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«Der Markt bleibt für uns schwierig»

ABB-Schweiz-Chefin Jasmin Staiblin sagt, welche Konjunkturprogramme helfen, warum Schwellenländer Chancen bieten und wieso Sparen letztlich Jobs sichert.

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«Der Markt bleibt für uns schwierig»

«Der Markt bleibt für uns schwierig»

Sven Millischer

Frau Staiblin, wie lief das Geschäft für ABB Schweiz 2009?

Jasmin Staiblin: Auch wir haben den Wirtschaftseinbruch gespürt. Doch wir haben uns in einem anspruchsvollen Marktumfeld gut gehalten. Man muss das Ergebnis aber in Relation setzen: Wir sind beim Bestellungseingang leicht über dem Niveau von 2006. Damals hat niemand von einem Krisenjahr gesprochen.

Gehen die Bestellungen um 21 Prozent zurück, braucht es weniger Produktion.

Staiblin: Stimmt. Da der Auftragsbestand in den einzelnen Geschäftsbereichen unterschiedlich hoch ist, ist auch der Anpassungsbedarf unterschiedlich. Der ganze Bahnbereich und die Leistungselektronik laufen sehr gut. Auch das Massengeschäft mit Automationsprodukten hat die Talsohle bereits durchschritten. Nun müssen wir genau beobachten, wie sich im spätzyklischen Anlagenbau der Rückgang auswirkt.

Müssen Sie im laufenden Jahr weitere Stellen streichen?

Staiblin: Das hängt ganz davon ab, wie sich die Auftragslage entwickelt. Erholt sich die Gesamtwirtschaft? Fahren die Unternehmen ihre Ausgaben im Investitionsgüterbereich wieder hoch? Wie entwickeln sich die Rohstoffpreise? Denn ein wichtiger Abnehmer für uns ist die Minen- und Bergbauindustrie.

Wie lässt sich da der Personalbestand überhaupt abschätzen?

Staiblin: Temporärmitarbeiter sind für uns wichtig, um Schwankungen in der Auftragslage auszugleichen. Und zwar in beide Richtungen – um Spitzen auszugleichen, aber auch, um leichte Rückgänge abzufedern.

Genügt dieser Puffer im laufenden Jahr?

Staiblin: Im Moment ja. Aber ich kann keine Pauschalaussagen für das gesamte 2010 machen. Kommen die Projekte im zweiten oder dritten Quartal, dann können wir überbrücken. Bleiben sie aus, dann müssen wir Massnahmen ergreifen.

Was heisst das konkret?

Staiblin: Unsere Aufgabe ist es letztlich, als Unternehmen bereit zu sein, wenn der Aufschwung wieder einsetzt. Das ist ein feiner Balanceakt: Wir schauen wöchentlich, was haben wir in der Pipeline, welche Investitionen werden getätigt, und richten uns dementsprechend aus.

Profitieren Sie von den staatlichen Konjunkturspritzen?

Staiblin: In der Schweiz spüren wir kaum etwas. In Europa, woher mehr als ein Drittel der Aufträge stammen, dagegen schon. Die EU investiert gezielt in erneuerbare Energien, und ABB Schweiz hat das entsprechende Portfolio: Sei es in der Leistungselektronik für Windanlagen oder mit den Halbleiter-Chips für «Hochleistungs-Stromautobahnen».

Weltweit fährt ABB ein rigoroses Sparprogramm. Inwiefern betrifft dies Ihre Ländergesellschaft?

Staiblin: Kosten zu optimieren, ist bei uns ein Dauerthema. Wir haben im administrativen Bereich unsere Kapazitäten bereits im Boom laufend angepasst. Die Sparprogramme werden deshalb keine Jobs kosten.

Ihr Mutterkonzern setzt voll auf das Wachstum in den Schwellenländern. Ein Grund zur Sorge für ABB Schweiz?

Staiblin: Im Gegenteil. Als Ländergesellschaft können wir nur profitieren: Erstens erhalten wir zu Märkten Zugang, den wir nicht hätten, würde ABB nicht vor Ort investieren. Zweitens erfahren wir aus erster Hand, was die Anforderungen sind für diese Märkte. Und drittens können wir aus den Schwellenländern Rohmaterial und Komponenten günstiger beschaffen.

Weshalb produziert ABB überhaupt noch in der Schweiz?

Staiblin: Weil über 50 Prozent der Bestellungen aus der Schweiz und Europa kommen. Zudem entwickeln wir Schlüsseltechnologien wie gasisolierte Schaltanlagen oder Leistungselektronik. Hier sind wir wettbewerbsfähig. Und dafür braucht man Spezialisten und ein Know-how, das in der Schweiz über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Das könnten Sie nicht einfach verlagern.

Der Bestellungseingang ist um 21 Prozent eingebrochen. Wie sieht es mit Stornierungen aus?

Staiblin: Zum Teil werden Projekte verschoben. Bei Grossanlagen kommt es schon mal vor, dass diese Aufträge bereits in der Offert-Phase zurückgezogen werden und ein halbes Jahr später nochmals ausgeschrieben werden.

Zu tieferen Konditionen?

Staiblin: Ja, genau. Im System- und Anlagengeschäft ist der Preisdruck enorm. Das sind Einmal-Investitionen. Da wird knapp kalkuliert und gezielt geschaut, welcher Anbieter Überkapazitäten hat.