Zehnder
Chinesen setzen im Kampf gegen Smog auf Schweizer Lüftungen

Die Luft in Chinas Städten ist stark verschmutzt. Um dem entgegenzutreten, setzen Chinesen auf Schweizer Lüftungen.

Niklaus Vontobel
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Stellt Heizkörper und Lüftungen her: Zehnder Group aus Gränichen

Stellt Heizkörper und Lüftungen her: Zehnder Group aus Gränichen

Keystone

Der Zehnder Gruppe ist 2017 eine Kehrtwende gelungen. Nach einem durchzogenen Vorjahr konnte das Unternehmen aus Gränichen AG den Umsatz mit Heizköpern und Lüftungen um 10 Prozent steigern. Der Gewinn wäre ohne Einmaleffekte um über 50 Prozent gestiegen. Gut lief es vor allem in China. Der Umsatz ging dort gar um 66 Prozent hoch. Vor allem die Lüftungen waren gefragt, wie die Gruppe gestern bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen erklärte.

China kämpft mit einer gewaltigen Luftverschmutzung, dem Preis für eine halsbrecherisch schnelle Industrialisierung. Die Regierung bekämpft den Smog etwa mit der Umstellung des privaten Verkehrs von Verbrennungs- auf Elektromotoren. Zuletzt auch mit vier Monate langen Zwangsferien für Hunderttausende Arbeiter. Die privaten Bauunternehmer und Eigenheimbesitzer versuchen, in ihren Wohnungen sich mit Lüftungen zu schützen. Hier kommen die Produkte von Zehnder zum Zug.

Die Gruppe hat in China zwei verschiedene Kunden, wie Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Zehnder sagte. Zum einen gebe es grosse Immobilienentwickler, die auf einen Schlag bis zu 5000 Wohnungen erstellen. Dieses Geschäft sei eher «binär»: entweder man komme vor den zehn oder zwanzig Konkurrenten zum Zuge oder dann eben nicht. Hier war man erfolgreich. Zehnder: «Wir haben im letzten jahr alle der grossen Verträge gewonnen, für die wir uns interessiert haben.» Zum anderen gibt es in China einen Detailhandelsmarkt für Lüftungen. Die Zehnder Gruppe verkauft an Grosshändler, die wiederum via Showrooms an Retailkunden. «Viele Wohnungen in China werden quasi kahl verkauft. Den ganzen Innenausbau machte der neue Eigentümer selber», sagte Zehnder.

Die Gruppe geht für China von weiter kräftigem Wachstum aus, eine neue Produktionsstätte soll gebaut werden. In welchem Tempo es genau weitergeht, ist jedoch schwer abschätzbar. «Die grosse Unbekannte ist in China immer die Regierung», sagte Zehnder. Diese könne «rasch und brutal» in den Immobilienmarkt eingreifen, wenn ihr das Preiswachstum allzu rasant sei. Dann können Zweit- oder Drittwohnungen verboten oder die Zinsen heraufgesetzt werden.

Im Jahr 2016 hatte es noch geknorzt. Im Sommer trat Grossbritannien aus der EU aus, das Pfund stürzte ab und der damals drittgrösste Markt für Radiatoren kriselte. Ab September zeigte sich, dass die schwache Konjunktur in Frankreich auf die Nachfrage drückte. Das Produktionswerk war ungenügend ausgelastet. Im November musste eine Gewinnwarnung raus, die Aktie ging 25 Prozent runter. Am Jahresende war die Marge auf 2,8 Prozent abgesackt – nicht einmal halb so viel wie drei Jahre zuvor.

Nach der Kehrtwende im Jahr 2017 sieht vieles wieder besser aus. Die Marge ist mittlerweile wieder bei vier Prozent angelangt. Mittelfristig soll sie auf 5 Prozent gehoben werden. Der Börsenkurs ist in etwa wieder zurück auf dem Niveau von vor der Gewinnwarnung.

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