Coronavirus

Deutschland will Lufthansa mit neun Milliarden Euro helfen: Fliesst jetzt auch Geld für Swiss und Edelweiss?

Die deutsche Regierung eilt der Lufthansa zur Hilfe - zur Freude der Swiss.

Die deutsche Regierung eilt der Lufthansa zur Hilfe - zur Freude der Swiss.

Die deutsche Bundesregierung und die Lufthansa haben sich auf die Eckwerte eines Rettungspakets geeinigt. Künftig entscheidet der Staat bei der Airline mit - und verbietet Dividenden und hohe Managerlöhne.

Bei der grössten Netzwerkairline Europas schaltet sich der Staat ein. Nach wochenlangen Verhandlungen haben sich die deutsche Bundesregierung und die Lufthansa auf die Eckwerte eines Rettungsprogramms geeinigt, wie der «Spiegel» und das «Handelsblatt» berichteten. Die Lufthansa bestätigte «fortgeschrittene Gespräche» in der Nacht auf gestern in einer Pflichtmitteilung an die Börse.

Die Coronakrise zwang die Lufthansa dazu, einen Grossteil ihrer Flotte stillzulegen. Die Nachfrage nach Flugreisen ist fast komplett eingebrochen. Der Konzern soll zuletzt eine Million Euro pro Stunde an Liquiditätsreserven verloren haben.

Staat könnte Lufthansa-Verkauf verhindern

Das Konzept sieht Stabilisierungsmassnahmen im Umfang von bis zu neun Milliarden Euro vor. Drei Milliarden Euro sollen in Form eines Darlehen der deutschen Förderbank KfW fliessen. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung soll zudem eine stille Einlage leisten und über eine Kapitalerhöhung 20 Prozent der Aktien erwerben.

Zudem wird offenbar eine Wandelschuldverschreibung ausgestellt für den Fall, dass ein Dritter ein öffentliches Übernahmeangebot für die Lufthansa macht. Sie ermöglicht es dem Fonds, weitere fünf Prozent der Aktien plus eine zu erwerben. Die Idee dahinter: Der Staat hat bei der Lufthansa ausser in Ausnahmefällen keine Sperrminorität und damit keine Möglichkeit, strategische Entwicklungen im Wesentlichen zu behindern, kann aber den Verkauf der Lufthansa verhindern.

Deutschland will zwei Sitze im Aufsichtsrat

Das bedeutet nicht, dass sich Deutschland mit der Rolle des Retter in der Not zufrieden gibt. Zwei Sitze im Aufsichtsrat sollen künftig in Absprache mit der Bundesregierung besetzt werden. Zudem muss die Lufthansa auf Dividendenzahlungen verzichten und die Gehälter des Managements werden begrenzt.

Noch ist die Rettungsaktion nicht in trockenen Tüchern: Die Lufthansa-Hauptversammlung muss der Kapitalerhöhung und die Europäische Kommission dem Rettungspaket zustimmen. Die Unterschrift der Bundesregierung stand gestern Abend ebenfalls noch aus, auch wenn Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch sagte, es sei «in Kürze» mit einer Entscheidung zu rechnen. Der Wirtschaftsflügel der Union begrüsste gestern die Eckpunkte des Rettungsplans ausdrücklich.

Swiss und Edelweiss: Grünes Licht für Kredite

Aufatmen können nach dem wochenlangen Feilschen um eine Rettung der Lufthansa auch ihre Töchter Swiss und Edelweiss. Der Bundesrat hat sich mit ihnen schon Ende April auf Hilfsmassnahmen geeinigt und will für Kredite in der Höhe von maximal knapp 1,3 Milliarden Franken bürgen. Das Parlament hat dem Hilfspaket in seiner Sondersession anfangs Mai zugestimmt.

Doch Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga (SP) machte zuletzt gegenüber dieser Zeitung klar, dass keine Gelder fliessen, wenn sich die Lufthansa nicht auch mit der deutschen Regierung einigt. Geschieht das in den nächsten Tagen offiziell, könnte die erste Kredit-Tranche in der Höhe von 300 Millionen Franken an die Swiss und Edelweiss schon anfangs Juni fliessen.

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