Handelsstreit

Die USA und China nähern sich an – weil ihre Wirtschaften leiden

Die beiden Staatsführer der wichtigsten Wirtschaftsmächte Xi Jinping und Donald Trump.

Die beiden Staatsführer der wichtigsten Wirtschaftsmächte Xi Jinping und Donald Trump.

Im Handelskonflikt zwischen den beiden Grossmächten kommt es zu einer Teileinigung. Noch herrscht aber kein Tauwetter.

Vor der Unterzeichnung des Handelsdeals zwischen den USA und China stehen die Zeichen auf Deeskalation. Die USA nehmen Vorwürfe der Währungsmanipulation zurück. Und China hat nach amerikanischer Darstellung zugesagt, für rund 200 Milliarden US-Dollar zusätzlich Industriegüter, Agrarerzeugnisse und Energie in den USA zu kaufen. Für ein Tauwetter ist es noch zu früh, weil vieles unklar ist - und ein Grossteil der gegenseitigen Strafzölle bleiben. Doch wird die für heute in Washington geplante Unterzeichnung der Teilvereinbarung in dem seit mehr als einem Jahr anhaltenden Handelskrieg allgemein als «erster Schritt» begrüsst.

Denn die beiden grössten Volkswirtschaften leiden beide spürbar unter den Folgen des Handelskonflikts, der auch die Weltkonjunktur bremst. So ist der Handel zwischen den USA und China im vergangenen Jahr um 14,6 Prozent eingebrochen, wie der chinesische Zoll gestern mitteilte. Chinas Importe aus den USA sackten sogar um 20,9 Prozent auf 122 Milliarden US-Dollar ab, während Chinas Exporte in die USA um 12,5 Prozent auf 418 Milliarden US-Dollar zurückgingen.

Chinas Exportzahlen wachsen nicht mehr stark

Der massive Rückgang drückt auf Chinas Handelsbilanz. Nach zwei Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten fiel Chinas Aussenhandel mit der gesamten Welt 2019 erstmals um ein Prozent. Die Exporte legten insgesamt nur leicht um 0,5 Prozent zu und die Importe fielen um 2,8 Prozent. Einziger Lichtblick: Zum Jahresende erholte sich der Aussenhandel und stieg im Dezember um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Vor der Unterzeichnungszeremonie im Weissen Haus, die US-Präsident Donald Trump für einen grossen Auftritt nutzen will, gab sich die US-Regierung versöhnlich. Das Finanzministerium nahm China von der Liste der Währungsmanipulatoren. Peking habe sich überprüfbar dazu verpflichtet, die Landeswährung Yuan nicht mehr zu nutzen, um sich im internationalen Wettbewerb Vorteile zu verschaffen, hiess es. Es soll mehr Transparenz bei Wechselkurs und Handelsbilanz geben.

Die US-Regierung hatte China vorgeworfen, den Yuan gegenüber dem US-Dollar abzuwerten, um seine Exporte billiger zu machen und negative Effekte der US-Strafzölle ausgleichen. Hintergrund ist, dass sich der Yuan-Kurs nicht gänzlich frei nach Marktkräften bewegt, sondern von Chinas Notenbank in Grenzen gesteuert wird. Chinas Regierung begrüsste die Rücknahme des Vorwurfs und verwies darauf, dass die USA damit international ohnehin allein dagestanden hätten. Die Nachrichten sorgten für Optimismus und gaben dem Yuan prompt Aufwind.

Obwohl die erste Teileinigung im Handelsstreit viele Probleme nicht löst, wird sie grundsätzlich begrüsst. «Gleichwohl ist das Abkommen noch immer unzureichend, denn ein Verzicht auf weitere Zölle und ein wenig Kosmetik sind eben noch kein echter, tiefgreifender Handelsvertrag», sagte Wirtsschaftsexperte Martin Braml vom ifo-Institut.

«Die Vereinbarung verhindert zumindest eine unmittelbare Eskalation», sagte auch Experte Max Zenglein vom China-Institut Merics in Berlin. Der Teufel stecke aber im Detail: «Die Tragweite des Deals wird sich erst im Laufe des Jahres zeigen, wenn es um die eigentliche Umsetzung geht.» Der «vermeintliche Fortschritt» sollte nicht überinterpretiert werden, sagte Zenglein, der mit neuem Streit rechnet. (dpa)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1