Microsoft-Mitgründer
Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden: Welche Auswirkungen dies auf die ganze Welt haben wird

Der Microsoft-Mitbegründer Bill Gates trennt sich nach 27 Ehe-Jahren von seiner Gattin Melinda. Was bedeutet diese folgenschwere Entscheidung für die Zukunft der Familienstiftung, die in den vergangenen Jahren mehr als 55 Milliarden Dollar verteilt hat?

Renzo Ruf aus Washington
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Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden.

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden.

Keystone

Insider ahnten es angeblich schon lange. In der Ehe zwischen Bill und Melinda Gates, verheiratet seit 1994, kriselte es. Auch deshalb entschied sich Bill, 65 Jahre alt, im vergangenen Jahr dazu, aus den Verwaltungsräten von Microsoft und Berkshire Hathaway zurückzutreten. Angeblich habe er mehr Zeit mit Melinda, 56 Jahre alt, verbringen wollen.

Doch es half alles nichts. Am Montag leitete Melinda vor einem Gericht im Bundesstaat Washington das Scheidungsverfahren ein. Und gemeinsam mit ihrem Bill gab sie einer verblüfften Öffentlichkeit auf dem Kurznachrichtendienst Twitter bekannt, dass die Ehe am Ende sei. Zwar seien sie immer noch von der Mission ihrer gemeinsamen Stiftung überzeugt, die in ihrer jetzigen Form seit 2000 existiert.

Auch wollten sie weiterhin zusammenarbeiten, um die Ziele der Bill & Melinda Gates Foundation zu erreichen. «Aber wir glauben nicht mehr, dass wir in dieser nächsten Lebensphase zusammen als Paar wachsen können.»

Bill Gates galt lange Jahr als reichster Amerikaner. Und obwohl der Mitbegründer und langjährige Konzernchef des Technologieunternehmens Microsoft die Spitzenposition in der Liste des Wirtschaftsmagazins Forbes vor drei Jahren an Jeff Bezos (Amazon.com) abgeben musste — mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 130 Milliarden Dollar steht der einstige Harvard-Student immer noch ausgesprochen gut da.

Dank den boomenden Aktienmärkten wurde Gates allein in den vergangenen zwei Jahren 30 Milliarden Dollar reicher, und zwar nicht nur aufgrund seiner Microsoft-Beteiligung. Über sein Family Office Cascade Investment ist die Familie Gates auch an Berkshire Hathaway, der Hotel-Gruppe Four Seasons und der Schweizer Spezialitätenchemie-Holding Sika beteiligt.

Ein wichtiger Gesprächspartner in der Gesundheitspolitik

Von seinem früheren Image des kaltschnäuzig agierenden Geschäftsmannes, dessen Marktmacht nötigenfalls auf dem Gerichtsweg gebrochen werden muss, hat sich Gates längst verabschiedet. Dafür verantwortlich war auch die Entscheidung, eine 1994 gegründete Stiftung mit derjenigen seiner Frau zu fusionieren und künftig unter der Namen Bill & Melinda Gates Foundation tätig zu werden.

Etwas mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrer Gründung gilt die Stiftung mit ihren 1600 Angestellten als grösste private gemeinnützige Organisation der Welt; und dank Zuschüssen von insgesamt 55 Milliarden Dollar ist die Bill & Melinda Gates Foundation gerade in der Gesundheitspolitik ein wichtiger Gesprächspartner von Regierungsstellen und Fachkräften rund um die Welt.

Dabei profitierte Gates dabei auch von seiner langjährigen Freundschaft mit dem heute 90 Jahre alten Warren Buffett. Der legendäre Investor, der in Amerika als das Aushängeschild einer sozialen Marktwirtschaft gilt, entschied sich vor 15 Jahren, sein Vermögen der Bill & Melinda Gates Foundation zu vermachen.

Mehr als 27 Milliarden Dollar überwies Buffett seither an die Stiftung. Im Gegenzug trat Gates häufig am Jahrestreffen von Berkshire Hathaway auf, um mit Warren Pingpong zu spielen oder einen Hamburger zu essen.

Buffett war übrigens auch Gast an der Hochzeit von Bill und Melinda Gates, die am 1. Januar 1994 auf einer exklusiven Insel in Hawaii über die Bühne ging. Zusammen mit dem Country-Star Willie Nelson und der legendären Zeitungsverlegerin Katharine Graham («The Washington Post») amüsierten sich damals gegen 130 Gäste, als der 38 Jahre alte Microsoft-Chef und die 29 Jahre alte Microsoft-Managerin Melinda French den Bund der Ehe schloss.

Die beiden hatten sich, wenig überraschend, bei der Arbeit kennengelernt, während eines Geschäftsessen in New York. Das war im Jahr 1987. Wenige Monate später waren sie ein Paar.

Angeblich tat sich Bill anfänglich schwer mit dem Gedanken, zu heiraten. Eines Tages, erzählte Melinda in einem Dokumentarfilm mit dem Titel «Inside Bill's Brain», der auf Netflix zu sehen ist, habe sie ihn in seinem Schlafzimmer dabei überrascht, wie er eine Liste gemacht habe. Auf der einen Seite: Die Vorteile einer Ehe. Auf der anderen: Die Nachteile.

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