Credit Suisse
Darum musste António Horta-Osório gehen

Nicht allein seine Verstösse gegen Quarantäne-Regeln kosteten
Horta-Osório das Amt als Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse.

Niklaus Vontobel
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War nicht mehr glaubwürdig: António Horta-Osório.

War nicht mehr glaubwürdig: António Horta-Osório.

Keystone

Es war ein Gesamtbild entstanden, das nur noch eine Möglichkeit liess: António Horta-Osório musste seinen Posten abgeben. Entweder, weil er selber zu dieser Einsicht gelangte. Oder weil ihn der übrige Verwaltungsrat absetzen würde.

Mitte letzter Woche lag der interne Bericht vor, auf den der Verwaltungsrat gewartet hatte. Inwiefern hatte Horta-Osório den Firmenjet für private Reisen gebraucht? Hatte er gleich mehrere Male gegen Quarantäne-Vorschriften verstossen? Am Samstag und am Sonntag tagte der Verwaltungsrat.

Einsicht oder nicht?

Es war kein schönes Gesamtbild, über das da diskutierte wurde. Horta-Osório war angetreten, um die Grossbank aus den Skandalen zu führen. Nur knappe neun Monate später hatte er schon ziemlich viele Skandale und Skandälchen produziert. So nutzte er offenbar unverhältnismässig oft die firmeneigenen Jets. Dabei trennte er Privates und Berufliches auf eher grenzwertige Art und Weise. Und so oft wie er bestieg noch kaum ein Spitzenmann der Credit Suisse den Firmenjet.

Es war wohl auf jeden Fall zu oft für einen Manager, der in der Grossbank eine neue Kultur aufleben lassen wollte. Seine zwei Verstösse gegen Quarantäne-Regeln waren zuvor öffentlich geworden. Einmal hielt er die Vorschriften der Schweiz nicht ein, dann jene von Grossbritannien. Zu letzterem Verstoss kam es nur, weil der Tennisfan Horta-Osório das Finalspiel in Wimbledon hatte sehen wollen.

Wie reagierte Horta-Osório auf die Skandale? Auch diese Frage wurde im Verwaltungsrat diskutiert. In der Öffentlichkeit entschuldigte er sich zwar sogleich und nahm die Schuld auf sich. Doch offenbar wollte er die Verantwortung auch abschieben.Andere hätten ihn besser informieren sollen, dann wäre es gar nicht zum Verstoss gekommen.

Grosse Diskrepanz

So stand die Frage offen im Raum, ob er einsichtig war, ob er die richtigen Lehren zog. Auch das kam im Verwaltungsrat nicht gut an. Und schliesslich war die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu gross geworden. Auf der einen Seite stand da einer, der ein Vorbild sein wollte.

Einer der von jeder und jedem in der Credit Suisse einforderte, sie oder er müsse im Herzen ein «Risikomanager» sein. Auf der anderen Seite stand da einer, der zwei Mal gegen Regeln zur Quarantäne verstossen hatte – also gegen nichts weniger als die Gesetze zweier Länder. Damit war Horta-Osório schlicht nicht mehr glaubwürdig.

Rücktritt von CS-Präsident António Horta-Osório.

Tele M1

Zuvor hatte sich die Finanzpresse schon auf Horta-Osório eingeschossen. Sein Urteilsvermögen sei infrage gestellt, so die «Financial Times». Die Nachrichtenagentur Bloomberg meinte, es entstehe der Eindruck, Horta-Osório folge nur seinen eigenen Regeln.

So war der Credit Suisse der Neustart gründlich misslungen, den sie sich vom neuen Verwaltungsratspräsidenten versprochen hatte. Auf all die Skandale der letzten Jahre folgte sogleich die nächste Peinlichkeit. Und die Credit Suisse hatte damit nicht nur einen angeschlagenen Verwaltungsratspräsidenten. Auch der CEO hatte schon viel Glaubwürdigkeit verspielt. Die letzten milliardenschweren Pleiten geschahen allesamt in der Amtszeit von Thomas Gottstein.

Also musste Horta-Osorio gehen, freiwillig oder anders. Am Ende verlief im Verwaltungsrat offenbar alles in Minne. Horta-Osorio trat freiwillig zurück. Es brauchte keine Suspendierung, keine Kampfwahl an der kommenden Generalversammlung. Der Entscheid fiel einstimmig. Damit verabschiedet sich die Credit Suisse von einem vermeintlichen Hoffnungsträger, der in Rekordzeit zu einer grossen Last geworden war.

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