Die internationalen Investment-Banken bemühen sich seit Jahren mit aller Kraft darum, die dunklen Kapitel ihrer Geschichte aus der Zeit der Finanzkrise zu schliessen. Doch die vielen Verfahren zur Bereinigung der Altlasten geben den Geistern aus der damaligen Zeit immer wieder neue Gelegenheiten, herumzuspuken.

Bei der Credit Suisse liessen sich die Gespenster diese Woche gleich zweimal blicken. Am Mittwoch erschienen sie in der Gestalt der konkursiten Wall-Street-Bank Lehman Brothers, mit der die Schweizer Grossbank einst ausgedehnte Geschäftsbeziehungen, insbesondere als Distributorin von Finanzderivaten gepflegt hatte. Nach der Lehman-Pleite musste die Credit Suisse Tausende von geprellten Anlegern mit mehr als 150 Millionen Franken entschädigen.

Jetzt geht es im Lehman-Fall um die Ansprüche, welche die Credit Suisse an die US-Bank beziehungsweise an deren Abwicklungsgesellschaft noch geltend machen kann. Gemäss einer Mitteilung soll die Credit Suisse noch 385 Millionen Dollar Konkursmasse erhalten. Das Ergebnis ist für die Bank enttäuschend. Sie hatte ursprünglich 1,2 Milliarden Dollar für ihre unerfüllt gebliebenen Forderungen verlangt. Nun erwachsen der Credit-Suisse-Division, die eigens für die Abwicklung der Altlasten aus der Finanzkrise geschaffen wurde (Special Resolution Unit SRU) zusätzliche Kosten von rund 70 Millionen Dollar, wie die Bank mitteilte. Die SRU soll Ende Jahr aufgelöst und die dannzumal noch offenen Geschäfte sollen auf die operativen Einheiten der Bank verteilt werden.

Offen bleiben dürften bis dann noch etliche Geschäfte aus jenen dunklen Tagen. Viel Arbeit für die Gerichte bringen insbesondere die obskuren Verkäufe von verbrieften Hypotheken, mit denen viele Grossbanken in den USA das grosse Geschäft zu machen hofften. Daraus wurde eine grosse Misswirtschaft. Zu den führenden Akteuren in dem Markt gehörte auch die Credit Suisse. Im Januar 2017 einigte sich die Bank mit dem US-Justizdepartement auf die Bezahlung einer Busse und die Entrichtung von Entschädigungsleistungen für geprellte Hauskäufer im Wert von 5,3 Milliarden Dollar.

Seither sind die Folgen der Hypothekenkrise weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch die Risiken lauern immer noch in den Büchern vieler Banken. Im Anhang zum aktuellen Credit-Suisse-Geschäftsbericht werden auf mehr als drei Seiten laufende Verfahren und offene Rechtsstreitigkeiten aus den Zeiten des High Noon im US-Immobilienmarkt dargestellt. Die kumulierte Streitsumme beläuft sich auf über 5 Milliarden Dollar. Hinzu kommt das Verfahren der New Yorker Staatsanwaltschaft aus dem Jahr 2012, in dem der damalige Staatsanwalt Eric Schneiderman die Bank für Verluste aus 64 grossen Transaktionen verantwortlich macht und einen Gesamtschaden von über 11 Milliarden Dollar nennt.

In diesem Hauptfall hat die Credit Suisse einen Etappensieg erreicht. Im Urteil eines Rekursgerichtes in New York hat Schneiderman mit der Einreichdung der Klage zu lange gewartet, um den sogenannten «Martin Act» anrufen zu können. Unter dem Gesetzesartikel können die Staatsanwälte betrügerische Wertschriftengeschäfte einklagen, ohne den Betrug beweisen zu müssen. Nach dem Urteil der Richter kann der Martin Act bis zu drei Jahre nach den straf- und zivilrechtlich relevanten Ereignissen angerufen werden.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft stellte sich vergeblich auf den Standpunkt, dass der Martin Act auch nach sechs Jahren noch anrufbar sei. Zwar lässt Schneidermans Nachfolgerin Barbara Underwood ausrichten, das Urteil habe keinen Einfluss auf die Anstrengungen der Behörde, die offenen Fälle weiterzuverfolgen, einschliesslich den Fall Credit Suisse. Doch Rechtsexperten glauben, dass Strafverfolger grosse Mühen haben könnten, der Bank den aktiven Betrug beim Verkauf von Hypotheken nachzuweisen.