Julius Bär
Geldwäscherei-Vorwürfe: Schweizer Topbanker atmet auf – doch in einem weiteren Fall kommt es zu einem Verfahren

Die Finanzmarktaufsicht schliesst eine Untersuchung gegen den Schweizer Topbanker Boris Collardi mit einer harmlosen Rüge ab. In einem ähnlichen Fall kommt es aber zu einem Verfahren.

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Verwarnt, aber nicht verurteilt: Eine direkte kausale Verantwortung für die schweren Gesetzesverstösse der Bank Julius Bär konnte die Aufsichtsbehörde dem Ex-Chef nicht nachweisen.

Verwarnt, aber nicht verurteilt: Eine direkte kausale Verantwortung für die schweren Gesetzesverstösse der Bank Julius Bär konnte die Aufsichtsbehörde dem Ex-Chef nicht nachweisen.

Steffen Schmidt / KEYSTONE

Boris Collardi, langjähriger Chef der Bank Julius Bär und seit 2018 Partner bei der Genfer Privatbank Pictet, kann aufatmen. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat nach einer längeren Untersuchung nicht genügend Hinweise gefunden, um den Manager direkt für schwere Verstösse der Bank gegen Bestimmungen der Geldwäschereibekämpfung und das Aufsichtsrecht verantwortlich zu machen.

Noch im Februar 2020 war die Finma zum Schluss gelangt, dass es bei Julius Bär in den Jahren 2009 bis 2018 zu «schweren Mängeln in der Geldwäschereibekämpfung» gekommen war. Collardi war just in jener Zeit Chef der Bank gewesen. Die Verfehlungen ergaben sich im Zusammenhang mit der Betreuung von Kundengeldern, die aus mutmasslich korrupten Geschäften rund um die staatliche venezolanische Erdölgesellschaft PDVSA sowie des internationalen Fussballverbandes Fifa stammten.

Risiko eines Berufsverbotes abgewendet

In der damaligen Verfügung gegen die Bank ordnete die Behörde eine Reihe von Massnahmen an, damit deren «ordnungsgemässer Zustand» wiederhergestellt werde. Diese Verfügung hing während elf Monaten wie ein Damoklesschwert über Collardis Zukunft als Topbanker in der Schweiz. Denn das Verdikt konnte mindestens theoretisch auch so verstanden werden, dass Collardi selbst in seiner Zeit als Bankchef keine Gewähr für eine ordnungsmässige Geschäftsführung mehr geboten hatte. Er hätte somit die Bewilligungsvoraussetzung zur Ausübung einer Führungsposition im Schweizer Finanzmarkt nicht mehr erfüllt.

Die Bedrohung eines Berufsverbotes ist der Manager mit der am Donnerstag veröffentlichten Verfügung nun definitiv losgeworden. Die Rüge ist die schwächste Form einer behördlichen Missfallenskundgebung. Sie hat keine direkten Rechtswirkungen und begründet weder eine zivilrechtliche noch eine strafrechtliche Verantwortlichkeit.

Collardi «akzeptiert Rüge»

Dementsprechend tief geht Collardis Seufzer der Erleichterung. Über seinen persönlichen Sprecher verbreitete er am Donnerstag das folgende Statement: «Mit Befriedigung nehme ich den Abschluss der Finma-Abklärungen zum Fall Bank Bär bezüglich meiner Person zur Kenntnis. Die ausgesprochene Rüge akzeptiere ich. Entscheidend ist, dass die Angelegenheit damit für mich zu einem Abschluss gebracht wurde.»

Die Untersuchung gegen Collardi war auch für die renommierte Bank Pictet zu einem erheblichen Reputationsrisiko geworden. Wäre Collardi eine persönliche Verantwortung an den gravierenden Verfehlungen in der Gelwäschereibekämpfung bei Julius Bär nachgewiesen worden, hätten sich zwangsläufig auch Fragen zu dessen Geschäftsgebaren in seiner neuen Stelle in Genf ergeben. Deshalb war es auch ganz im Interesse der noblen Privatbank, Collardis Reinwaschung direkt zu kommunizieren: «Wir nehmen die Entscheidung der Finma zur Kenntnis. Pictet steht hinter Boris Collardi. Wir haben volles Vertrauen in seine Arbeit bei Pictet.»

In der Finma-Verfügung selbst wird Collardi namentlich nicht erwähnt. Auch die Namen von drei weiteren Managern, deren Verantwortlichkeit die Behörde untersucht hat, bleiben unerwähnt.

Ein Manager muss weiter zittern

Neben Collardi kam ein zweiter Manager mit einer Rüge davon. Es dürfte sich um Collardis Nachfolger Bernhard Hodler handeln, der inzwischen im Ruhestand ist. In einem weiteren Fall kommt es zu einem weiterführenden «Durchsetzungsverfahren» mit offenem Ausgang. Ein zweites solches «Enforcement» wurde obsolet, nachdem der verantwortliche Manager der Finma zugesichert hatte, dem Finanzplatz als Führungsperson fern zu bleiben.

Inwieweit der faktische Freispruch für Hodler und Collardi dazu führen wird, dass diese allfällige finanzielle Ansprüche bei Julius Bär nachträglich noch geltend machen können, wollte die Bank auf Anfrage nicht kommentieren. Mindestens Collardis Ansprüche sollen schon 2017, nach dessen Austritt aus der Bank, verfallen sein. Unbekannt ist auch, was die Zürcher Staatsanwaltschaft unternimmt, die im vergangenen Jahr nach einer Anzeige gegen Collardi eine strafrechtliche Voruntersuchung gegen ihn eingeleitet hatte. Die Behörde liess eine Anfrage unserer Zeitung unbeantwortet.