist die Tendenz der Preise dagegen ungebrochen, sie steigen weiter. Das dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) nicht gern hören. Nächsten Donnerstag fällt die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Zinsentscheid. Sie dürfte ihre ultralockere Geldpolitik fortführen, womit auch der SNB die Hände gebunden sind. Sie muss darauf achten, dass die Zinsen in der Schweiz noch tiefer bleiben, damit Investitionen in Franken weniger rentieren und der in ihren Augen noch immer überbewertete Franken so unattraktiv wie möglich bleibt.

Der Hypothekenvermittler Moneypark geht davon aus, dass Hypotheken bis mindestens Mitte 2017 extrem günstig bleiben, womöglich aber länger. Die Hypozinsen sind heuer bereits wieder gesunken. Sätze für Laufzeiten bis und mit 7 Jahre seien so günstig wie nie. 10-jährige Festhypotheken würden zwischen 1,19 und 1,725 Prozent pro Jahr angeboten. Kunden mit guter Bonität kämen aber an 10-jährige Festhypotheken mit weniger als 1 Prozent Jahreszins, erklärt Stefan Heitmann, CEO und Gründer von Moneypark in einem Kommentar. Das gelte auch für Haus- oder Wohnungsbesitzer, die ihre auslaufende Hypothek ablösen.

Die tiefen Zinsen sind neben der Zuwanderung ein wichtiger Treiber, der die Immobilienpreise anheizt. Am meisten stiegen die Preise von Einfamilienhäusern, schweizweit um stattliche 2,3 Prozent. Zur starken Nachfrage dank tiefer Zinsen kommt hier, dass die Neubautätigkeit stark nachgelassen hat. Gemäss Wüest & Partner ist die Anzahl jährlicher Baugesuche von 2005 bis Ende 2015 um 43 Prozent zurückgegangen. Etwas weniger verteuerten sich Eigentumswohnungen, nämlich um 1,6 Prozent im Schweizer Durchschnitt.

Regionale Unterschiede

In der Region Zürich legten sie um 3,6 Prozent zu, in der Stadt gar um 4,3 Prozent. Noch mehr verteuerten sich Eigentumswohnungen in der Nordwestschweiz zu (5,4 Prozent).

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Einfamilienhäusern: In der Region Zürich verteuerten sich Einfamilienhäuser 6,3, in der Nordwestschweiz 3,1 Prozent. Bei Eigentumswohnungen ergaben sich entsprechend Raten von 3,6 bzw. 5,4 Prozent.

Entwicklung in der Region Nordwestschweiz

Entwicklung in der Region Zürich