Der Anruf beim Auskunftsdienst wird immer teurer

Auf die Liberalisierung folgt der Preisschock: Seit dem Ende der 111 steigen die Tarife für Telefonauskünfte. Die Anrufzahlen sind rückläufig. Es droht ein Duopol.

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Sven Millischer

Gross waren die Erwartungen, als Ende 2006 die Nummer 111 für immer verstummte. Die traditionsreiche Telefonauskunft wurde auf die 18xy-Nummern umgeleitet und sozusagen dem freien Markt vermittelt. Fortan war der Kunde nicht mehr automatisch mit dem jeweiligen Telekom-Provider verbunden, sondern hatte die Qual der Wahl, bei welchem 18yx-Anbieter er die gewünschte Nummernauskunft einholen wollte.

Ob der liberalisierten Dienste frohlockte damals das federführende Bundesamt für Kommunikation (Bakom): Mit der «Einführung des neuen Systems» werde die «Preistransparenz» verbessert und der Wettbewerbsdruck erhöht, «der sich langfristig positiv auf die Tarife auswirken wird».

Kontinuierlicher Preisanstieg

Gut dreieinhalb Jahre später klingen diese Worte wie blanker Hohn. Seit dem Ende der 111 steigen die Gebühren nämlich kontinuierlich an. Erst im Frühjahr hat die Swisscom die Tarife (Grundgebühr und erste Minute) für ihre 1811-Auskunft erneut um mehr als zehn Prozent erhöht. Und auch die Konkurrenz von 1818 hat heuer bereits wieder an der Preisschraube gedreht. In welchem Umfang ist nicht bekannt.

Allerdings betont Peter Josika, Geschäftsführer bei 1818, dass die Schweizer Tarife im Vergleich zum benachbarten Ausland nach wie vor die günstigsten seien. Dies, obwohl die hiesigen Anbieter ihre Auskünfte aus der Schweiz heraus anbieten würden, während beispielsweise französische Telefondienste ihre Callcenter in den Maghreb verlagert hätten: «In Algerien liegen die Lohnkosten pro Anruf bei 17 Eurocents, in der Schweiz bei über einem Franken.» Die 1818 Auskunft AG beschäftigt in Biel rund 150 Angestellte. Und auch die Swisscom bedient ihre Kundschaft aus acht regionalen Standorten heraus.

Mit der Liberalisierung habe sich die Dienstleistungsqualität verbessert, betont Geschäftsführer Josika: «Wir beantworten heute 85 Prozent der Anrufe innerhalb von fünf Sekunden.» Vor sieben Jahren lag der Industriestandard bei 80 Prozent innerhalb von zwanzig Sekunden. So habe sich die durchschnittliche Gesprächsdauer von 55 auf 38 Sekunden verringert. «Das spart dem Anrufer auch Geld.»

Eklatant hohe Eintrittshürden

Dennoch. Der behördlich prognostizierte Wettbewerbsdruck ist ausgeblieben. Die Swisscom und die 1818 Auskunft AG bilden heute bei den Telefondiensten faktisch ein Duopol: Mit einem gemeinsamen Anteil von über 95 Prozent machen die beiden Unternehmen den Markt unter sich aus und dürften somit wenig Neigung verspüren, gegenseitig einen ruinösen Preiskampf anzuzetteln. Zumal die Swisscom als Konzessionärin bis 2017 die Grundversorgung sicherstellen muss, und diese schreibt einen Verzeichnis- und Vermittlungsdienst für Behinderte vor.

An diesem Marktgefüge dürfte sich bis auf Weiteres nichts ändern. Denn die Eintrittshürden für neue Anbieter sind eklatant hoch. So muss der Telefondienst gemäss Bakom-Verordnung pro Jahr mindestens drei Millionen Mal angerufen werden. Keine der übrigen, bereits bestehenden 18xy-Nummern erfüllt diese Anforderung. Vielmehr dürfte sich die Konsolidierung des Marktes also weiter fortsetzen.

Nicht zuletzt, weil die Anrufvolumen seit Jahren rückläufig sind. Gingen vor zehn Jahren noch 63 Mio. Anrufe aufs «Hundertelfi» ein, waren es 2008 noch 28 Mio. Anrufe – verteilt auf ein gutes Dutzend 18xy-Nummern. Und 1818-Geschäftsführer Josika sieht bislang keine Trendwende: «Auch in diesem Jahr dürfte die Zahl der Anrufe um weitere 15 bis 20 Prozent zurückgehen.» Josika rechnet für 2010 branchenweit noch mit 20 Mio. Anrufen, «weil immer mehr Leute andere Dienstleistungen verwenden». Gerade der Siegeszug der Smartphones setze den Telefondiensten arg zu.

Und auch die Swisscom beklagt sinkende Anruferzahlen aufgrund alternativer Angebote wie beispielsweise der Internet-Suche: «Damit werden die Infrastrukturkosten auf weniger Anrufe verteilt. Dies erfordert eine Preiserhöhung.» Weitere Tarifanpassungen seien zurzeit aber keine geplant, versichert die Swisscom.

Geschäftsfelder gesucht

Während für den Blauen Riesen die Telefonauskunft wohl bloss noch eine Nische darstellt, sucht die 1818 Auskunft AG händeringend nach neuen Einnahmequellen in einem schrumpfenden Markt. Gefragt seien neue Dienste, die über die blosse Adress- und Nummernauskunft hinausgingen: «Zum Beispiel die Abfrage des Zugfahrplans», erklärt Josika.

Was in Grossbritannien gang und gäbe sei, dem schiebe in der Schweiz die Bakom-Verordnung bislang den Riegel. So dürfen Informationen, die nicht mit den Verzeichnisdaten in Zusammenhang stehen, nicht direkt über die 18xy-Nummern angeboten werden. Damit geht die Marktöffnung von 2006 hinter den ursprünglichen Leistungsauftrag der «Auskunftsdienstnummer» 111 zurück. Bis Ende der Fünfzigerjahre war das «Fräulein vom Amt» nämlich nicht nur für Nummernauskünfte zuständig, sondern half auch bei den Hausaufgaben oder beim Kochen.

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