WARTUNGSSTREIT
Die Russen legen Hand an Stadlers Züge – Peter Spuhlers Unternehmen einigt sich mit Go-Ahead Bayern

Der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer und die süddeutsche Bahngesellschaft haben ihren Disput um die Wartung 22 brandneuer Stadler-Züge durch TMH International beigelegt. Die Tochter der russischen Transmashholding wird die Züge wie geplant warten, dafür erhält Stadler Zusicherungen zum Schutz seiner technischen Betriebsgeheimnisse.

Thomas Griesser Kym
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Visualisierung eines Flirt-Triebzugs von Stadler für Go-Ahead Bayern.

Visualisierung eines Flirt-Triebzugs von Stadler für Go-Ahead Bayern.

Bild: PD

Die Affäre hat hohe Wellen geworfen. Am 1. Dezember 2020 beauftragte die Bahngesellschaft Go-Ahead Bayern die schweizerische TMH International (TMHI) mit der Wartung von 22 nigelnagelneuen elektrischen Triebzügen des Typs Flirt des Herstellers Stadler. Pikant: Stadler selbst hatte sich ebenfalls um die Wartung beworben.

Nach der Vergabe des Wartungsauftrags an TMHI legte sich das Unternehmen von Patron Peter Spuhler quer. Stadler argumentierte, eine Klausel im Liefervertrag mit Go-Ahead Bayern verbiete es dieser, die Wartung an einen direkten Konkurrenten Stadlers oder an ein mit einem solchen verbundenes Unternehmen zu vergeben.

Stadler hatte für die Beteuerungen kein Gehör

Stadlers Befürchtung: Via die Wartung der Züge durch TMHI könnte technologisches Know-how in die Hände von deren Muttergesellschaft gelangen, die russische Eisenbahnbauerin Transmashholding, bekannt auch als TMH Group. Das Wort der «Industriespionage» machte die Runde.

Versuche von Go-Ahead und TMH, diese Bedenken zu zerstreuen, stiessen bei Stadler zunächst auf taube Ohren. Vielmehr drohte der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer, die bestellten 22 Züge nicht an Go-Ahead zu übergeben. Das hätte das Vorhaben Go-Aheads, Mitte Dezember 2021 auf dem E-Netz Allgäu zwischen Lindau und München loszulegen, in Frage gestellt.

Go-Ahead erhält die Stadler-Züge rechtzeitig

Die Streithähne haben sich allerdings wiederholt an den Verhandlungstisch gesetzt. Erfolgreich, wie sich jetzt zeigt. Go-Ahead Bayern verkündet, man sei sich mit Stadler einig:

«Die Triebzüge für das E-Netz Allgäu werden von Stadler an Go-Ahead ausgeliefert.»
Der erste Stadler-Flirt für Go-Ahead, der in Augsburg angekommen ist.

Der erste Stadler-Flirt für Go-Ahead, der in Augsburg angekommen ist.

Bild: PD

Demnach wurde der erste der 22 Flirt am Mittwoch in Augsburg an Go-Ahead übergeben, und die Fahrzeuge sind bereits vollumfänglich zugelassen. Jure Mikolčić, Chef von Stadler Deutschland, wird in der Mitteilung zitiert:

«Der letzte der 22 Züge wird im Oktober in Bayern ankommen, sodass die Flotte frühzeitig für den Start bereit steht.»

Laut Go-Ahead, die als Alternative bereits die Anmietung gebrauchten Rollmaterials ins Auge gefasst hatte, kann damit ihr Bahnbetrieb wie geplant am 12. Dezember 2021 auf der Linie Lindau–Memmingen–München beginnen.

Wartung wie geplant durch TMHI

Jure Mikolčić, Chef von Stadler Deutschland.

Jure Mikolčić, Chef von Stadler Deutschland.

Bild: PD

Wie sieht im Rahmen der Einigung die Wartung aus? Auf Anfrage schreibt Go-Ahead-Sprecherin Daniela Birnbaum am Freitagmittag:

«Go-Ahead hat seine Fahrzeugwartung wie geplant an TMHI vergeben.»

Dazu wird in Langweid nahe Augsburg für 40 Millionen Euro eine Werkstatt gebaut, die von der eigens dafür gegründeten Firma TMH Germany betrieben wird, einer Tochter der TMHI. Über weitere Details der Einigung schweigen sich Stadler und Go-Ahead aus: Darüber sei «Vertraulichkeit vereinbart» worden.

Stadler sieht sensible Daten geschützt

Mit der Wartung der 22 Stadler-Flirt durch TMH Germany hat Go-Ahead Bayern seinen Plan durchgesetzt. Wie sieht Stadler seine ursprünglichen Bedenken zerstreut und seine Betriebsgeheimnisse geschützt? Stadler-Sprecher Fabian Vettori sagt:

«Die Einigung wahrt die Interessen beider Unternehmen und stellt den Schutz sensibler Daten Stadlers sicher.»

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