Kommentar
Danke, Ihr Richter!

Warum das Aargauer Handelsgericht im Pandemie-Streitfall zwischen dem Badener Beizer Carlos Ferreira und der Helvetia Versicherung uns allen einen Dienst erwiesen hat.

Daniel Zulauf
Daniel Zulauf
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Der Konsumentenschutz hat in der Schweiz seit 40 Jahren Verfassungsrang. Dafür gibt es einen triftigen Grund: Bei unterinformierten Verbrauchern ist das Risiko gross, dass sie falsche Entscheidungen treffen. Das zeigt sich nicht zuletzt im Versicherungsmarkt, wo oft das Wichtigste in den kleingedruckten «Allgemeinen Geschäftsbedingungen» steht. Für uns Laien ist es eine Qual diese AGB’s zu lesen, zumal sie in der Regel von Juristen geschrieben und für Laien nur vordergründig oder gar nicht verständlich sind. Deshalb lassen wir das Kleingedruckte gern links liegen und sind dann überrascht, wenn es zum Schaden kommt.

So erging es auch dem Badener Gastronomen Carlos Ferreira, der mit der Helvetia im Streit über eine Deckung der Pandemieschäden an das Aargauer Handelsgericht gelangte. Die juristisch geschulten Richter hätten natürlich sofort erkannt, dass die Helvetia-Police eine Klausel enthielt, unter der die Versicherung nun die Zahlung für die Lockdown-Schäden verweigern kann. Nicht so Ferreira: Er glaubte das gleiche Produkt erworben zu haben, das er zuvor schon von der Mobiliar gekauft hatte - ein fataler Trugschluss. Aber der Wirt hatte Glück. Die Richter haben es geschafft ihre Juristen-Brille abzulegen, um den Sachverhalt aus der Optik des Laien zu beurteilen. Allgemeine Geschäftsbedingungen müssen auch für Nicht-Juristen klar und verständlich sein, damit sie im Streitfall als Argument gelten können. Als Konsumenten sagen dafür gerne: Danke!

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