Grossbanken
Nach dem Horrorjahr 2021: Credit Suisse leckt sich im neuen Geschäftsbericht die Wunden

Archegos- und Greensill haben weitreichende Folgen - nicht nur für den Lohn von Chef Thomas Gottstein.

Daniel Zulauf
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Es lief auch schon besser: CS-Chef Thomas Gottstein.

Es lief auch schon besser: CS-Chef Thomas Gottstein.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Die Credit Suisse blickt in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht auf «ein sehr enttäuschendes Jahr» zurück. Die Bank verlor im Geschäft mit dem Hedge-Fonds Archegos rund fünf Milliarden Dollar. Eine mit Hilfe des insolventen Lieferketten-Finanzierers Greensill aufgelegte Familie von Investmentfonds wird derzeit liquidiert. Die Bank läuft offenen Forderungen in Höhe von über zwei Milliarden Dollar hinterher, die sie für ihre Kunden noch eintreiben muss. Alles in allem hat Credit Suisse im zurückliegenden Jahr knapp 1,7 Milliarden Franken verloren und aufgrund der erwähnten Vorkommnisse auch einen Reputationsschaden erlitten, wie der Geschäftsbericht in einer verschlungenen Formulierung einräumt: «some slowdown in franchise momentum».

Am meisten verdient bei Credit Suisse nicht mehr der CEO

Vor diesem Hintergrund wird sich auch CEO Thomas Gottstein nicht gewundert haben, dass sein Jahressalär 2021 um 57 Prozent auf 3,75 Millionen Franken zusammengeschmolzen ist. Gottsteins Bonus, also die variablen Lohnbestandteile, sind von 3,59 Millionen Franken im Jahr 2020 auf nur mehr 810'000 Franken zurückgegangen. Den höchsten Lohn in der 15-köpfigen Credit-Suisse-Geschäftsleitung bezieht inzwischen der langjährige Finanzchef David Mathers. Der Brite kam 2021 auf ein Gesamtgehalt von 4,12 Millionen Franken..

Der Vizepräsident soll mehr Lohn erhalten

Der neue Verwaltungsratspräsident Axel Lehman soll weiterhin gleich viel verdienen wie seine Vorgänger, nämlich 4,5 Millionen Franken. Dafür will die Bank in Zukunft dem Vizepräsidenten und Lead-Independent-Director mehr Zahlen. Diese Rolle übt derzeit noch Roche-Chef Severin Schwan aus. Derzeit bekommt er 400'000 Franken dafür. Schwan war im vergangenen Jahr nicht zuletzt aufgrund des kurzen und turbulenten Interregnums von António Horta-Osório als Verwaltungsratspräsident stark gefordert. Ob Schwan das Amt weiter ausüben wird ist noch nicht offiziell klar. Die Credit-Suisse-Aktionäre halten ihre Generalversammlung am 29. April ab.

Die lange Liste von Schadenersatzklagen wird noch länger

Die beiden Grosspleiten des vergangenen Jahres haben für die Credit Suisse noch tiefergehende Folgen. Die Bank ist dabei ihr Geschäft mit Hedge-Fonds herunterfahren. Sie wird deshalb künftig weniger Einnahmen aus dem Aktienhandel erzielen. Zudem könnte es sein, dass die Finanzmarktaufsicht (Finma) dem Institut spezielle zusätzliche Kapitalauflagen zur Deckung der operationellen Risiken macht.

Mit Archegos und Greensill hat sich die Credit Suisse auch neue Rechtsfälle eingehandelt, die dereinst Geld kosten könnten. In New York sind gemäss Geschäftsbericht nun Sammelklagen wegen Archegos anhängig. Auch Greensill hat verschiedene Zivilkläger auf den Plan gerufen. 2022 wird im Geschäftsbericht nicht von Ungefähr als «Übergangsjahr» bezeichnet.