Kriminalität
Diese Mitarbeiter sind am anfälligsten für Korruption

Die in der Schweiz ansässigen Firmen haben kaum mit Korruption zu tun. Trotzdem halten zwei Drittel der Manager Bestechung für die grösste Bedrohung ihres Unternehmens. Welches ist der typische Wirtschaftskriminelle?

Roman Seiler
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Geldgeschenke spielen in der Schweiz kaum eine Rolle (Symbolbild).

Geldgeschenke spielen in der Schweiz kaum eine Rolle (Symbolbild).

Am gefährlichsten sind gut ausgebildete Männer im Alter von über 41 Jahren, die seit mehr als drei Jahren in einem Betrieb arbeiten. Das ist laut der aktuellsten Studie von PricewaterhouseCoopers (PWC) der Steckbrief des typischen Wirtschaftskriminellen. Das Beratungsunternehmen hat 83 ranghohe Vertreter von Schweizer Firmen und Behörden zum Thema Wirtschaftskriminalität befragt. In 55 Prozent der Fälle langen Firmeninsider zu. Täterinnen sind nur bei 12 Prozent der Straftaten am Werk.

Erstaunlich ist: Nur 3 Prozent der betroffenen Firmen waren mit Bestechung oder Korruption konfrontiert. Dabei sind drei von vier der befragten Unternehmen auch in Ländern mit einem hohen Korruptionsrisiko tätig. Dazu zählen Afrika, Osteuropa, der Mittlere Osten und Asien.

In der globalen Studie hingegen, für die mehr als 5000 Unternehmens- und Behördenvertreter befragt worden sind, erscheint Korruption mit einem Anteil von 27 Prozent auf Rang 3 der Deliktarten.

Trotz der marginalen Fallzahlen halten 37 Prozent der in der Schweiz Befragten «Bestechung und Korruption für die grösste Bedrohung ihres Unternehmens». Gianfranco Mautone, Leiter Forensic Services bei PWC, geht daher davon aus, dass Tochterfirmen in Regionen mit hoher Gefährdung Korruptionsfälle der Zentrale nicht melden. Man scheue die mit dem Thema verbundenen Reputationsrisiken, sagt Mautone: «In der Schweiz werden Korruptionsfälle noch immer gerne unter den Teppich gekehrt.»

Dabei sind Schweizer Firmen und Behörden beim Einkauf von Gütern und Dienstleistungen nicht vor Korruption gefeit. Jeder achte Wirtschaftskriminalfall passiert laut der Studie in diesem Bereich (siehe Grafik). Dass Mitarbeiter für die Vergabe von Aufträgn in bar oder mit anderen Vergünstigungen entschädigt werden, sei «nicht unüblich», sagt Mautone. Ein Fall ist kürzlich im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) aufgeflogen: Ein Ressortleiter soll von einem IT-Unternehmen Geschenke angenommen haben. Im Gegenzug vergab er überteuerte Aufträge.

Ein Behördenmitglied zu schmieren, ist ein Offizialdelikt. Von Amtes wegen ermitteln sollen die Strafbehörden nun auch, wenn sich eine Privatperson korrumpieren lässt. Bisher wird nur untersucht, wenn eine Anzeige vorliegt – oder eine Wettbewerbsverzerrung. Die vom Bundesrat vorgeschlagene Gesetzesverschärfung lehnen Wirtschaftsverbände und bürgerliche Parteien ab. Die Schweiz zähle zu den Ländern, die von Korruption am wenigsten betroffen seien, meint die SVP. Deshalb sei eine Korrektur nicht angezeigt.

Steuerabzug weiter möglich

Bei der Beurteilung dieses Delikts spielt wohl mit, dass Schmiergelder an Privatpersonen weiterhin von der direkten Bundessteuer abgesetzt werden dürfen, soweit sie «einen geschäftsmässig begründeten Abzug» darstellen. Nicht abzugsfähig sind hingegen Bestechungsgelder an Amtspersonen.

Offenbar kommen Bestechungsfälle kaum ans Licht, wie die tiefen Fallzahlen in der PWC-Studie belegen. Gesetzlich wäre es möglich, Korruption zu ahnden, sagt Mautone. Aber es mangle an der Durchsetzung: «Das ist auch eine Frage des politischen Willens.» Es gebe zu wenig Verurteilungen: «Sanktionen braucht es. Das zeigt Wirkung.»

Die Sanktionierung von Tätern setzen auch die befragten Schweizer Unternehmen stärker durch. Sie kündigten 82 Prozent der Täter. Vor zwei Jahren geschah dies lediglich bei jedem dritten Fall. Bei 59 Prozent der Straftaten leiteten die Betroffenen Zivilstrafverfahren gegen Mitarbeiter ein.

Laut Mautone haben die Unternehmen nach der Krise wieder mehr in Kontrollfunktionen investiert. Das führte dazu, dass sich die Zahl der Betroffenen von Wirtschaftskriminalität seit 2011 von 18 auf 37 Prozent erhöht hat. In jedem sechsten Fall übersteigt der Schaden eine Million Franken.

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