Ferien
Testen, Impfen, Reisen: Nachfrage nach Reisepässen steigt – Termine bei Passbüros teils ausgebucht

Mit dem Impffortschritt steigt auch die Reiselust. Wer seinen Ausweis verlängern lassen will, muss sich in einer Region besonders gedulden.

Gabriela Jordan
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Packen Schweizerinnen und Schweizer bald ihre Reisekoffer?

Packen Schweizerinnen und Schweizer bald ihre Reisekoffer?

Fabienne Arnet /
Neue Luzerner Zeitung

Die fortschreitende Impfkampagne und die Debatte um einen Impfpass weckt bei Schweizerinnen und Schweizern die Reiselust. Die Aussicht auf Sommerferien unter Palmen und ohne Quarantäne scheint allmählich nicht mehr ganz so abwegig. Viele kümmern sich aktuell deshalb darum, ihren Pass oder ihre Identitätskarte zu verlängern. Seit Ausbruch der Pandemie scheint dies nämlich manch einer aufgeschoben zu haben.

Einen regelrechten Ansturm gibt es in Zürich: In den letzten Wochen haben sich dort über Tausende Zürcherinnen und Zürcher online um einen Termin beim Passbüro bemüht. Wie der «Tagesanzeiger» jüngst berichtete, führte dies zeitweise zu Wartezeiten von bis zu einem Monat. Inzwischen ist die Wartezeit nicht mehr so lang – was allerdings auch am zusätzlichen Personal im Passbüro liegt.

So wurden zwei Personen aus einer anderen Abteilung temporär in die Sicherheitsdirektion umgeteilt. Seit Mai ist das Büro zudem auch samstags geöffnet. Sicherheitsdirektor Mario Fehr sagte gegenüber der Zeitung:

«Die Hoffnung kehrt zurück. Diese Trendwende in unserem Passbüro ist ein schönes Zeichen, über das sich besonders die Reisebüros freuen können.»

Er führt den Ansturm darauf zurück, dass im Pandemiejahr 2020 so wenige neue Pässe wie schon lange nicht mehr ausgestellt worden sind.

Ansturm in Zürich – Flaute von Basel bis St. Gallen

In anderen Kantonen scheint es diesen Nachholbedarf bisher jedoch nur bedingt zu geben, wie eine Umfrage in Bern, Basel-Stadt, St. Gallen, Luzern und Aarau zeigt. Fast alle angefragten Passbüros bestätigen zwar, dass im Jahr 2020 weniger Pässe ausgestellt worden sind. Vielerorts war der Einbruch aber gar nicht so gross. Im Passbüro Bern beispielsweise gab es zwar deutlich weniger Einzelbestellungen, beim Kombi-Angebot (Pass und ID) – das am häufigsten bestellt wird – war der Rückgang aber «nicht markant», wie Abteilungsleiter Etienne Gugolz auf Anfrage sagt.

In Luzern hingegen wurden laut dem Geschäftsbericht 2020 der Polizei aber doch 25 Prozent weniger Ausweise als erwartet ausgestellt. Die erwarteten Zahlen basieren auf den Ausweis-Bestellungen von vor zehn Jahren plus dem Bevölkerungswachstum. Dies, weil es bei der Ausstellung von neuen Pässen erfahrungsgemäss einen Zehn-Jahres-Zyklus gibt, welcher der Geltungsdauer des Schweizer Passes entspricht.

Doch ob grosser oder kleiner Rückgang: Statt eines Ansturms wie in Zürich beobachten die fünf Passbüros momentan sogar das Gegenteil. So heisst es unisono:

Die Nachfrage ist tiefer als erwartet und nimmt erst seit ein, zwei Monaten wieder leicht zu.

Je nach Region beträgt die Wartezeit für einen Termin wenige Tage (Bern, Luzern), eine Woche (St. Gallen, Aargau) oder bis zu zwei Wochen (Basel-Stadt) – was zu diesem Zeitpunkt im Jahr somit etwa der Norm entspreche. Anders als Zürich musste also noch kein anderes Passbüro zusätzliches Personal organisieren.

Folgt der Ansturm in anderen Kantonen noch?

Doch warum ist die Nachfrage im Kanton Zürich so viel höher? Ist der Nachholbedarf tatsächlich so viel grösser oder kann es sein, dass die Zürcher Trendsetter sind und sich früher als andere Leute Gedanken ums Reisen und den Reisepass machen? Darüber will bei den Passbüros niemand spekulieren, die Gründe für die derzeit tieferen Zahlen könnten nur vermutet werden.

Beim Passbüro des Kantons Aargau meint Abteilungsleiter Andreas Bamert-Rizzo lediglich: «Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Terminen wieder zunimmt, sobald Reisen wieder besser möglich wird.» Vielleicht sind die Zürcher ja einfach optimistischer – oder ungeduldiger.