Farbe als Signal
Küsschen, Handschlag oder Abstand? Das sagen Novartis, Migros und Co. zu bunten Covid-Armbändern im Büro

In ausländischen Firmen kommen sie vermehrt zum Einsatz: Gummi-Armbänder in unterschiedlichen Farben, die komische Situationen bei der Rückkehr aus dem Home Office verhindern sollen. Schweizer Grosskonzerne reagieren unterschiedlich auf diese Massnahme.

Benjamin Weinmann
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Kommen in ausländischen Firmen nach der Rückkehr aus dem Home Office vermehrt zur Anwendung: Bunte Gummi-Armbänder mit unterschiedlichen Social-Distancing-Anweisungen. Auch US-Hochzeits-Organisatoren bieten die Bändeli für Gäste an.

Kommen in ausländischen Firmen nach der Rückkehr aus dem Home Office vermehrt zur Anwendung: Bunte Gummi-Armbänder mit unterschiedlichen Social-Distancing-Anweisungen. Auch US-Hochzeits-Organisatoren bieten die Bändeli für Gäste an.

Screenshot, Boxwoodrose.com

«Lange nicht gesehen!» - das wird es in den kommenden Wochen oft heissen, wenn Angestellte ihr Home Office verlassen und sich wieder vermehrt am Arbeitsort blicken lassen müssen. Doch wie soll man sich begrüssen? Drohen peinliche Situationen mit ungelenken Bewegungen, da nicht klar ist: Umarmung, Handschlag oder möglichst viel Abstand halten?

In manchen ausländischen Firmen kommen deshalb vermehrt bunte Gummi-Armbänder zum Tragen. Je nach Farbe signalisieren sie, wie es die Person mit dem Social Distancing hat. So soll sich niemand bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz rechtfertigen müssen, wenn man auf ein Küsschen-Küsschen, oder einen Handschlag verzichten möchte. Denn noch sind nicht alle geimpft, und manche Personen haben sich nun mal an den Verzicht auf Körperkontakt mit Arbeitskolleginnen und -kollegen gewöhnt.

Grün für «fist bumps», rot für Abstand

So bietet in Dubai die Create Media Group bereits seit letztem Sommer verschiedene Armbänder an. Grün signalisiert, dass man für so genannte «fist bumps», also die Begrüssung per Faust-auf-Faust, zu haben ist. Gelb heisst: Sprechen ohne Berührung ist okay, und rot bedeutet, dass der Abstand bitte gewahrt bleiben soll. Auch die Handelskammer von Chesterfield im US-Bundesstaat Virginia setzt seit kurzem auf die bunte Lösung. Auf dem roten Armband steht «No contact!», auf dem gelben «Elbows only» (nur Ellbogen) und das grüne gibt grünes Licht für Umarmungen.

Die Armbänder gibt es auch auf Onlineshops zu kaufen.

Die Armbänder gibt es auch auf Onlineshops zu kaufen.

Screenshot, Amazon

Doch wie gehen Schweizer Grossfirmen mit der Körperkontakt-Diskussion um? Eine Umfrage von CH Media bei hiesigen Unternehmen wie der Swiss, Swisscom, Post, SBB, Roche oder Novartis zeigt: Sie überlassen diese Entscheidung den Angestellten – ohne bunte Armbänder. Ganz abgeneigt sind der Idee aber nicht alle. So heisst es beim Liftbauer Schindler, dass Armbänder «im Moment» nicht Teil des Massnahmenkatalogs seien. «Wir beobachten die Situation weiterhin und überprüfen, ob Anpassungen notwendig werden.» Und der Schweizer Ableger des Beratungsunternehmens Deloitte findet den Armband-Ansatz interessant. Das Wohlbefinden der Mitarbeitenden sei zentral. «Auch prüfen wir laufend neue Ideen, um dieses zu stärken und die Zusammenarbeit zu fördern», sagt ein Deloitte-Vertreter.

SBB erlaubt Angestellten das Tragen von bunten Armbändern

Ein Sprecher des Industriekonzerns ABB sagt, solche Armbänder seien aktuell kein Thema. Man beobachte die Situation allerdings laufend. Da die Rückkehr an den Arbeitsplatz erst bevorsteht mit der so genannten «Normalisierungsphase», sei es noch etwas zu früh für weitere Aussagen. Und bei den SBB sagt Sprecher Olivier Dischoe: Schon vor Corona hatten sich Mitarbeitende auf unterschiedliche Weise begrüsst und miteinander kommuniziert. Wenn jemand ein solches Armband tragen will, ist dies aber natürlich gestattet.

Ablehnender tönt es bei der Migros: «Solche Aktionen wirken etwas bemüht», sagt Sprecher Marcel Schlatter. Man halte sich lieber an die Regelungen und Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Und Coop richtet aus, dass man die Mitarbeitenden frühzeitig über begleitende Massnahmen bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz informieren werde. Von einer farbgesteuerten Kategorisierung der Angestellten sehe man aber ab. Bei Novartis heisst es: «Wir vertrauen darauf, dass unsere Mitarbeitenden verantwortungsbewusst handeln.»

Willkommensveranstaltungen bei Syngenta geplant

Eine Sprecherin des Agrochemiekonzerns Syngenta sagt, man gehe davon aus, dass die Angestellten ab nächster Woche langsam wieder ins Büro zurückkehren werden, sie hätten allerdings nach wie vor die Möglichkeit, von Zuhause aus zu arbeiten. In den Büros gälten weiterhin eine Reihe von Sicherheitsrichtlinien wie die Gewährleistung von räumlichem Abstand, Hygienemassnahmen, das Tragen von Masken und regelmässige Tests für Personen, die nicht vollständig geimpft sind.

Armbänder sind bei Syngenta kein Thema. Aber: «Wenn nach den Sommerferien wieder mehr Mitarbeitende an den Standort zurückkehren, werden wir versuchen, Willkommensveranstaltungen zu organisieren, die unsere Teams dabei unterstützen, wieder miteinander am Arbeitsplatz in Kontakt zu treten.»

Zudem betont die Syngenta-Sprecherin, dass die Firma Webinare zur psychischen Gesundheit während der Pandemie angeboten hat, sowie eine App zum selben Thema, sowie eine App für körperliche Fitness und Wohlbefinden – und Webinare fürs gesunde Kochen.

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