Sechs von hundert amerikanischen Autokäufern sind mit ihren Ratenzahlungen im Durchschnitt mehr als drei Monate im Rückstand. Das zeigen aktuelle Daten der Kreditbewertungsagentur Fitch. Im März hat die Quote der notleidenden Autokredite ein Niveau erreicht, das höher ist als während der Finanzkrise. Ökonomen verfolgen die Automobilmärkte in vielen Ländern akribisch, weil sie teilweise vorausblickend Aussagen zum Konsumverhalten der Bevölkerung zulassen.

Die Entwicklung in den USA weckt Erinnerungen an die dunklen Zeiten der Finanzkrise. Damals resignierten unzählige private Schuldner, welche die Zinsen auf ihren Immobilien- oder Konsumkrediten nicht mehr bezahlen konnten. Die ersten Opfer der Krise waren die sogenannten Subprime-Schuldner. Das sind Kreditnehmer mit geringerer Bonität. Auch jetzt erweisen sich diese Schuldner wieder als besonders anfällig auf Zinserhöhungen.

Die amerikanischen Kapitalmarktzinsen sind, gemessen an der Rendite einer zehnjährigen Schatzanleihe des Bundes, von unter 2,3 Prozent im vergangenen Jahr auf zuletzt über 3 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Laufzeit eines USAutokredites auf den Rekordstand von fast sechs Jahren gestiegen.

Verschärft hat sich das Problem durch den Anstieg der Autopreise: Ein Neuwagen kostet in den USA zurzeit je nach Statistik deutlich mehr als 30 000 Dollar im Durchschnitt – ein Rekordniveau. Auch im Gebrauchtwagenmarkt sind die Preise auf Rekordständen.

Befeuert wurde der US-Autokreditmarkt zuletzt vor allem durch Angebote von Nicht-Banken, darunter auch sogenannten Private-Equity-Firmen, die sich von überdurchschnittlich hoch verzinslichen Ausleihungen an Subprime-Schuldnern offenbar besonders hohe Rendite versprechen. Doch nun scheinen einige Gläubiger kalte Füsse zu bekommen. Die Ausleihungen an Subprime-Schuldner seien in jüngster Zeit stark zurückgegangen, berichten US-Medien.

Grössere Ausstände

Europa hinkt dem US-Markt zum Glück weit hinterher. Das Volumen der Kredite mit Zahlungsrückständen von mehr als 60 Tagen beläuft sich gemäss Fitch lediglich auf einen Viertel des einstigen Rekordniveaus vom Sommer 2009. Allerdings ist die Ausfallrate jüngst auch in verschiedenen Ländern des alten Kontinents wieder am Steigen. Eine leichte Verschlechterung stellt Fitch namentlich in Grossbritannien, Finnland, Spanien und Italien fest.

In der Schweiz bewegt sich die Nachfrage nach Konsumkrediten und Leasingverträgen langsam nach oben. Dem Jahresbericht der Zentralstelle für Kreditinformation ist zu entnehmen, dass 2017 rund 140 000 neue Konsumkredite mit einem Durchschnittsbetrag von 30 000 Franken aufgenommen wurden, ein Plus von weniger als 3 Pro-zent zum Vorjahr.

Zudem wurden 195 000 neue Leasingverträge (+7 Prozent) im Volumen von durchschnittlich 38 000 Franken abgeschlossen. Gemessen am Höhepunkt im Jahr 2007 hat die Anzahl Abschlüsse aber deutlich abgenommen. Allerdings sind die durchschnittlichen Ausstände grösser geworden, sodass sich das monetäre Volumen kaum verändert hat.