Zufriedenheit klingt anders. «Wir haben uns ein besseres Resultat gewünscht», sagte Lorenz Wyss, Chef der Bell Food Group, zum Geschäftsgang des Unternehmens heute vor den Medien. Das ärgere ihn und sei für die Mitarbeitenden unbefriedigend. Vor allem das erste Halbjahr habe Spuren hinterlassen bei der Coop-Tochter.

Bell wird in diesem Jahr 150 Jahre alt, ein Umstand der wohl nur möglich war, weil sich die Firma mehr und mehr vom reinen Fleischverarbeiter wegentwickelt hat. Seit ein paar Jahren ist das Wachstum vor allem in der Convenience-Sparte gemacht worden. Das Fertigessen, längst auch komplexer ausgestaltet als die herkömmlichen Fast-Food-Menüs, bestimmt denn auch in Zukunft die Strategie von Bell. Aber: Wyss erklärte an der Bilanzmedienkonferenz, dass man auch mit vegetarischen oder gar veganen Produkten wachsen will. Die Analogie liefert Wyss gleich mit: «Wir wollen auf der Mitte des Tellers sein. Wenn sich die Mitte verändert, dann müssen wir dabei sein.»

Die Veränderung, die Wyss anspricht, ist seit Jahren zu beobachten. Fleisch hat es schwer, der durchschnittliche Konsum nimmt ab. Zum Vergleich: 1996 assen Herr und Frau Schweizer durchschnittlich 53,6 Kilo Fleisch. 2017 waren es noch 50 Kilo. Konfrontiert mit diesem Umstand, muss sich Bell nach anderen Geschäftsgebieten umsehen, weil zumindest kurzfristig nicht zu erwarten ist, dass plötzlich viel mehr Steaks und Cervelats gegessen werden. Der gesellschaftliche Trend zeigt in eine andere Richtung.

Ein Viertel Convenience

Vorerst ist aber das Convenience-Geschäft bestimmend für den Geschäftserfolg von Bell. Im vergangenen Jahr hat Bell mit Hügli im Convenience-Bereich einen Zukauf getätigt. Mittlerweile liefert die Fertigessen-Sparte 26 Prozent des Umsatzes. Das Ziel sei es, dass Convenience mittelfristig rund 50 Prozent beisteuert, so Wyss. Im vergangenen Jahr hat Bell etwa über die Tochter-Marken Hilcona oder Eisberg 190 Millionen Kilogramm an Convenience-Produkten abgesetzt. Das entspricht einem Plus von 76,5 Prozent, getrieben von der Hügli-Übernahme. Um dieses Wachstum zu beschleunigen, eröffnet Bell 2019 einen neuen Produktionsbetrieb im österreichischen Marchtrenk. Zudem soll ein Produktionsstandort im deutschen Bad Wünnenberg neu auf Frisch-Convenience ausgerichtet werden. Bereits heute hat Bell im Ausland diverse Produktionsanlagen.

Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Ein weiteres Geschäftsfeld, um zu wachsen, ist der sogenannte Food Service. Als «Smart Cuisine» wird das neue Geschäftsfeld bezeichnet. Die Idee dahinter: In der Schweiz aber auch im nahen Ausland fehlen Köche. Hotelketten, Spitäler oder Altersheime sind auf neue Ideen zur Verköstigung angewiesen. Dort will Bell nun aufspringen, etwa mit Frischconvenience oder Fertiggerichten. Hier wolle man in Zukunft gezielt Zukäufe tätigen.

Neben einem weiterhin starken Wachstum im Convenience-Bereich will Bell auch die Synergien, die bei der Zusammenführung von Hügli und Bell entstanden sind, besser nutzen. Das Ziel ist eine positive Auswirkung von 10 Millionen Franken auf den Ebitda. Diese Synergieeffekte sind auch nötig, wenn Bell 2019 tatsächlich einen Reingewinn von über 100 Millionen Franken präsentieren will. Dieses Ziel nannte Finanzchef Marco Tschanz gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. 2018 lag diese Kennzahl bei 89,3 Millionen Franken, was einem Minus von 16 Prozent entspricht. Rechnet man Währungseffekte raus, steht am Ende immer noch ein Minus von 2,2 Prozent. Der Umsatz hingegen stieg das erste Mal in der Geschichte von Bell auf über 4 Milliarden Franken. Rund 60 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet die Gruppe in der Schweiz. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken.