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«Essen Sie nicht zu viel Käse und Schoggi»

ABB ehrte den früheren Chefsanierer Jürgen Dormann mit einer besonderen Stiftung. Diese will die Zahl ihrer Stipendiaten innert zweier Jahre verdreifachen.

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Ruedi Mäder

Junger Besuch aus aufstrebenden Ländern im Schweizer Konzernforschungszentrum von ABB in Dättwil: Drei Dutzend Studenten aus Brasilien, China, Ägypten, Indien, Mexiko und Polen sind eine Woche lang Gäste der «Jürgen-Dormann- Stiftung für die Ausbildung von Ingenieuren». Diese Institution wurde vor drei Jahren gegründet und mit einem Stiftungsvermögen von 20 Millionen Franken ausstaffiert. Errichtet wurde die Stiftung zu Ehren des früheren Konzernchefs und Verwaltungsratspräsidenten Jürgen Dormann.

Der deutsche Topmanager war 2002 angetreten, um den in existenzielle Schieflage geratenen Schweizer Industriekonzern zu sanieren. 2007 verliess Dormann das Unternehmen.

Stipendium für maximal 5 Jahre

Die in Baden gegründete, steuerbefreite Stiftung bezweckt die Förderung von talentierten Studenten der Elektroingenieurwissenschaften, die aus so genannten Schwellenländern stammen und auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind.

Die Stipendien sind auf fünf Jahre befristet. Vorsitzender der Stiftung ist ABB-Konzernpersonalchef Gary Steel. Dieser betonte gegenüber dieser Zeitung, es gehe im Rahmen dieses Förderprogramms «nicht in erster Linie darum, für ABB akademische Exzellenz zu rekrutieren». Auch stelle die Stiftung kein Marketing-Instrument dar.

Ausdehnung in Vorbereitung
Im Vordergrund stehe vielmehr das Ziel, begabten Elektrotechnik-Studenten die Fortführung ihrer Ausbildung zu ermöglichen. Die Studenten werden in ihren Heimatländern von ABB-Mentoren betreut. In der Regel strebt ABB danach, in den jeweiligen Staaten mit Universitäten Partnerschaftsabkommen zu schliessen.

Innert zweier Jahre soll nun die Zahl der Stipendiaten von insgesamt 50 auf 150 steigen. In Vorbereitung ist die Ausdehnung des Stiftungsprogramms auf Studenten in Indonesien, Malaysia, Südafrika, Türkei und Vietnam.

«Erfolgreiche Firmen ziehen an»

Von einem eigentlichen globalen «Krieg um Talente» mag Steel ausdrücklich nicht sprechen. Sicher herrsche auch auf diesem Feld innerhalb der Branche Wettbewerb. Aber grundsätzlich gilt laut Steel: «Erfolgreiche, multinational tätige Unternehmen wie ABB ziehen junge Talente an.» Unabhängig vom Engagement der Stiftung laufen bei ABB nationale und globale Trainee-Programme.

Gestern gab sich zur Begrüssung der Ingenieure von morgen auch ABB-Konzernchef Joe Hogan die Ehre. Er erinnerte an die reiche Elektrotechnik-Tradition der beiden ABB-Vorgänger-Firmen BBC Brown Boveri und Asea. Auch die faszinierende Gegenwart biete einen Haufen Chancen. Letztlich sei entscheidend, was man mit dem erworbenen Wissen und seinen Kompetenzen konkret anfange.

Die Verantwortlichen der Stiftung haben das Premierenprogramm nach eigener Einschätzung dicht befrachtet. Zum einen erhalten die jungen Besucher einen Einblick in die Welt des Energie- und Automationstechnikkonzerns. Sie werden auch Gäste der ETH in Zürich sein. Andererseits steht auch Schweizer Kultur auf dem Plan, ein Ausflug auf den Titlis und der Besuch von Schokolade- und Käsefabrikanten. Vorsorglich riet Stiftungs-Chairman Gary Steel bereits gestern: «Essen Sie nicht zu viel Käse und Schokolade.» Bereits hoch im Kurs stehen dem Vernehmen nach Buttergipfeli.

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