Fleischersatz
Vegane Burger und Schnitzel boomen – die Schweizer Landwirtschaft profitiert aber (noch) nicht davon

Der Umsatz mit Fleischersatz-Produkten steigt und steigt. Die für die Herstellung notwendigen pflanzlichen Proteine werden aber noch weitgehend importiert.

Gabriela Jordan
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Vor dem Hintergrund des Klimawandels ging der Fleischkonsum in der Schweiz zuletzt zurück. Das Bild zeigt vegane Fleischersatz-Produkte.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels ging der Fleischkonsum in der Schweiz zuletzt zurück. Das Bild zeigt vegane Fleischersatz-Produkte.

Westend61

Vegi-Produkte sind stark gefragt: Der Umsatz mit Burgern, Schnitzeln oder Würsten aus Soja, Erbsenproteinen oder anderen Eiweissquellen ist in der Schweiz seit 2016 stark gestiegen – und zwar um durchschnittlich 18,4 Prozent pro Jahr. Das zeigt der erste Fleischersatz-Report des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), der am Montag publiziert worden ist.

Konkret konnte der Detailhandel 2020 mit Fleischersatz-Produkten einen Umsatz von 117 Millionen Franken erwirtschaften. 2016 waren es erst 60 Millionen Franken und damit etwa halb so viel. «Fleischersatz ist zwar noch ein relativ kleiner Markt – verglichen mit Fleisch beträgt der Marktanteil im Detailhandel bloss 2,3 Prozent», sagte Co-Autor Cornel Herrmann an der virtuellen Präsentation des Reports. «Es ist aber ein extrem dynamischer Markt.»

Vegi-Produkte sind in der Deutschschweiz beliebter

Ein Blick in die Supermarkt-Regale bestätigt das: Zu Gemüseplätzchen wie jenen der Migros-Marke Cornatur gesellten sich in den letzten paar Jahren zahlreiche neue Produkte wie Planted Chicken, Beyond Burger, Impossible Burger oder The Green Mountain – um nur einige zu nennen. Besonders gefragt sind dabei Burger auf pflanzlicher Basis: Laut dem BLW-Report ist mittlerweile jedes sechste verkaufte Burger-Stück nicht aus Fleisch.

Konsum von Fleischersatzprodukten in der Schweiz – die wichtigsten Facts im Video.

Keystone-SDA

Die fleischähnlichen Produkte, die wie Fleisch aussehen und schmecken sollen (wie eben Burger, Schnitzel, Nuggets oder Geschnetzeltes), sind laut dem BLW-Report die am stärksten wachsende Kategorie. 2020 stieg der Umsatz gegenüber 2016 von 32 auf 72 Millionen Franken. Danach folgen die Vegi-Convenience-Produkte (von 15 auf 23 Millionen), die eher Gemüsecharakter haben und nicht primär als Fleischimitate gelten (etwa Falafel), sowie die klassischen Produkte wie Tofu oder Seitan (von 13 auf 22 Millionen Franken). 2020 war das Umsatzwachstum besonders stark – wozu auch die Pandemie beigetragen hat.

Noch sind Tofu, Vegi-Burger und Co. längst nicht bei allen beliebt: Der Konsum hängt stark von der Art des Haushalts ab. Laut dem Report sind Fleischersatz-Produkte vor allem bei jungen, gutverdienenden Familien aus Städten in der Deutschschweiz beliebt. Umgekehrt ist die Nachfrage in ländlichen Gebieten, in der Westschweiz und bei Haushalten mit geringen Einkommen tiefer. Und dies, obwohl ein Kilo Fleischersatz-Produkte im Schnitt rund 5 Prozent günstiger ist als Fleisch.

Ungenutzte Chance für Schweizer Landwirtschaft

Der Fleischkonsum in der Schweiz sinkt bereits seit ein paar Jahren, jetzt wächst zudem eine neue Generation heran, die sich zu grossen Teilen vegetarisch oder vegan ernährt. Der heutige Nischenmarkt birgt also noch ein riesiges Potenzial – auch für die Schweizer Landwirtschaft, die sich ohnehin auf einen tieferen Fleischkonsum einstellen muss. Anders als Händler und Industriebetriebe profitiert sie von dem aktuellen Vegi-Trend noch nicht. Nahezu alle pflanzlichen Proteine werden laut dem BLW-Report derzeit importiert.

Ob es Bauern gibt, die eine Umstellung der Produktion auf Eiweisspflanzen erwägen, liess sich beim Schweizer Bauernverband am Montag nicht in Erfahrung bringen. Heute gibt es erst einige wenige Produzenten und Initiativen – so beziehen etwa Coop und Migros für ihre Tofu-Produkte Soja aus der Schweiz.

Cornel Herrmann, Co-Autor des BLW-Reports, betont jedoch, dass es für eine Umstellung auch eine entsprechende Verarbeitungsindustrie im Inland braucht. «Nur die Eiweissproduktion hochzufahren, reicht nicht. Eine Zusammenarbeit über die ganze Lebensmittelwertschöpfungskette wäre notwendig», sagt er. Auf Seiten der Konsumentinnen und Konsumenten ist das Potenzial auf jeden Fall vorhanden.