Megabusse
In der Moçambique-Affäre muss die Credit Suisse Geldstrafen von rund 475 Millionen Dollar bezahlen

Eine schlimme Korruptionsaffäre im Land im Süden Afrikas holt die Grossbank ein. Nun hat sie sich mit Ermittlungsbehörden in Washington und London auf eine Globallösung des Skandals geeinigt.

Daniel Zulauf und Renzo Ruf, Washington
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Bereits 2015 war bekanntgeworden, dass bei einer Kreditvergabe der Credit Suisse International in London an staatsnahe Firmen in Moçambique nicht alles rundgelaufen war.

Bereits 2015 war bekanntgeworden, dass bei einer Kreditvergabe der Credit Suisse International in London an staatsnahe Firmen in Moçambique nicht alles rundgelaufen war.

Walter Bieri / KEYSTONE

Die Credit Suisse hat eine Korruptionsaffäre in Moçambique beigelegt. Am Dienstag einigte sich die Schweizer Grossbank mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC, dem Justizministerium in Washington und der britischen Aufsichtsbehörde Financial Conduct Authority auf eine Globallösung.

Demnach räumte die Credit Suisse ein, Investoren betrogen zu haben, wie in einer Stellungnahme des Justizministeriums nachzulesen ist. Die Bank willigte in die Bezahlung von Strafzahlungen in der Höhe von fast 475 Millionen Dollar ein. Im Gegenzug werden zivil- und strafrechtliche Verfahren in den USA und Grossbritannien eingestellt.

Die Credit Suisse willigte zudem ein, die Geschädigten finanziell zu entschädigen. Die Höhe dieser Entschädigungszahlungen werde zu einem späteren Zeitpunkt, von einem Bundesgericht in New York, festgelegt, meldete das Justizministerium. Die Finma in Bern wiederum kam in einem separaten Verfahren zum Schluss, dass das Risikomanagement der Credit Suisse-Gruppe «in Zusammenhang mit den Kreditgeschäften» in Moçambique «schwerwiegende Mängel» aufwies. Dies teilte die Aufsichtsbehörde am Dienstag mit.

Grosse Fische – aber nicht im Wasser

Vor acht Jahren hatte die Credit Suisse zusammen mit der russischen Grossbank VTB und teilweise auch mit der französischen BNP Paribas zuhanden der Regierung des südostafrikanischen Staates Moçambique Milliardenkredite organisiert, die unter anderem dem Aufbau einer Fischereiflotte hätten dienen sollen. Aus dem Fischfang wurde nichts. Umso lukrativer waren die geheimen, am nationalen Parlament vorbeigeschummelten Kredite aber für einen Kreis eingeweihter Investment Banker, Unternehmer und politischer Eliten in Maputo.

Von den rund zwei Milliarden Dollar, die das gemäss Weltbank-Statistik drittärmste Land der Welt zum Nutzen der eigenen Bevölkerung hätte investieren sollen, sind nach den Erkenntnissen amerikanischer Korruptionsermittler rund 200 Millionen Dollar entwendet worden. Der Rest des Geldes liegt auf dem Schuldenberg, der 2016 im Zug einer Wirtschaftskrise in dem gasreichen Land sprunghaft angestiegen ist.

Der Internationale Währungsfonds schlägt Alarm

Mit der damaligen Krise begann der Schwindel auch aufzufliegen. Der Internationale Währungsfonds realisierte im Frühjahr 2016, dass die Regierung zwei von drei Grosskrediten verschwiegen hatte. Bekannt war bis dahin nur eine von Credit Suisse, VTB und BNP arrangierte öffentliche Anleihe über 850 Millionen Dollar. Alarm löste beim Währungsfonds auch der Umstand aus, dass alle drei Kredite mit staatlichen Garantien versehen worden waren.

Entscheidend voran kamen die Ermittlungen erst als die US-Justiz gegen acht mutmassliche Hauptakteure Anklage erhob. Darunter drei vormalige Credit-Suisse-Banker die 2018 in London verhaftet und in die USA ausgeliefert wurden. Das Trio bekannte sich im nachfolgenden Strafprozess schuldig und wartet seither auf die Bekanntgabe des Strafmasses.

Der Neuseeländer Andrew Pearse gestand ein für die Orchestrierung der Kredite 45 Millionen Dollar in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Politiker und Funktionäre in Moçambique, welche die geheimen Deals möglich gemacht hatten, sollen rund 150 Millionen Dollar einkassiert haben.

Ein Musterprozess in Maputo und weiteres Ungemach für die Credit Suisse

In der Hauptstadt Maputo läuft derzeit ein Strafprozess gegen 19 mutmassliche Schlüsselfiguren der Korruptionsaffäre. Unter ihnen auch der älteste Sohn vormaligen Präsidenten Armando Guebuza.

Viele Beobachter hatten erwartet, dass der Prozess rasch zu einer Alibiübung verkommen könnte, zumal der amtierende Präsident des Landes, Filipe Nyusi, unter dem alten Regime schon Verteidigungsminister gewesen war und wenig Interesse an einer lückenlosen Aufarbeitung des Skandals haben dürfte. Inzwischen aber wird der Prozess als Prüfstein für die Unabhängigkeit der Justiz in Moçambique gesehen. Die 30-Millionen-Bevölkerung partizipiert intensiv via TV-Liveübertragung.

Für die Credit Suisse ist die Sache auch nach dem Vergleich in den USA und Grossbritannien nicht ausgegessen. Auf die Bank wartet 2023 ein weiterer Prozess in London, der durch eine Investoren-Klage ins Rollen gebracht wurde. Die Bank wird vor dem High Court of Justice erklären müssen, weshalb sie die inzwischen als verfassungswidrig annullierten staatlichen Kreditgarantieren akzeptiert und den Anlegern als Investitionsschutz verkauft hatte.

Bislang hatte sich die Credit Suisse stets in der Rolle der Betrogenen gesehen. Die Bank argumentierte jeweils, ihre drei Ex-Mitarbeitenden hätten die kriminellen Geschäfte in eigener Regie hinter dem Rücken der Bankführung eingefädelt. Man darf gespannt sein zu sehen, wie ein Schuldeingeständnis diese Argumentation verändern wird.

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