Fussball-Milliarden
Das Fussballmonopoly um die Champions League – Uefa verliert an Einfluss

Der europäische Fussballverband Uefa und die Grossklubs organisieren künftig die Vermarktung der Klubwettbewerbe gemeinsam.

Christian Mensch
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Die Erträge aus der Vermarktung der europäischen Klubwettbewerbe sollen massiv gesteigert werden – koste es, was es wolle.

Die Erträge aus der Vermarktung der europäischen Klubwettbewerbe sollen massiv gesteigert werden – koste es, was es wolle.

Nurphoto/NurPhoto

Die europäischen Klubwettbewerbe spielen dem Fussballverband Uefa in der aktuellen Saison 3,6 Milliarden Euro in die Kasse. Dies sind 400 Millionen Euro mehr als in der Vorsaison – und doch weitaus weniger, als die geldverschlingende Fussballindustrie künftig kassieren will. 5 bis 6 Milliarden Euro werden es wohl sein, die ab der Saison 2024/25 mit der Champions League und den nachgelagerten Ligen europäisch erwirtschaftet werden sollen.

Vergangene Woche hat die Uefa kommuniziert, dass sie für den Ertragssprung die Vermarktung der TV- und Marketingrechte erstmals ausschreibe. Leidtragende ist die Schweizer Firma Team Marketing des ehemaligen FCB-Bosses Bernhard Burgener, der an diesem Auftrag seit 1992 jährlich Millionen verdiente. Nun sind als eigentlich vertraulich deklarierte Ausschreibungsdetails publik geworden.

Das Branchenportal «SportBusiness» zitiert ausführlich daraus. Die zentrale Änderung: Die Vergabe der Rechtevermarktung läuft über eine gemeinsame Firma von Uefa und der Vereinigung der Grossklubs (ECA). Die Uefa verliert damit ihre alleinige Verfügungsgewalt über die Geld- und Machtmaschine Champions League.

Ohne Investmentgesellschaft wird es nicht gehen

Die Vorgeschichte ist bekannt: Zwölf Grossklubs drohten mit der Rückendeckung der Grossbank JP Morgan mit einem eigenen europäischen Klubwettbewerb. Die Uefa drohte mit Sanktionen zurück und lockte mit der Investmentgesellschaft Centricus im Rücken mit zusätzlichen Ausschüttungen. Die nun vollzogene gemeinsame Ausschreibung scheint das Resultat eines hinter verschlossenen Türen ausgehandelten Kompromisses zu sein.

Ohne Investmentgesellschaft wird aber wohl auch der neue Deal nicht über die Bühne gehen können. Denn als zweite zentrale Änderung kommt hinzu, dass die Vermarktungsagentur eine Mindestgarantie abgeben muss. Das heisst, der neue Partner muss mit etlichen Milliarden Euro ins Risiko gehen, um den Zuschlag zu erhalten.

Bloss ein abgekartetes Spiel?

Team Marketing hat das Geschäft jeweils auf Provisionsbasis betrieben. Zwar mussten gewisse Mindesterträge generiert werden, um ohne Ausschreibung den Auftrag auch für einen nächsten Vierjahreszyklus zu erhalten. Das grosse unternehmerische Risiko lag jedoch bei der Uefa.

Wenn Team Marketing bei der aktuellen Ausschreibung mitbieten will, wird die Firma wohl nicht ohne finanzstarke Gruppe im Hintergrund auskommen. Die Fristen sind extrem kurz gesetzt. Bereits in einem Monat müssen die Interessenten eine detaillierte Offerte vorlegen, in welchem Markt sie künftig welche Erträge zu erzielen glauben.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung», die ebenfalls Einblick in die Unterlagen hatte, glaubt denn auch, ein möglicherweise abgekartetes Spiel zu entdecken. Demnach wäre bereits bestimmt, wer künftig die Geldmaschine antreibt. Für die Kulisse würde noch getan, als habe es dazu einen fairen Wettbewerb gegeben.

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