Ho, ho, hohe Tarife! Schweizer Amis ärgern sich über teure Post-Preise vor den Festtagen

Teure Bescherung: Wer Weihnachtspakete in die USA verschicken will, muss dieses Jahr tiefer in die Tasche greifen als sonst. Das sorgt für Frust bei hier lebenden Amerikanern.

Benjamin Weinmann aus Genf
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Andrea Stalder

Es ist eine Tradition: Die in Genf lebende Amerikanerin Suzy K.* (Name der Redaktion bekannt) schickt jedes Jahr vor Weihnachten ein Paket voll mit Schweizer Schokolade an ihre Schwester in Colorado. Sie gibt es jeweils einige Wochen im Voraus am Schalter auf, damit es auch ohne teure «Priority»-Frankierung rechtzeitig unter dem Weihnachtsbaum in Colorado landet.

Doch dieses Jahr ist anders. «Als ich das Paket aufgeben wollte, sagte mir die Angestellte am Schalter, dass ich es per Priority schicken müsse», erzählt Suzy K. Kostenpunkt: 42 Franken bei einem Gewicht von 1,2 Kilo. Die herkömmliche, deutlich günstigere Sendung per B-Post sei nicht möglich.

Ausländische Post ist überlastet

Der Grund für diese neue Regel: Corona. Die Pandemie hat vermehrt Leute angestiftet, online einzukaufen. Mit der Folge, dass viele nationale Post-Organisationen mit der Paketlieferung überlastet sind. So auch der «US Postal Service».

Ein Sprecher der Schweizerischen Post bestätigt die Situation. Die US-Post-Firma akzeptiere wegen der Corona-Pandemie seit einigen Monaten nur noch Priority-Sendungen bei einem Gewicht unter 2 Kilo. «Die USA sind sehr strikt», sagt der Sprecher. Wer also eine Tafel Schokolade in ein gepolstertes Couvert steckt und dieses direkt in den Briefkasten wirft, droht die Sendung schon bald wieder im eigenen Briefkasten zu finden. «Return to sender» heisst es dann auf dem Paket. Am Schalter wird man hingegen auf die Neuerung aufmerksam gemacht.

Weltpostverein entscheidet über Tarife

«Diese Regel ist einfach ärgerlich», sagt Liz Voss, Sprecherin der US-Expat-Organisation «Democrats Abroad». In der Schweiz leben geschätzt 20’000 US-Amerikanerinnen und Amerikaner. «Viele von ihnen werden an Weihnachten Geschenke an die Verwandten in der Heimat schicken wollen, besonders jetzt, wenn man nicht reisen sollte.» Dass man beim Versenden keine Wahl mehr habe, sondern den höheren Preis akzeptieren müsse, sei «frustrierend». Vor allem auch, weil nur schon herkömmliche Sendungen aus der Schweiz äusserst teuer seien.

Die internationalen Pakettarife werden nicht von der Post festgelegt, wie ein Sprecher sagt, sondern basieren auf einem multilateralen Vergütungssystem zwischen den 192 Mitgliedstaaten des Weltpostvereins mit Sitz in Bern. Dieser regelt auch, wie viel die involvierten Postbetriebe für einen Transport vergütet erhalten. Wie viel die Schweizerische und die US-Post im Falle der Schokoladen-Sendung verdienen, verrät der Sprecher nicht mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis. Der Postverkehr in der Vorweihnachtszeit sei aber natürlich sehr wichtig, da man mehr Erträge erziele als während des Rests des Jahres.

Suzy K. nervt sich nach wie vor über die hohen Preise. Allzu gross aufregen möchte sie sich aber nicht: «Ich hoffe einfach, dass ich in diesem verrückten Jahr mit der Schokolade meiner Schwester etwas Freude bereiten kann.»

Vorsicht bei der Deklaration

So viel dürfen Sie ins Ausland schicken

Wer ein Geschenk ins Ausland verschicken möchte, kennt den grünen Deklarationsaufkleber. Darauf müssen Inhalt und Wert der Sendung angegeben werden. Wenn es sich um ein Geschenk handelt, ist die Freigrenze höher. Diese hängt jedoch vom Zielland ab, wie ein Post-Sprecher sagt. Für Deutschland liege die Grenze für Geschenke bei 45 Euro, für Sendungen in die USA laut derzeitigen Informationen bei 100 Dollar. Die Schweizerische Post werde über die aktuellsten Zollfreigrenzen aber nicht aktiv von den Ländern informiert. Man rate der Kundschaft deshalb, sich zur Sicherheit an die Zollbehörde des Ziellandes zu wenden.