Grossbank

Kommt es beim UBS-Filialnetz zum Hamers-Schlag?

Ralph Hamers tritt die Nachfolge von Sergio Ermotti an.

Ralph Hamers tritt die Nachfolge von Sergio Ermotti an.

Der neue UBS-Chef Ralph Hamers, bekannt als Digitalfreak, weicht auf Fragen zum Filialnetz aus.

Es war eine Chance für den künftigen UBS-Chef. Ein Journalist wollte bei seiner Vorstellung wissen, ob er als «Digitalfreak» das UBS-Netz von Bankfilialen dezimieren werde. Nun hätte der Niederländer philosophieren können, wie wichtig die Schweiz für die UBS ist. Er hätte das obligate Bekenntnis zum Standort ablegen können. Er tat nichts von alledem. Er blieb vage. Sprach bloss davon, dass er sich erst mit der digitalen Infrastruktur bei der UBS vertraut machen müsse.

Kommt es beim UBS-Filialnetz zum Hamers-Schlag? Sein Schweigen war laut. Zunächst sprang Noch-Chef Sergio Ermotti seinem designierten Nachfolger zur Seite. Die UBS sei bereits führend in der digitalen Sphäre. Dann eilte Verwaltungsratspräsident Axel Weber zu Hilfe. Die UBS habe bereits viel investiert, in die digitale Infrastruktur der bestehenden Filialen. Weber sagte: «Ich kann da gar keinen Gegensatz erkennen zwischen den Filialen und der Onlinewelt.»

Diese UBS-Lenker prägten die Bank

Hamers blieb still. Vielleicht war er schlecht vorbereitet auf den grossen Tag seiner Präsentation als neuer Chef des weltweit grössten Vermögensverwalters. Vielleicht hat der Niederländer aber auch grosse Pläne. Von ihm ist bekannt, dass er als Chef der niederländischen Grossbank ING das elektronische Banking stark vorangetrieben hat. So konnte er in Deutschland und den Benelux-Staaten zahlreiche neue Kunden anwerben.

Hinter der digitalen Vorwärtsstrategie steckte ein ehrgeiziger Plan. Hamers wollte ING in der digitalen Welt völlig neu aufstellen. Es sollte eine globale Plattform entstehen. 20 Millionen Kunden, verteilt auf drei Kontinente, sollten vom Allfinanz-Konzern ING auf die exakt gleiche Weise bedient werden, sagte Hamers letztes Jahr zum Branchenmagazin «Euromoney». Auf dieser globalen Plattform sollten dann auch andere Banken oder Versicherungen ihre Produkte anbieten.

Hohe Busse wegen Geldwäscherei

Es war eine grosse Vision. Hamers verlässt ING, lange bevor diese Wirklichkeit wird. Er lancierte seine grosse digitale Transformation im Jahr 2016. Der Abschluss war für 2022 geplant. Schon letztes Jahr musste er erste Kritik kontern, seine Umwandlung sei riskanter und schwieriger als gedacht. Bereits vor Hamers ging der Manager von Bord, der direkt verantwortlich für das Projekt war. ING wäre nicht die erste Bank, die sich hoffnungslos verrennt mit der Umgestaltung ihrer IT-Systeme. Doch diese Sorgen ist Hamers nun bald los.

Hinter sich lassen kann Hamers auch eine unschöne Episode aus dem Jahr 2018. In seiner Amtszeit einigte sich ING mit der niederländischen Staatsanwaltschaft auf die Zahlung von 775 Millionen Euro. Die Bank habe sich schwere Mängel zu Schulden kommen lassen bei der Prävention von Geldwäscherei. Das Geschäft war wichtiger als die Einhaltung der Vorschriften, so die Staatsanwaltschaft. Hamers musste vor dem Parlament erscheinen und sich entschuldigen.

Die damalige Medienmitteilung der Staatsanwaltschaft enthält beissende Kritik an der Bank, die im Jahr 2008 vom niederländischen Staat gerettet werden musste. ING habe gegen das Geldwäscherei-Gesetz verstossen und sich selber der Geldwäscherei schuldig gemacht. Sie habe nicht ­verhindert, dass Bankkonten in den Niederlanden benutzt wurden, um «Hunderte von Millionen von Euros zu waschen.»

Hamers muss sich nun verdienen, was Weber an der Pressekonferenz einen «UBS-Passport» nannte. Der Verwaltungsratspräsident wollte mit diesem Kunstwort zum Ausdruck bringen, dass es an der Doppelspitze der UBS nicht notwendigerweise eine Person mit einem Schweizer Pass brauche. Einen geeigneten Pass könne man sich quasi erwerben, indem man genug Wissen über und Erfahrung in der UBS sammle. Zu diesem Zweck solle sich Hamers nun auf eine «Helvetisierungstour» machen, sagte Weber wörtlich. Eine solche Tour zu allen Kreisen, die in der Schweiz für die UBS wichtig sein, sei Weber von seinem Vorgänger empfohlen worden, dem früheren Bundesrat Kaspar Villiger.

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