Studie
Jede vierte Schweizer Privatbank wird verschwinden

13 Schweizer Privatbanken sind im letzten Jahr von der Bildfläche verschwunden. Die meisten mussten liquidiert werden, eine Minderheit wurde übernommen. In den nächsten drei Jahren dürfte sich die Anzahl Privatbanken noch einmal drastisch reduzieren.

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Tresorraum der Bank Wegelin (Archiv).JPG

Tresorraum der Bank Wegelin (Archiv).JPG

Keystone

Das Beratungsunternehmen KPMG geht von einem Rückgang um 25 bis 30 Prozent aus. Diese Einschätzung basiert auf der nach wie vor schlechten Geschäftslage vieler Privatbanken. 23 Prozent schrieben im letzten Jahr unter Ausklammerung ausserordentlicher Effekte Verluste.

Dies zeigt eine Studie von KPMG und der Universität St. Gallen, in deren Rahmen 103 hauptsächlich in der Vermögensverwaltung tätige Banken analysiert wurden - nicht berücksichtigt wurden dabei aufgrund ihrer besonderen Stellung die UBS und die Credit Suisse.

Mit Problemen kämpfen vor allem kleine und mittelgrosse Institute. Unter den unprofitablen Banken fand sich denn auch keine einzige Bank mit verwalteten Vermögen von mehr als 25 Mrd. Franken.

Deutlich zeigt sich das Gefälle nach Bankengrösse auch bei der Eigenkapitalrendite. Diese lag bei Grossbanken durchschnittlich bei 6,9 Prozent, bei kleinen Banken dagegen nur bei 3,1 Prozent. Am schlechtesten schnitten die mittelgrossen Banken mit durchschnittlich 2,1 Prozent Eigenkapitalrendite ab.

Dies kann gemäss Philipp Rickert von KPMG damit erklärt werden, dass viele mittelgrosse Banken ihr Geschäftsmodell an demjenigen von Grossbanken ausrichteten und eine globale Präsenz anstrebten. Diese Strategie sei jedoch kaum je erfolgreich, sofern das Institut nicht eine bestimmte kritische Grösse aufweise.

Regulatorische Veränderungen als Herausforderung

Wie die Studie zeigt, sind die Probleme vieler Institute nicht in erster Linie bei einem Abfluss von Kundengeldern zu suchen. Die verwalteten Vermögen nahmen im Median um 4 Prozent zu, wobei das Wachstum primär Resultat der Erholung der Aktienmärkte sei. Einen Neugeldzufluss konnten nur die Hälfte der untersuchten Institute verzeichnen.

Als grösste Herausforderungen wertet KPMG die regulatorischen Veränderungen. Weitere Schwierigkeiten seien die Tiefzinspolitik der wichtigsten Zentralbanken, die geringen Investitionsfreudigkeit der Kunden und der technologischen Wandel. Insgesamt könne das Umfeld als garstig bezeichnet werden, meinte Christian Hintermann von der KPMG.

Viele Privatbanken hätten auf diese Herausforderungen noch nicht reagiert. "Manche kleinere und mittelgrosse Banken schreiben seit vier Jahren rote Zahlen. Da jedoch noch genügend Eigenmittel vorhanden sind, scheinen die Aktionäre auch weiterhin gewillt, Verluste in Kauf zu nehmen", erklärte Rickert.

Dass der Strukturwandel bisher ausblieb, zeigen auch die nach wie vor hohen Kosten der Privatbanken. Eine deutliche Kostenreduktion sei nicht erkennbar, die Personalkosten blieben auf hohem Niveau stabil. Ein Vollzeitmitarbeiter kostete die Banken im letzten Jahr durchschnittlich 213'000 Franken. "Hier gäbe es viel Potential für Einsparungen", meinte Rickert. Noch sei der Kostendruck jedoch wohl nicht hoch genug.

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