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Credit Suisse will auf Unternehmer setzen

Andreas Arni (l.) leitet bei der CS die Einheit, die Unternehmer betreut. Zvg

Andreas Arni (l.) leitet bei der CS die Einheit, die Unternehmer betreut. Zvg

Die Abteilung, die sich um Firmenlenker kümmert, soll stark ausgebaut werden.

Druck macht erfinderisch. Die Credit Suisse (CS) will einen Teil ihres ertragsstarken Schweizer Geschäfts im kommenden Jahr an die Börse bringen. Die entsprechende Einheit ist seit kurzem operativ tätig. CS-Chef Tidjane Thiam hat ihr hohe Vorgaben gemacht: Der Vorsteuergewinn soll bis 2018 um rund 0,5 auf 2,3 Milliarden Franken erhöht werden. Um dieses Ziel zu erreichen, will die Grossbank sich unter anderem noch stärker als «Bank für Unternehmer» profilieren. Damit knüpft sie an ihre Wurzeln an: Der Politiker und Unternehmer Alfred Escher gründete vor 160 Jahren das Geldhaus am Zürcher Paradeplatz zur Finanzierung des Schweizerischen Eisenbahnnetzes und der Industrialisierung.

In dem für die umfassende Betreuung von Unternehmern, Top-Managern und Verwaltungsräten zuständigen Bereich, auf Denglisch Entrepreneurs und Executive Desk genannt, investiert Schweiz-Chef Thomas Gottstein auch entsprechend. Die Abteilung ist in diesem Jahr bereits um 30 Mitarbeiter aufgestockt worden. Im Endausbau soll sie rund 100 Berater umfassen, die an bis zu 20 verschiedenen Standorten in der Schweiz tätig sind. Geleitet wird die Abteilung seit Juni von Andreas Arni. Er war zuvor in einem vergleichbaren Bereich der UBS tätig.

Er und sein Team müssen schlicht alle Einnahmequellen steigern, von den angelegten Geldern bis hin zum Kreditvolumen. Dafür geeignete Mitarbeiter zu finden, sei nicht einfach, sagt Arni: «Wir benötigen gewiefte Akquisiteure mit viel fachlichem Know-how.» Diese Spezialisten müssen der Konkurrenz Kunden abwerben. Potenzial dazu ortet Arni in der Nordwestschweiz, vor allem im Kanton Aargau, und in der Romandie.

Grosses Potenzial

Die Berater sollen bestehende Kunden zudem noch stärker an die Bank binden. Das Potenzial dazu ist hoch: Die CS hat in der Schweiz 100 000 Firmen- und 1,6 Millionen Privatkunden. Darunter gebe es eine «signifikante, zweistellige Prozentzahl» von Kunden, so Arni, die als Unternehmer Dienstleistungen der Credit Suisse beanspruchen, aber ihr privates Geld bei einer anderen Bank parkiert haben. Oder umgekehrt. Daher hat Arnis Team unter anderem die Aufgabe, die bestehenden Kunden davon zu überzeugen, einen grösseren Teil ihrer Geldangelegenheiten über die Grossbank abzuwickeln. Also möglichst sowohl Privat- wie Firmenkunde zu werden.

Das macht der Walliser Jean-Claude Bregy. Das Geldhaus kennt er seit Kindsbeinen, weil auch er einst eine «Kreditanstalt»-Kappe getragen hat. Heute ist für ihn wichtig, dass ihn die Bank nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Privatperson kennt. Der in Brig aufgewachsene Elektro- und Wirtschaftsingenieur gründete sein Unternehmen 2010. Mit der Poenina Holding in Opfikon (ZH) übernahm er seither mehr als zehn in der Gebäudetechnik tätige Baufirmen. Übernahmeziele sind für den Walliser kleine und mittlere Unternehmen, die mehr als 40 Mitarbeiter beschäftigen.

Dabei unterstütze ihn die CS mehrfach, wie er sagt: «Sie verschafft mir Kontakte zu Unternehmern, die eine Nachfolgeregelung suchen. Nur dank ihren Hinweisen konnte ich zwei meiner heutigen Firmen akquirieren.» Die Bank berät ihn nicht nur bei Übernahmen, sondern auch bei der Finanzierung des Betriebs. Zudem ist die Grossbank sowohl für seine private wie auch für die Vorsorgelösung für seine Mitarbeiter zuständig.

Suche nach neuen Anlagen

Bregy hat seit Jahren einen Betreuer für seine privaten Geschäfte und für jene seine Firma. Als Privatperson investiere er nicht nur in Wertpapiere, sondern auch in andere Firmen oder Projekte, meist in der Bau- oder Immobilienbranche. Dabei lässt er sich gerne von seinem Bankfachmann beraten und sucht sich dann seine Investitionsmöglichkeiten selber aus. Vor zwei Jahren nutzte er zahlreiche weitere Dienstleistungen der Bank: Fachleute der CS unterstützten ihn bei einer umfassenden Finanzplanung und der Nachfolgeregelung in seiner Firma.

Höhere Einnahmen im Visier

Dies zeigt: Arnis Team soll einen Unternehmer ein Leben lang begleiten, von der Gründung bin hin zur Nachfolgeregelung. Verkauft ein Firmenlenker dann sein Unternehmen, ist er oft sehr vermögend. Dann gilt es, die erarbeiteten Millionen nachhaltig anzulegen. Dabei bietet die CS einem solchen Kunden nicht nur die Möglichkeit, klassisch in Wertpapiere zu investieren. Die CS hat eine Investorenplattform gegründet, die Unternehmern Kontakte zu Firmen vermittelt, die Kapital zur Gründung einer Firma oder zur Lancierung eines neuen Produkts suchen.

Arnis Mitarbeiter bieten sich also als Berater an, die Zugang zu Dienstleistungen und Experten ermöglichen, dank denen sich viele Probleme eines Geschäftsmanns lösen lassen. Das fängt bei der Frage an, wie sich der Firmengründer entlöhnt, über die Finanzierung von Immobilien bis zur privaten Vermögensanlage. All dies bringt auch entsprechend höhere Einnahmen. Sind Unternehmer mit ihrem Berater und den angebotenen Dienstleistungen zufrieden, zahlen sie dafür auch einen angemessenen Preis, wie Bregy sagt: «Das Preis-LeistungsVerhältnis stimmt für mich.»

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