LafargeHolcim gibt sich mit dem Kauf einer amerikanischen Firma ein neues Profil

Warum der Schweizer Zementkonzern plötzlich Weltmarktführer im Geschäft mit Flachdachbeschichtungen werden will.

Daniel Zulauf
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«Die Zukunft der Hausdächer ist flach und grün. Wir erschliessen uns einen Wachstumsmarkt.» LafargeHolcim-Chef Jan Jenisch ist von der Akquisition begeistert.

«Die Zukunft der Hausdächer ist flach und grün. Wir erschliessen uns einen Wachstumsmarkt.» LafargeHolcim-Chef Jan Jenisch ist von der Akquisition begeistert.



Claudio Thoma

Fünf Jahre sind es her, seit die Aktionäre von Lafarge und Holcim ihre Unternehmen zum weltweit grössten Zementhersteller vereinten. Ihre Hoffnungen in die Grossfusion blieben unerfüllt. Deshalb beauftragten sie im September 2017 den neu bestellten CEO Jan Jenisch, dem Schweizer Konzern ein neues Profil zu verpassen. Dieser hat vor allem Kosten gesenkt und Schulden abgebaut, die klare Fokussierung des Unternehmens mit Konzernsitz in Zug auf den Zementbereich aber kaum verändert.

Das soll nun rasch anders werden. Am Donnerstag gab LafargeHolcim die Übernahme der amerikanischen «Firestone Building Products» bekannt. Die Tochtergesellschaft des japanischen Reifenherstellers Bridgestone ist auf die Beschichtung von Flachdächern spezialisiert und erwirtschaftet damit einen Jahresumsatz von 1,8 Milliarden Dollar. Das sieht im Vergleich zum LafargeHolcim-Umsatz (etwa 23 Milliarden Franken im vergangenen Jahr) zwar nach wenig aus, doch umso grösser sind die Erwartungen für die Zukunft.

Den Investoren gefällt's

«Die Zukunft der Hausdächer ist flach und grün. Wir erschliessen uns einen Wachstumsmarkt», jubiliert Jenisch, der dieses Geschäft als ehemaliger Chef des Baarer Bauchemiekonzerns Sika bestens kennt. Der Manager will die derzeit fast nur in Amerika verankerte Firestone-Franchise über das Netzwerk im eigenen Konzern schnell globalisieren und das Marktwachstum (zwei bis drei Prozent im Jahr) weit übertreffen. 3,4 Milliarden Dollar lässt sich LafargeHolcim diesen Zukauf kosten. Ein stolzer Preis, heisst es allenthalben im Milieu der Finanzanalysten. Doch beklagen will sich trotzdem kaum jemand. Der Wachstumsplan stösst auf breiten Zuspruch unter den Investoren. Am Donnerstag, dem Tag der Transaktionsankündigung, legten die LafargeHolcim-Aktien mehr als zwei Prozent auf gegen 53 Franken zu. .

«Das ist ein toller Jahresauftakt für uns. Ich hätte nicht gedacht, dass wir die Transaktion in nur drei Monaten über die Bühne bringen können», freut sich Jenisch. Er glaubt, dass sich die Übernahme schon ab dem ersten Tag positiv auf den Gewinn pro Aktien auswirken wird. Grund dafür ist die Erwartung, dass die geplanten Synergieeffekte im Wert von 110 Millionen Dollar primär durch zusätzliche Einnahmen und nicht durch Kosteneinsparungen erzielt werden können.

«Sika ist Konkurrenz für uns»

Ein zentrales Argument für die Übernahme war laut Jenisch der Umstand, dass das Geschäft mit Flachdachbeschichtungen die schwere CO2-Bilanz des Zementherstellers verbessern kann. «Ich schätze, dass die stark gestiegene Bedeutung der Nachhaltigkeits-Ratings die Bewertung unseres Unternehmens in den vergangenen zweieinhalb Jahren um rund 30 Prozent gedrückt hat», sagt der CEO. Er will Firestone nun möglichst bald zum Weltmarktführer ausbauen. Mit diesem Plan wird er eher früher als später auch seinem ehemaligen Arbeitgeber Sika in die Quere kommen. Dieser war schon 2005 mit der Akquisition der schweizerischen Folienproduzentin Sarnafil ins Flachdachgeschäft eingestiegen. «Sika ist Konkurrenz für uns», räumt Jenisch ein. «Aber wir sind grösser und technologisch weiter fortgeschritten.»

Diese stille Drohung liess die Sika-Aktionäre aber mindestens am Donnerstag noch unbeeindruckt. Die Titel kletterten in einem robusten Gesamtmarkt um nahezu ein Prozent auf 251 Franken. Übrigens: Seit Jenisch im Mai 2017 seinen Stellenwechsel angekündigt hatte, haben sich der Wert der Sika-Aktien verdreifacht, während die LafargeHolcim-Titel fünf Prozent verloren haben. Der Manager hat bei den LafargeHolcim-Aktionären also noch einiges nachzuholen.