Wirtschaft

Landis+Gyr schreibt Verlust und muss starken Umsatzrückgang hinnehmen

Wegen der Coronakrise wurde die Installation der Stromzähler von Landis+Gyr vielerorts unterbrochen.  (Symbolbild)

Wegen der Coronakrise wurde die Installation der Stromzähler von Landis+Gyr vielerorts unterbrochen. (Symbolbild)

Der Zuger Stromzählerhersteller Landis+Gyr leidet unter der Coronakrise. Für das zweite Halbjahr wird aber wieder mit höheren Margen im Vergleich zum ersten Halbjahr gerechnet. Die Dividende wird nun doch ausgeschüttet.

(mim) Landis+Gyr (L+G) hat im ersten Halbjahr einen Konzernverlust von zwei Millionen US-Dollar geschrieben, wegen der Coronakrise sank der Nettoumsatz gegenüber der Vorjahresperiode währungsbereinigt um 27,1 Prozent auf 623,5 Millionen Dollar. Die bereinigte Marge auf Ebitda-Stufe verringerte sich derweil von 14,5 Prozent im Vorjahr auf 8 Prozent im ersten Halbjahr, wie der Zuger Hersteller von Stromzählern am Montag mitteilte.

Im Semester, das am 30. September endete, sind auch Restrukturierungskosten in der Höhe von 15,4 Millionen Dollar berücksichtigt. Das Unternehmen hatte Anfang August den Abbau von weltweit 700 Stellen angekündigt. Ende August gab L+G dann bekannt, dass am Zuger Hauptsitz 12 Prozent der Stellen wegfallen sollen; dies entspricht einem Abbau von rund 30 der aktuell knapp 250 Stellen am Standort Zug. In diesem Zusammenhang hat die Konzernleitung für sechs Monate eine 10-prozentige Lohnkürzung vorgenommen. Grund- sowie Ausschusshonorare der Mitglieder des Verwaltungsrates wurden ebenfalls für sechs Monate um 10 Prozent reduziert.

Werner Lieberherr ist seit dem 1. April CEO des Zuger Traditionskonzerns Landis+Gyr.

Werner Lieberherr ist seit dem 1. April CEO des Zuger Traditionskonzerns Landis+Gyr.

«Obwohl es vorübergehend zu Installationsunterbrechungen kam, haben wir keine nennenswerten Projektstornierungen zu verzeichnen», liess sich CEO Werner Lieberherr in einer Mitteilung zitieren. Der Nettoumsatz der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) sank im Vergleich zur Vorjahresperiode währungsbereinigt um 30,4 Prozent. Die vorübergehende Unterbrechung von Installationen wegen Covid-19, insbesondere in Grossbritannien, sei für diesen Rückgang verantwortlich, heisst es in der Mitteilung. Der Auftragsbestand belief sich zum Ende der Berichtsperiode auf 663,2 Millionen Dollar, was einem Rückgang um 16,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspreche.

Steuerbefreite Ausschüttung geplant

Nach der im Mai 2020 ankündigten Verschiebung der Entscheidung über die Auszahlung einer Dividende für das Geschäftsjahr 2019 wird der Verwaltungsrat der ausserordentlichen Generalversammlung am 24. November 2020 eine Ausschüttung von zwei Franken pro Aktie vorschlagen. Dies entspricht einer Ausschüttung von etwa 50 Prozent des Free Cashflow (ohne M&A) im Geschäftsjahr 2019. Der Verwaltungsrat erachtet diesen Betrag laut Mitteilung im Vergleich zur Liquidität des Unternehmens als umsichtig. Im Falle der Genehmigung werde die Ausschüttung aus den Kapitaleinlagereserven getätigt und sei somit von der eidgenössischen Verrechnungssteuer befreit. Das Aktienrückkaufprogramm bleibt ausgesetzt.

L+G informierte zudem über einen Konflikt um Steuern in den USA. Die Steuerbehörde des Bundesstaats Washington habe eine Steuerveranlagung «für eine andere Steuerart als Gewinnsteuer» in der Höhe von rund 22 Millionen Dollar gesprochen, einschliesslich Strafgebühren und Zinsen. Diese Veranlagung stehe «im Widerspruch zu geltenden Gesetzen und Gerichtsurteilen in ähnlichen Fällen», schreibt L+G. Darum wehre man sich dagegen. Der endgültige Ausgang dieses Falles sei zwar nicht vorhersehbar, es sei aber wahrscheinlich, dass die Veranlagung der Steuerbehörde in der Berufung aufgehoben werde, zeigt sich Landis+Gyr zuversichtlich. Daher habe man keine Rückstellung gebildet.

Wegen der anhaltenden Coronakrise kann Landis+Gyr laut Mitteilung zum jetzigen Zeitpunkt nur indikative Angaben zu den Aussichten bezüglich Nettoumsatz und Margen für das Geschäftsjahr 2020 machen. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Nettoumsatz für das Geschäftsjahr 2020 zwischen 1,3 und 1,4 Milliarden Dollar liegen wird. Aufgrund der verbesserten operativen Hebelwirkung werde für das zweite Halbjahr mit höheren Margen im Vergleich zum ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2020 gerechnet.

Letztes Jahr gab L+G bekannt, man ziehe demnächst nach Cham um. Dies, weil die Firma in der Stadt Zug keine geeigneten Immobilien oder Bauplätze zu adäquaten Preisen gefunden hat. Der Umzug nach Cham ist nun für Anfang Dezember 2020 geplant, wie das Unternehmen auf Anfrage erklärt.

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