Abzocke
Dreiste E-Mail-Betrüger fälschen nun auch Zeitungsinserate

Finanzhaie versuchen, nicht nur Kleinunternehmer wie Wirte oder Hoteliers mit faulen Checks über den Tisch zu ziehen. Sie täuschen jetzt auch Stellensuchende mit gefälschten Inseraten in Schweizer Zeitungen.

Roman Seiler
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In den gefälschten Inseraten wurden Freelancer gesucht.

In den gefälschten Inseraten wurden Freelancer gesucht.

Dreist: Im August erschienen in über zehn Schweizer Zeitungen Stelleninserate für «Freelancer». Gesucht wurden Leute, die für 560 Franken pro Woche Dienstleistungen von auf Geldüberweisungen spezialisierten Banken und Restaurants prüften.

Bewerber erhalten einen Check

Tönt gut, dachte sich die Aargauer Stellensuchende Linda Huber* und meldete sich flugs bei in den Inseraten vermerkten Mail-Adresse.

Dann kam aus: Die Anzeigen stammten von E-Mail-Betrügern. Gestern hat die «Nordwestschweiz» darüber berichtet, wie Gastwirte und Hoteliers mit luschen E-Mail-Angeboten abgezockt werden.

Nun zeigt sich: Kriminelle schrecken auch nicht davor zurück, Stellensuchende aufs Kreuz zu legen. In diesem Fall funktioniert die miese Masche so:

Dreiste Masche

Linda Huber erhielt nach ihrer Bewerbung per Post aus Irland einen Check über 4170 Euro. Ausgestellt war er auf die spanische Filiale einer deutschen Bank.

Das sind umgerechnet mehr als 5100 Franken. Davon könne sie, lauteten die Instruktionen, 560 Franken behalten. Den Rest solle sie einem der zu testenden Geldhäuser überweisen. Dann könne sie schildern, wie gut diese arbeiten.

Wer sich darauf einliess, verlor sein Geld. Einige Wochen später kommt aus, dass der von der Hausbank angenommene Check nicht gedeckt ist.

Identität geklaut

Sehr dreist ist: Bewerber, die sich nach der Identität ihres Arbeitgebers erkundigten, erhielten per Mail die Adresse der Firma des Ostschweizer Unternehmers Daniel Schläpfer. Er wurde in den E-Mails an die Stellensuchenden auch als Absender genannt.

Dazu sagt Schläpfer: «Die Täter klauten meine Identität. Selbst die Inserate gaben sie ohne mein Wissen mit meiner Firmenadresse auf.» Deshalb habe er eine Anzeige bei der St. Galler Kantonspolizei gemacht. Dies bestätigt deren Sprecher Gian Andrea Rezzoli gegenüber der «Nordwestschweiz» .

Opfer sind auch die Verlage, welche die Anzeigen publiziert haben. Die Täter dürften kaum geschnappt werden. Gemäss Schläpfer besteht bisher nur die Tamedia AG darauf, dass er die gefälschten Inserate bezahlt. Dazu war gestern vom Zürcher Verlag kurzfristig keine Stellungnahme erhältlich.

*Name von der Redaktion geändert

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