Futtermittel
Swissness-Debatte um Schweizer Fleisch nimmt weiter Fahrt auf

Nach Greenpeace verlangt auch die Grüne Partei einen höheren Inlandfutter-Anteil. Die Fleischbranche bereitet derweil die Grillsaison vor.

Gabriela Jordan
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Das Cervelat-Plakat von Suisse Garantie.

Das Cervelat-Plakat von Suisse Garantie.

Bild: CH Media

Mit dem Frühling steht auch die Grillsaison wieder vor der Tür. In dieser Zeit greifen selbst Schweizerinnen und Schweizer, die sonst weniger häufig Fleisch essen, eher mal zu einer Cervelat, Bratwurst oder einem Pouletspiessli. Pünktlich dazu hat Suisse Garantie, ein Label des Vereins Agro-Marketing Suisse, eine Plakatkampagne lanciert: «Auf die inneren Werte kommt es an», heisst es auf dem Bild mit der riesigen aufgespiessten Cervelat, die gerade zahlreiche Bahnhöfe in der Schweiz ziert.

Suisse Garantie mischt damit offenkundig in der aktuellen Debatte um die Swissness von Schweizer Fleisch mit. Diese steht von verschiedenen Seiten nämlich unter Beschuss. Das Argument: Die Tiere würden zwar in der Schweiz aufgezogen, das Futter stamme zu grossen Teilen aber aus dem Ausland. Vor einer Weile publizierte Greenpeace dazu eine Studie. Fazit: Mehr als 50 Prozent des Kraftfutters werde importiert (etwa Soja aus Brasilien), was eine hohe Umweltbelastung zur Folge hat. Der Import müsse daher reduziert werden, fordert Greenpeace. Neben Fleisch ging es in der Studie auch um andere tierische Produkte wie Eier und Milch. Über alle Nutztierarten hinweg macht Kraftfutter im Verhältnis zu Raufutter (etwa Gräser und Klee) einen kleineren Teil aus.

Grüne fordern angepasste Deklarierung der Herkunft

Diese Woche wurde das Anliegen auch von der Grünen Partei aufgenommen. Der Solothurner Nationalrat Felix Wettstein hat zusammen mit 13 Mitunterzeichnenden eine Motion eingereicht. Die genaue Forderung: Als «schweizerisch» dürfen nur diejenigen tierischen Produkte bezeichnet werden, deren Futter zu mindestens 75 Prozent aus dem Inland kommt. Massgebend sei die zugeführte Energiemenge.

Felix Wettstein.

Felix Wettstein.

Keystone

«Bei der Deklarierung entspricht die Herkunft heute dem Ort der Haltung», kritisiert Felix Wettstein. Konsumentinnen und Konsumenten würden bei «Schweizer Fleisch» annehmen, dass dieses Produkt dank kurzer Wege ökologischer produziert worden sei und strengeren Auflagen an die Produktionsweise unterstellt sei als ein vergleichbares importiertes Produkt. «Dabei bleibt bisher unberücksichtigt, zu welchen Anteilen die entsprechenden Nutztiere mit einheimischem oder mit importiertem Futter grossgezogen wurden.»

Um künftig Konsumentinnen und Konsumenten fair zu informieren, soll der Mindestanteil an einheimischer Futterbasis definiert werden, verlangt Wettstein und fordert den Bundesrat auf, die Bestimmungen zu den schweizerischen Herkunftsangaben anzupassen.

Proviande verweist auf Schweizer Herstellungsstandards

Der Verband Proviande, der «Schweizer Fleisch» als Marke eingetragen hat, äusserte sich bereits nach dem Erscheinen der Greenpeace-Studie zu dem Vorwurf. In Schweizer Fleisch stecke mehr als nur die Zahl von Futtermittelimporten, nämlich auch Schweizer Tierschutzstandards, argumentierte die Organisation. Und weiter: «Die Schweizer Bevölkerung ernährt sich zu rund 60 Prozent mit importierten Nahrungsmitteln. Sind wir deshalb keine Schweizerinnen und Schweizer mehr und sollen den roten Pass abgeben?» ­– damit wird auch die Anspielung von Suisse Garantie auf die «inneren Werte» auf dem Cervelat-Plakat klarer.

«Schweizer Fleisch» trotz ausländischem Futter?

«Schweizer Fleisch» trotz ausländischem Futter?

Keystone

Der Nationalrat wird den Vorstoss zuerst behandeln. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Schweizer Parlament und der starken Bauernlobby ist ein Erfolg der Motion relativ unwahrscheinlich.

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