Wirtschaft
Die Zofinger Ott + Wyss AG trifft «Japan» hart

Die Ereignisse in Japan haben unterschiedliche Auswirkungen auf Unternehmen aus dem Aargau, die geschäftlich mit Japan zu tun haben. Eine Umfrage in Zofingen zeigt: Betroffen sind alle.

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Zofinger Tagblatt

Das 1895 in Zofingen gegründete, aktuell unter dem Namen Ott + Wyss AG firmierende Unternehmen am Napfweg 3 gehört im Schweizer Markt zu den führenden Anbietern qualitativ hochwertiger Fotoprodukte. Ihre interessante Angebotspalette wird ausschliesslich über den Fachhandel vertrieben - und der Grossteil der Produkte stammt aus dem japanischen Haus Sigma (Objektive, Digitalkameras und Blitzgeräte). «Wir waren weltweit der erste Vertreter von Sigma-Produkten nach der 1961 erfolgten Gründung, und unsere geschäftlichen Beziehungen sind bis auf den heutigen Tag nicht nur problemlos intakt, sondern ausserordentlich eng», erklärt Hanspeter Wyss, Geschäftsführer der Ott + Wyss AG.

Hohe Achtung

«Die Sigma-Betriebe sind geschlossen, vorab aus energietechnischen Gründen. Wann und wie die Arbeit vor Ort wieder aufgenommen werden kann, wenn überhaupt, ist mehr als nur ungewiss», gibt Wyss zu bedenken. Seine hiesigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien wie er tief betroffen von den Katas-trophen im Fernen Osten, und er habe dies auch in telefonischen Kontakten mit der Sigma-Unternehmensleitung ausdrücken können.

Er habe hohe Achtung vor der Tatsache, wie die Japanerinnen und Japaner mit den eingetretenen und möglicherweise noch eintretenden Ereignissen umgehen - weder reisserisch noch vorverurteilend, aber im starken Bewusstsein, sich dem Geschehenen zu stellen. Zudem: Es wüssten nicht alle alles bereits wieder besser.
Diesen Frühling wäre Sigma mit neuen, durchaus als revolutionär zu bezeichnenden Produkten auf den Weltmarkt gekommen. Er habe seine Aussendienstleute ohne Umschweife stoppen müssen, gibt Hanspeter Wyss zu bedenken, denn er könne nicht Produkte anpreisen und gleichzeitig darauf hinweisen lassen, dass der Zeitpunkt der Lieferung, wenn überhaupt, höchst ungewiss sei. Im Zusammenhang mit der Frage, was die Japan-Katastrophe mittel- bis langfristig für sein Unternehmen für Folgen haben könnte, wollte sich Wyss auf keine Spekulationen einlassen.

15 Leute in Japan

Von den Ereignissen in Japan weniger betroffen ist der Franke-Konzern in Aarburg. «Wir sind relativ klein in Japan», sagt Mediensprecherin Natascha Widmer. Den 15 Angestellten einer japanischen Vertriebsgesellschaft für Kaffeemaschinen gehe es gut. Die Gesellschaft ist in Tokio ansässig. «Wir haben immer Kontakt gehalten und werden auch weiterhin Kontakt halten», erklärt Widmer. Da in Japan nicht produziert werde, habe das Erdbeben mit anschliessendem Tsunami und die nun drohende Strahlenkatastrophe keine Auswirkungen auf die Produktion in der Schweiz, so Widmer.

Japanisches Unternehmen

In Dagmersellen ist die Japan Tobacco International (JTI) beheimatet. Das weltweit drittgrösste Tabakunternehmen ist eine japanische Unternehmung. Entsprechend stark beobachtet man die Situation im Fernen Osten. «Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfolgen das Geschehen mit vielen Emotionen», sagt Aileen Zumstein, Communication Managerin der JTI. Man stehe in engem Kontakt mit dem Mutterland. Momentan laufe in Dagmersellen aber alles wie gewohnt weiter. «Wir hoffen sehr stark, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in Japan vom Schlimmsten verschont
bleiben», sagt die Kommunikationsverantwortliche. Und sonst würde man die Mitarbeitenden entsprechend informieren, verrät sie.

Unter den 400 Leuten in Dagmersellen hat es auch einen Japaner. Er steht in Kontakt mit seinen Angehörigen. «Glücklicherweise geht es seiner Familie gut. Er konnte mit ihnen telefonieren», erzählt Aileen Zumstein.

«In die weite Ferne gerückt»

Auch in Wikon sorgt man sich um die Lage in Japan. Die Hunkeler AG hat Vertretungen in Kjoto und Tokio. Grosse Projekte, welche das Familienunternehmen in Japan realisieren wollte, sind laut Firmenchef Stefan Hunkeler «nun in weite Ferne gerückt». Man stehe mit den Kollegen in Japan in täglichem Kontakt. Positiv sei die Nachricht, dass bei den Mitarbeitern in Japan niemand Familienangehörige verloren habe. «Im besten Fall besteht die Chance, dass man in Japan auch wieder neu investieren kann. Kommt es zu einer grossen Atomkatastrophe, sehe ich aber schwarz für die Weltwirtschaft», sagt Hunkeler. Eine geplante Japan-Reise hat der Firmenchef nach den Vorkommnissen abgesagt. «Jetzt ist Ausnahmezustand. Da bleibt nur die Hoffnung auf bessere Zeiten», sagt der CEO.

Müller Martini schweigt

Müller Martini, das weltweit tätige Zofinger Unternehmen im Bereich Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Druckweiterverarbeitungs-Systemen und formatvariablem Rollenoffsetdruck, hat eine Niederlassung in der japanischen Hauptstadt Tokio. Die Verantwortlichen an der Unteren Brühlstrasse 13 in Zofingen geben gegenüber den Medien aber keine Auskunft, ob die Müller Martini Japan Ltd. von der momentanen Katastrophe in Asien betroffen ist oder nicht. (KBZ, LBR, RAN, SWE)

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