Währungskrieg
Handelsvorteile durch schwachen Franken: Manipuliert die Schweiz die Währung?

US-Präsident Donald Trump kritisiert nicht nur deutsche Exporte dank tiefem Euro. Auch die Schweiz wird beobachtet. Was ist dran am Manipulationsvorwurf?

Tommaso Manzin
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Container-Terminal in Hamburg: Nicht nur die florierenden Exporte Deutschlands sind im Visier der USA.

Container-Terminal in Hamburg: Nicht nur die florierenden Exporte Deutschlands sind im Visier der USA.

KEYSTONE

Vor ein paar Wochen erklärte US-Präsident Donald Trump, China und Japan würden über Abwertungen ihrer Währung der US-Wirtschaft schaden. Deutschland nutze den unterbewerteten Euro für eigene Handelsvorteile. Die Polemik ist nicht neu. Und auch die Schweiz gerät dabei ins Visier. Ein auf Export ausgerichtetes Land profitiert, wenn die eigene Währung schwach ist. Dann sind nämlich seine Produkte im Ausland billiger. Was ist dran am Manipulationsvorwurf?

Top-Exportländer im Verdacht

Die Grafiken zeigen: Die USA haben selbst ein vitales Interesse an einem schwächeren Dollar. Sie sind nämlich der weltweit zweitgrösste Exporteur. Doch der Abstand zum Leader China ist grösser, als die Rangliste suggeriert. Um das zu sehen, muss die Importseite hinzugezogen werden: Die USA führen mehr Güter und Dienstleistung ein, als sie ausführen.

In China ist es umgekehrt. Gerade im Handel mit China klafft ein hohes Defizit. Die USA exportieren weniger nach China, als sie von dort importieren. Exportiert ein Land in ein anderes mehr, als es von dort importiert, erhält es Devisen. Um beim Beispiel zu bleiben: Die USA zahlen Importe aus China in Dollars, Chinas Zentralbank ist daher voll von auf US-Dollars lautenden Schulden. China und Japan sind die grössten Gläubiger der USA. Das ist alle Jahre Gegenstand heftiger Debatten im US-Kongress. Donald Trump betrieb mit dem Versprechen, dieses Defizit zu verringern, wenn nötig mit Steuern auf Importen, Wahlkampf.

Die kritisierten Länder dementieren und rechnen ihren Exporterfolg nicht der schwachen Währung, sondern dem Erfolg ihrer Produkte an. Der japanische Regierungschef Shinzo Abe antwortete, die anhaltend expansive Geldpolitik von Japans Zentralbank ziele allein auf die Bekämpfung der seit Jahrzehnten stagnierenden oder fallenden Preise (Deflation). Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel verwahrte sich gegen die Vorwürfe: Man nehme keinen Einfluss auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Dennoch: Unter den Top-Exportländern gemäss Welthandelsorganisation WTO sind auffällig viele Länder, deren Notenbank eine expansive Geldpolitik betreibt und so die Währung schwächt – auch die Schweiz. Ganz unabhängig sind die Notenbanken zudem nicht. Zumindest der Kritik der Politik sind sie ausgesetzt. Hierzulande etwa fordert die Politik von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) regelmässig, den Franken durch den Kauf anderer Devisen zu schwächen (allerdings wird auch das dadurch befeuerte Wachstum ihrer Bilanz kritisiert). So darf es nicht überraschen, dass auch die Schweiz auf dem US-Radar der potenziellen Währungsmanipulatoren gelandet ist – nicht erst seit der Administration Trump.

Heikles Deflationsargument

Seit 2016 gibt das US-Finanzministerium eine «Watchlist» heraus, auf die letzten Herbst auch die Schweiz kam – neben China, Japan, Korea, Deutschland und Taiwan. Demnach liegt der Schweizer Leistungsbilanzüberschuss (der Unterschied zwischen Exporten und Importen) über der US-Toleranz von 3 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). In Dollars betrug der Unterschied 2015 gemäss Zahlen der WTO knapp 40 Milliarden – etwa sechs Prozent gemessen am Schweizer BIP von rund 650 Milliarden Dollar. Die SNB kaufte 2015 Fremdwährungen in Höhe von gut 86 Milliarden Franken.

Fazit: Natürlich beeinflusst die Schweiz die Währung – zumindest ihre Notenbank, die SNB, tut dies mit ihrer Geldpolitik – zum Glück. Sie zielt aber nicht auf den Franken. Dessen Schwächung ist vielmehr Mittel gegen Deflation. Würde der Franken zu stark, brächen die Exporte ein, die Arbeitslosigkeit stiege. Das würde die Nachfrage im Inland schwächen und so die Preise drücken. Das Mandat der SNB verlangt von ihr, die Preise stabil zu halten, also weder zu stark steigen (Teuerung, Inflation) noch fallen zu lassen (Deflation).

Doch aufgepasst: Wenn mit dieser Argumentation alle Geld drucken, sobald es wirtschaftlich schlechter geht, und so ihre Währung abwerten, entstehen Währungskriege. Irgendwann exportiert dann niemand mehr als vorher, aber alle importieren weniger. Die im Inland verhinderte Abwärtsspirale der Nachfrage wird auf eine globale Ebene verschoben. Spätestens dann verlieren alle.

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