Krisenpuffer
«Ein bedeutsamer Schritt»: Credit Suisse polstert ihr Kapitalkissen auf

Arabische Grossaktionäre zeichnen bedingte Pflichtwandler über 6 Milliarden Franken. Die Credit Suisse ist nun die erste Schweizer Grossbank, die ihr Kapitalkissen mit solchen Anleihen aufpolstern will.

Marcel Speiser
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CoCos sind die am heissesten diskutieren Finanzprodukte der Stunde. Die Abkürzung steht für «Contingent Convertibles», zu Deutsch: bedingte Pflichtwandelanleihen. Grundsätzlich sind CoCos normale Unternehmensanleihen mit einem fixen Coupon oder Zins. Aber: Fällt das Eigenkapital des Unternehmens auf einen vordefinierten Schwellenwert, verwandeln sich die Anleihen automatisch in Aktien, also in Eigenkapital. CoCos gelten daher auch als so genannt hybrides Kapital.

Die Empfehlungen der Expertenkommission des Bundes zum «Too-big to fail»-Problem sehen vor, dass die Grossbanken maximal 9 Prozent ihrer risikogewichteten Aktiven mit CoCos unterlegen dürfen. Die bedingten Pflichtwandler sind so gesehen ein Puffer für den Fall der Fälle.

Qatar und Olayan im Boot

Die Credit Suisse ist nun die erste Schweizer Grossbank, die ihr Kapitalkissen mit solchen CoCos aufpolstern will. Wie sie am Montag bekannt gab, hat sie mit ihren beiden grössten Aktionären vereinbart, dass diese frühestens im Oktober 2013 Pflichtwandelanleihen im Umfang von zusammen rund 6 Milliarden Franken zeichnen werden.

Beide Investoren kommen aus dem arabischen Raum. Zunächst ist es der Staatsfonds des Emirats Katar, die Qatar Holding. Sie hält bereits gut 6,2 Prozent der CS-Aktien und wird nun zusätzlich CS-CoCos über 3,5 Milliarden Dollar zeichnen. «Wir wollen die CS in ihren Bestrebungen unterstützen, im sich verändernden regulatorischen Umfeld eine branchenweit führende Rolle zu spielen», begründet Konzernchef Ahmad al-Sayed das Investment. Ein Rolle dürfte allerdings auch spielen, dass die Qatar Holding für ihre Milliarden jährlich 9,5 Prozent Zins von der CS bekommt. Etwas weniger – nämlich 9 Prozent – erhält der zweite Investor, die saudische Olayan Group des schwerreichen Unternehmers Khaled S. Olayan und seines Clans. Der Mischkonzern ist in diversen westlichen Grosskonzernen investiert und hält 6,6 Prozent an der CS. Olayan investiert 2,5 Milliarden Franken in die CS-CoCos.

Dem Zeitplan deutlich voraus

Die Instrumente werden in Aktien gewandelt, sofern das Kapital der Credit Suisse nach dem künftig geltenden Basel-III-Regime unter 7 Prozent sinken sollte. Derzeit rechnen Analysten damit, dass die CS Ende 2013 etwa 13 Prozent Kapital haben wird. An einer Telefonkonferenz bezeichnete es Finanzchef David Mathers deshalb als «sehr unwahrscheinlich», dass die Bank die CoCos wandeln müsse. Falls doch, läge der Wandelpreis bei 20 Franken oder Dollar pro Aktie. Die Bank schätzt, dank dem Deal mit Olayan und Qatar die künftigen CoCo-Kapital-Anforderungen bereits zu rund der Hälfte zu erfüllen. «Wir sind dem Zeitplan deutlich voraus», freut sich CS-Chef Brady Dougan. Tatsächlich gelten die neuen Kapitalvorschriften erst ab 2019.

Weiter sagte Dougan, die Transaktion sei für die CS und die Bankbranche «ein bedeutsamer Schritt». Sie «dürfte bestehende Vorbehalte bezüglich der Attraktivität solcher Instrumente als unbegründet erscheinen lassen».

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