Buchpreisbindung
«Das Volk hat sich vor den Wagen der grossen Verleger spannen lassen»

Das Volk hat das Nein zur Buchpreisbindung beschlossen. Der freie Markt soll weiter die Buchpreise regulieren. Die kleinen Buchhandlungen im Aargau sind enttäuscht und kämpfen nun mit dem drohenden Untergang.

Christine Fürst und Kim Ghilardi
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Unverkaufte Bücher im Schweizerischen Buchzentrum in Härkingen (SO) (Archiv)

Unverkaufte Bücher im Schweizerischen Buchzentrum in Härkingen (SO) (Archiv)

Keystone

Bis 2007 gab es in der Deutschschweiz eine Buchpreisbindung, den Buchhändlern wurde vorgeschrieben, zu welchen Preisen sie ihre Bücher verkaufen mussten. Fünf Jahre später hat das Schweizer Stimmvolk nun entschieden, die Bindung des Buchpreises nicht wieder einzuführen.

Wie sieht jetzt also die Zukunft der kleinen Buchläden aus und was sagen die Betroffenen Unternehmen zu der Entscheidung des Volkes?

Geschockt und enttäuscht

Viele Inhaber von kleinen Buchläden sind geschockt vom Nein. «Ich kann nicht verstehen, wie die Leute sich so leicht vor den Wagen der grossen Verleger haben spannen lassen», sagt Ursula Brücker von der Buchhandlung Otz in Lenzburg. Die Politik und die grossen Verlage hätten zwar niedrigere Buchpreise versprochen, aber auf lange Sicht würden die Preise steigen und das Angebot als Einheitsbrei enden, befürchtet die Buchhändlerin. Wenn die grossen Händler wie Ex Libris und Thalia einen Margenzerfall erleiden, würden sie die Preise jetzt erst recht hochschrauben.

Über Vorschläge, wonach die kleinen Buchändler einfach innovativer werden müssten, kann Brücker nur schmunzeln. Die Integration eines Kaffees in den Buchladen oder die Fixierung auf Nischenmärkte seien in ländlichen Regionen wie im Aargau nicht machbar und kleine Buchläden würden so eingehen.

Genau davor fürchten sich nun die Aargauer Buchhändler. Ohne Preisbindung würden die Bestseller billiger angeboten, demgegenüber steigen aber die Preise anderer Bücher, sagt Claudius Mattmann, Inhaber der Buchhandlung Mattmann in Zofingen. «Ich denke, dass durch die freien Buchpreise weitere Buchhandlungen eingehen werden», sagt er, «wir werden uns strecken und das Warenlager immer gut beobachten müssen.» Doch letztlich sei es auch die Entscheidung der Konsumenten, wo sie ihre Bücher einkaufen.

Mehr geschadet als geholfen

Das Image, das der Rummel um die Buchpreisbindug den kleinen Buchhandlungen verpasst hat, sei zudem falsch: «Die Diskussion um die Buchpreisbindung hat den kleinen Buchläden und Verlagen mehr geschadet als geholfen, weil wir als klein und teuer dargestellt wurden», sagt Rosmarie Bertschinger vom Buchladen Ecetera.

Sich als Geschenkladen zu etablieren sei nun eine der noch verbleibenden Möglichkeiten zu überleben. Raum zum Jammern bleibe keiner, man müsse weiterkämpfen wie bisher. Dieser Meinung ist auch Ursula Brücker: «Eine kleine Buchhandlung betreiben ist nun mehr ein schönes Hobby als ein Geschäft.»

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