Wirtschaft

EU will den internationalen Bahnverkehr massiv ausbauen - Schweiz nimmt manche Nachtzugverbindungen wieder in Betrieb

Über Nacht von Zürich nach Hamburg: Passagiere am Zürcher Hauptbahnhof.

Über Nacht von Zürich nach Hamburg: Passagiere am Zürcher Hauptbahnhof.

Im Zuge des «New Green Deal» sollen neue Zugverbindungen und einfachere Ticket-Plattformen her. Die Schweiz ist bei diesen Plänen nicht direkt involviert - bemüht sich aber ebenfalls um einen Ausbau.

Obwohl die Coronapandemie das Reisen aktuell erschwert, wird der Ausbau des internationalen Bahnverkehrs vorangetrieben. So nimmt zum Beispiel Deutschland am 4. Juli eine neue Destination ins Nachtzugangebot auf. Der Nachtexpress «Alpen-Sylt» vom privaten Hamburger Bahnanbieter RDC fährt von der Insel Sylt im hohen Norden Deutschlands über Hamburg, München bis nach Salzburg. «Wir glauben an die erfolgreiche Renaissance von Nachtzügen in Europa», sagt RDC-Geschäftsführer Markus Hunkel.

Auch die EU will den internationalen Bahnverkehr im Zuge des «Green New Deal» massiv ausbauen. Mit schnelleren Bahnverbindungen, neuen Nachtzug-Linien sowie vereinfachten Ticket-Plattformen sollen die Deutsche Bahn & Co. Billigflieger stärker konkurrieren, wie das Nachrichtenportal «Watson» schreibt. Insbesondere die uneinheitlichen und komplizierten Ticketsysteme wirken aktuell bremsend. 24 EU-Staaten haben vergangene Woche eine entsprechende Absicht kundgetan. 2021 soll gar als «Jahr der Eisenbahn» ausgerufen werden.

Und wie steht es um den Ausbau in der Schweiz? Als Nicht-EU-Mitglied ist die Schweiz nicht direkt in das Projekt involviert. Der Schweizer Bundesrat verfolgt aber ähnliche Absichten: Er stellt sich hinter verschiedene Vorstösse im Parlament, die insbesondere den Ausbau und die staatliche Förderung des Nachtzug-Schienenverkehrs fordern. Die Klimadebatte hat schon im vergangenen Jahr zu einer höheren Nachfrage nach Bahnfahrten geführt, die vom Nationalrat am Mittwoch beschlossene Flugticketabgabe könnte diesen Trend verstärken.

Ab Ende Juni fahren wieder Nachtzüge aus der Schweiz

Das wäre ganz im Sinn der SBB, die in Kooperation mit den ÖBB neue Reiseziele ins Angebot aufnehmen wollen – möglicherweise nach Westeuropa. Toni Häne, Chef Personenverkehr, äusserte vor einer Weile seine klare Präferenz für Barcelona. Heute gibt es bereits Nachtzugverbindungen nach Hamburg, Berlin, Graz, Wien, Budapest, Zagreb und Prag. Auf Grund der Coronapandemie wurde deren Betrieb bekanntlich gestoppt. Manche davon sollen nun bereits im laufenden Monat sukzessive wieder aufgenommen werden. Ab Ende Juni verkehren wieder regelmässig Nachtzüge von Zürich nach Wien, Graz, Hamburg, Berlin oder Prag, wie es in einer Medienmitteilung der SBB heisst. 2019 begrüssten die ÖBB 1,4 Millionen Passagiere in ihren «Nightjets», die Zahl soll laut einem Sprecher nicht zuletzt dank des Ausbaus des Angebots steigen.

Zweifel über einen grossen Nachfragesprung äussert der renommierte Mobilitätsforscher Thomas Sauter-Servaes von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Er glaubt nicht, dass jene Passagiere, die heute das Flugzeug für einen Städtetrip benutzen, unter den gegebenen Umständen in grosser Zahl auf die Bahn umsteigen werden. Ein Problem ortet er im Umstand, dass Bahnunternehmen und Airlines in einem Wettbewerb um Passagiere zueinanderstehen. Eine ausschliesslich auf Flugreisen ausgerichtete Airline werde alles daransetzen, die vorhandenen Flieger in die Luft zu bringen. Die einzige Chance, vermehrt Touristen und auch Geschäftsreisende mit der Bahn zu befördern, sieht Sauter-Servaes unter anderem in einem Rollenwechsel der Airlines von reinen Flug- zu Mobilitätsanbietern.

Autor

Gabriela Jordan

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