Konsumentenschutz
«K-Tipp»: Die Zeitschrift der Skeptiker erscheint seit drei Jahrzehnten

Die auflagenstärkste Zeitschrift der Schweiz feiert sein 30-Jahr-Jubiläum. Verleger René Schuhmacher hat sie zum Sammelbecken all jener gemacht, die sowohl dem Staat wie der Wirtschaft misstrauen.

Christian Mensch
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Kein anderes Medium behauptet derart für seine Leserschaft einzustehen wie der «K-Tipp». Unverändert, unverbrüchlich, seit dreissig Jahren. Das bleibt nicht ohne Wirkung. Wer die Leserbriefspalte der 14-täglich erscheinenden Publikation verfolgt, stellt fest: Die Leserinnen und Leser glauben fest an ihr Medium. Gerade in Zeiten von Corona.

«Es ist beruhigend, dass es in der Medienwelt noch eine Zeitschrift gibt, die das Thema sachlich durchleuchtet», schreibt R.H. aus Kilchberg. «Der <K-Tipp> hat den Mut, wenn nötig auch kritisch über Corona-Themen zu informieren», sagt S.L. aus Vinelz. Und im Vorfeld der Abstimmung über das Covid-19-Gesetz, schreibt M.N aus Volketswil: «Endlich eine Zeitung, die das Problem beim Namen nennt und auf der Seite des Volkes steht.» Oder A.K. aus Ponte Capriasca: «Ich bin froh, dass nicht alles Mainstream-mässig serviert und von der Bevölkerung geschluckt wird.»

Kultiviertes Selbstbild: Jenseits des Mainstream

Verleger René Schuhmacher sagt, sein «K-Tipp» habe eben noch eine Unabhängigkeit, die bei vielen Zeitungen nicht mehr gegeben sei. Diese hätten zu stark dem Bundesrat nachgeredet und ihre Rolle als vierte Macht im Staat vernachlässigt. Seine These: Es seien Gelder an die Medien geflossen, «dabei geht es der Verlagsbranche gut». Ob dieser Umstand die Berichterstattung tatsächlich beeinflusste, wie er insinuiert, oder bloss das Home-office der Redaktionen, wie er ebenfalls vermutet, könne er nicht sagen.

Für seine 225'000 Abonnentinnen und Abonnenten hat der «K-Tipp» eine starke Orientierungsfunktion. Er liefere, «die Information, auf die alle angewiesen sind, um im Alltag richtige Entscheide fällen zu können», heisst es im Editorial der Jubiläumsausgabe. Er berichte «aus unabhängiger Position, nur auf Fakten basierend». Dabei ist der «K-Tipp» eine politische Macht in der Schweiz.

Eine politische Macht mit Referendumsstärke

Schon 2009 ergriff Schuhmacher mit 200'000 Unterschriften das Referendum gegen eine Senkung des Umwandlungssatzes bei der Pensionskasse und obsiegte in der Volksabstimmung. Mit über 100'000 Unterschriften kam die Initiative «Pro Service Public» zur Abstimmung, die eine ausgebaute Grundversorgung durch Swisscom, Post und SBB forderte; ein Drittel der Stimmbürger votierten an der Urne für die «K-Tipp»-Vorlage. Die starke Ablehnung des Covid-19-Gesetzes zeigt: Die 40 Prozent Nein-Sager zur Vorlage sind potenzielle «K-Tipp»-Abonnenten, die grundsätzlich misstrauen, was die da oben so machen.

Die absolutierte Konsumentensicht kultiviert ein Misstrauen in der Leserschaft, es lauere permanent die Gefahr, über den Tisch gezogen zu werden: von Banken, die Provisionen einbehalten, von Produzenten, die Sollbruchstellen einbauen, von Anbietern, die unberechtigt Mahnungen verschicken. Vom Staat, der etwa über die Gesetzgebung die Renten beschneidet. Der «K-Tipp» macht der Empörung Luft oder geht zuweilen auch den Rechtsweg. Dafür hat Schuhmacher zuletzt eine eigene Rechtsschutzversicherung gegründet, die nach einem Jahr 4000 Versicherte zählt.

Vom Informationsblatt zur Gruppe mit 100 Mitarbeitenden

Der Name der Zeitschrift verrät den Ursprung: Die «Kassensturz»-Urgesteine Urs Gasche und Hans Räz hatten in den 1980er Jahren nach Möglichkeiten gesucht, um die Tests und Konsumenteninformationen aus der Fernsehsendung auch in schriftlicher Form zu verbreiten. DRS, wie SRF damals hiess, scheute den Konflikt mit den Verlegern, um selbst eine Publikation herauszugeben, so dass die Fernsehmacher mit dem Anwalt und Herausgeber der Juristenzeitschrift «Plädoyer» Schuhmacher eine externe Lösung entwickelten. 1991 erschien der «K-Tipp» als schmale Broschüre.

Aus einem einfachen Blatt wurde eine ganze Gruppe von Publikationen mit «K-Geld», «K-Tipp Wohnen», «Gesundheitstipp», «Kulturtipp», «Saldo», «Bon à savoir», Ratgeberbüchern sowie einer ausgebauten Rechtsberatung. Die Adresskartei zählt gesamthaft 400'000 Abonnenten. Rund 100 Personen arbeiten mittlerweile in der Deutsch- und Westschweiz für die Gruppe.

Die Zukunft liegt in einer Stiftung

Die Verbindung zum Fernsehen wurde schon lange gekappt, der Aktivismus des Verlegers war mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag nicht kompatibel. Die Gründung von «Saldo» geht zudem auf einen Machtkampf zwischen Schuhmacher und seinen Partnern Gasche/Räz um die Jahrtausendwende zurück. Der Anwalt hat ihn vollumfänglich zu seinen Gunsten entschieden und damit für alle klarmachte: er ist der «K-Tipp». Der Verlag gehört ihm, seine Lebenspartnerin hat einen kleinen Anteil.

Wirtschaftlich stehe die Gruppe gut da, sagt Schuhmacher. Auch im Corona-Jahr habe er ohne Kurzarbeitsentschädigung eine schwarze Null geschrieben. So soll es sein. Gewinne werden reinvestiert, Dividendenzahlungen sind statuarisch ausgeschlossen. Die Zukunft ist gedanklich vorgespurt, in juristischen Gewand einer Stiftung soll der «K-Tipp» in die nächsten 30 Jahre gehen.