Wirtschaft

Lonza-Präsident Albert Baehny: «Wir möchten als Erste einen Coronaimpfstoff auf den Markt bringen»

«Im Erfolgsfall könnten wir die Produktion auf eine Milliarde Dosen ausbauen», sagt Lonza-Präsident Albert Baehny.

«Im Erfolgsfall könnten wir die Produktion auf eine Milliarde Dosen ausbauen», sagt Lonza-Präsident Albert Baehny.

Im Wettlauf um einen Coronaimpfstoff sind die beiden Firmen Moderna und Lonza ganz vorne dabei. Lonza-Präsident Albert Baehny sagt im Interview, wo das Projekt derzeit steht.

Der Basler Pharmazulieferer Lonza will im Wallis für ihre amerikanische Partnerfirma Moderna mehrere Hundert Millionen Impfdosen herstellen. Sobald der Impfstoff zugelassen ist, wird Lonza in Visp VS und den USA die Massenproduktion starten. Vergangene Woche hat Moderna die erste von drei klinischen Phasen erfolgreich abgeschlossen. Die 45 Teilnehmer der Studien haben Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt. Keine der registrierten Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen wurde als schwerwiegend eingestuft. Wegen des kurzen Studienzeitraums ist jedoch noch nicht klar, ob und wie lange die Antikörper die Testpersonen tatsächlich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen können.

Sie werden im Erfolgsfall den Wirkstoff für den Impfstoff der US-Biotechfirma Moderna herstellen. Wo stehen Sie zurzeit?

Albert Baehny: Moderna hat die erste Phase der klinischen Entwicklung des Impfstoffs abgeschlossen. Nun befindet sich das Unternehmen in der zweiten Phase. Am 27. Juli beginnt die dritte und letzte Phase. Wir warten jedoch nicht die Ergebnisse der klinischen Studien ab, sondern arbeiten mit allen Kräften, die Produktion für den Wirkstoff aufzubauen.

In einem ersten Schritt bauen Sie vier Produktionslinien in den USA und in Visp im Wallis auf.

Genau. Sollte Moderna grünes Licht von der US-Zulassungsbehörde FDA erhalten, wollen wir sofort mit der Produktion des Wirkstoffs loslegen.

Für die klinischen Studien sind ja bereits Impfdosen nötig. Helfen Sie hier auch mit?

Die Impfdosen für die klinischen Studien werden in den Labors von Moderna hergestellt. Unsere Aufgabe ist es, den Impfstoff in grossen Mengen industriell herzustellen. Ende Juli wollen wir erstmals den ersten von drei Produktionsschritten in den USA durchführen. Doch damit haben wir noch nicht den fertigen Wirkstoff. Dafür braucht es zweite weitere Produktionsschritte.

Und wann sind Sie damit soweit?

Im September wollen wir in den USA soweit sein, um den fertigen Wirkstoff in grosser Menge produzieren zu können. Der fertige Wirkstoff muss dann noch von anderen Firmen abgefüllt werden, damit er schliesslich geimpft werden kann.

Sie wollen nun den Aufbau der Produktion beschleunigen, obwohl ja noch immer nicht klar ist, ob der Impfstoff erfolgreich sein wird. Weshalb?

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Wir möchten natürlich die ersten sein, die einen fertigen Impfstoff auf den Markt bringen können. Wir möchten damit auch der Gesellschaft helfen. Wir setzen alles daran, um loslegen zu können, sobald Moderna grünes Licht erhält.

Wie viele Impfdosen können Sie maximal produzieren?

Mit den vier Produktionslinien können wir 400 Millionen Dosen herstellen. Moderna wird eine eigene Produktionslinie aufbauen, damit wären es dann 500 Millionen Dosen. Im Erfolgsfall könnten wir die Produktion auf eine Milliarde Dosen ausbauen. Wir würden dann weitere Produktionslinien erstellen.

Ist schon klar, ob eine Dosis reicht, oder ob es mehrere braucht?

Das wissen wir noch nicht. Die dritte Phase der klinischen Entwicklung wird zeigen, ob es eine oder mehrere Spritzen braucht.

Was sind die grössten Herausforderungen auf Seiten Lonza?

Es braucht verschiedene Geräte für die Produktionslinien sowie Personal für die Herstellung. Das sind die beiden Hürden. In den USA haben wir nun die entsprechenden Mitarbeiter. Pro Produktionslinie benötigen wir zwischen 60 und 70 Angestellte. Die Mitarbeiter haben wir inzwischen, bei den Geräten ist es etwas schwieriger.

Ein kontroverses Thema ist die Verteilfrage des Impfstoffs. Sie haben im Mai gesagt, Sie hätten mit Moderna noch nicht darüber gesprochen. Ist das mittlerweile geschehen?

Das ist in der alleinigen Verantwortung von Moderna. Wir stellen bildlich gesprochen den Motor her, Moderna das fertige Auto. Wir diskutieren schon über die Verteilfrage, aber am Ende entscheidet Moderna.

Sie haben gesagt, sie würden ein Risiko eingehen, indem sie Geld in den Aufbau der Produktion stecken, ohne zu wissen, ob der Impfstoff erfolgreich ist. Doch Moderna finanziert die Kosten mit.

Drei Produktionslinien bezahlt Moderna, wir kommen für die Kosten der vierten auf. Eine einzelne Produktionslinie kostet 70 Millionen Franken. Falls der Impfstoff nicht erfolgreich sein wird, können wird die Anlagen etwa für Medikamente benützen, die auf der gleichen Technologie basieren wie der Impfstoff von Moderna. Wir gehen also kein Risiko ein.

An der Börse wird spekuliert, sie seien in Verhandlung mit einem anderen Impfstoffhersteller. Was ist dran an diesen Gerüchten?

Das ist falsch. Wir haben bereits rund 30 verschiedene Projekte für Coronaimpfstoffe und -medikamente angeschaut und inzwischen abgelehnt. Nun schauen wir uns 30 weitere Projekte an. Die Namen möglicher Auftraggeber dürfen wir jedoch nicht nennen.

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