Six

Jahr der Entscheidung am Finanzplatz

Stehen in der ganzen Schweiz: Zahlterminals von Six für den bargeldlosen Zahlungsverkehr.

Stehen in der ganzen Schweiz: Zahlterminals von Six für den bargeldlosen Zahlungsverkehr.

Die Finanzinfrastrukturbetreiberin Six hat von ihren Eigentümerbanken einen neuen Auftrag gefasst. Nun müssen diese selber Farbe bekennen.

Die Six Group ist seit ihrer Gründung vor zehn Jahren ein veritabler Goldesel für ihre 130 Eigentümerbanken. Rund 1,7 Milliarden Franken hat die Betreiberin der schweizerischen Börsen- und Finanzmarktinfrastruktur seit 2008 an Dividenden und Sonderdividenden an ihre Besitzer ausgeschüttet. Allen voran an UBS und Credit Suisse, welche 30 Prozent der Six-Anteile halten.

Und auch heuer erlaubt die Liquiditäts- und Kapitalsituation von Six eine Gewinnabführung im Umfang von rund 140 Millionen Franken. Doch mit der im November angekündigten strategischen Neuausrichtung werden sich die Bedingungen grundlegend verändern.

Zahlkartengeschäft vor Verkauf

Six sucht nach einem Partner für das Zahlkartengeschäft. Dieses ist das Rückgrat der bisherigen Diversifikationsstrategie. Es liess den Six-Umsatz von 2008 bis 2017 von 1,3 Milliarden auf 1,9 Milliarden Franken steigen, obschon in der gleichen Zeit wichtige Ertrags- und Gewinnbringer, insbesondere aus verschiedenen Kooperationen mit der Deutschen Börse, verkauft worden waren. Im Zahlkarten- beziehungsweise im Acquiring-Geschäft übernimmt die Six gegen eine Transaktionsgebühr verschiedene Dienstleistungen, die nötig werden, wenn ein Kunde im Laden per Karte bezahlt. Das an Marge arme Massengeschäft lebt von Skaleneffekten. Die Formel lautet: je mehr Transaktionsvolumina, desto rentabler.

In den vergangenen Jahren investierte Six jährlich rund 40 Millionen Franken in das Geschäft, wie Finanzchef Daniel Schmuck gestern an der Jahresbilanzpressekonferenz in Zürich ausführt. Die Summe ist beträchtlich: Sie entspricht rund 14 Prozent des Betriebsgewinns (Ebit) von 281 Millionen Franken beziehungsweise fast einem Fünftel des Jahresgewinns (207 Millionen Franken). Die Investitionen zum Aufbau des neuen kontaktlosen Schweizer Zahlungssystems Twint, an den die Six einen Drittel beisteuert, haben zum Vergleich bislang gut 70 Millionen Franken gekostet.

Gewinnentwicklung unklar

Die Partnersuche für das Zahlkartengeschäft ist gemäss Angaben des neuen Chefs Jos Dijsselhof weit fortgeschritten. Man habe die sehr grosse Zahl von Interessenten auf eine Shortlist von ein paar wenigen Namen reduziert und rechne bis im Sommer mit einem Abschluss. Danach muss sich zeigen, wie die Eigentümerbanken mit den freiwerdenden Investitionsmitteln umgehen werden. Sie könnten sich das Geld in Form von höheren Dividenden auszahlen. Das würde allerdings dem Bekenntnis von Six widersprechen, die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes mithilfe der neuen Strategie weiter zu stärken.

Sicher ist, dass die Erfolgsrechnung von Six im nächsten Jahr stark verändert daherkommen wird. Mit dem Verkauf des Zahlkartengeschäfts an einen neuen Mehrheitseigentümer wird der Umsatz der «Payments-Division» von aktuell knapp 1 Milliarde Franken auf etwa die Hälfte zusammenschmelzen. Zum Einfluss auf den Gewinn wollte Dijsselhof gestern keine Schätzung abgeben. Weil die Six eine Beteiligung behalten wird, wird sie auch weiterhin am Erfolg des Geschäfts partizipieren.

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