Börsengang
Sulzers wundersame Wertvermehrung: Vekselberg will einen Teil seines Konzerns abspalten

Ende September will sich der Industriekonzern zum wiederholten Mal aufspalten. Die Aktionäre beschenken sich damit gleich selbst.

Daniel Zulauf
Drucken
Teilen
Sulzer-Hauptaktionär Viktor Vekselberg will einen Teil seines Konzerns abspalten.

Sulzer-Hauptaktionär Viktor Vekselberg will einen Teil seines Konzerns abspalten.

Artyom Geodakyan / TASS

Der Sulzer-Konzern ist auch ein Experimentierlabor für neue Geschäfte. So wurde Medizinaltechnik in der 187-jährigen Industrie-Ikone schon in den 1970er-Jahren ein etabliertes Geschäftsfeld. Vor gut 20 Jahren entdeckten die Aktionäre den besonderen Wert der Sulzer-Gelenke. Es kam zu einem Machtkampf mit dem Management, zur Abspaltung und bald darauf (2003) zum Verkauf an den US-Konzern Zimmer führte. Der Deal zahlte sich für die widerspenstigen Aktionäre aus. Sie strichen einen Verkaufserlös von mehr als vier Milliarden Franken ein.

Spin-off-Ankündigung lässt Aktienkurs um 30 Prozent steigen

Am kommenden 20. September werden die Sulzer-Aktionäre erneut eine Abspaltung beschliessen. Diesmal geht die Sache aber harmonisch über die Bühne. Hauptaktionär Viktor Vekselberg (49 Prozent) und sein Management verfolgen das gleiche Ziel: «Applicator Systems», wie die abzuspaltende Einheit jetzt noch heisst, erreicht als eigenständige Firma an der Börse einen deutlich höheren Wert wie als Sulzer-Konzerndivision. Die These hat den Realitätstest längst bestanden. Seit Sulzer im Mai den Spin-off angekündigt hat ist der Kurs der Aktien von 105 Franken auf über 140 Franken hochgeschnellt. Das entspricht einer Wertvermehrung von rund einer Milliarde Franken.

Am 30. September sollen die Aktien der auf «Medmix» umgetauften Einheit dann erstmals direkt an der Schweizer Börse gehandelt werden. Aktienanalysten billigen dem auf die Herstellung von präzisen Plastikinstrumenten zur Applikation von Flüssigkeiten (Insulin, Dentalfüllungen, High-Tech-Klebstoffe, Wimperntusche) spezialisierten Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 450 Millionen Franken eine Bewertung von bis zu 2 Milliarden Franken zu. Das ist mehr als 40 Prozent dessen, was die fast sieben Mal grössere Rest-Sulzer auf die Waage bringt.

Öl- und Gas: Die Last der Geschichte

Für diese Divergenz gibt es gute Gründe: Medmix erzielt fast doppelt so hohe Gewinnmargen wie die angestammten Industrieaktivitäten von Sulzer. Hinzu kommt: Von den rund drei Milliarden Franken, die Sulzer im Jahr umsetzt stammen noch immer fast 30 Prozent aus der Öl- und Gasindustrie. So kommen Sulzer-Pumpen in der Förderung wie auch im Weitertransport des schwarzen Goldes zur Anwendung. Mithilfe von Sulzer-Destillationsanlagen wiederum gewinnen die Erdölkonzerne die Ausgangschemikalien, die zur Produktion von Kunststoffen eingesetzt werden.

Vor wenigen Jahren betrug der Anteil dieses rückläufigen Geschäftsbereichs freilich noch über 50 Prozent. Deshalb dürfen die Sulzer-Aktionäre hoffen, dass sich der Wert ihres Unternehmens auch nach der Abspaltung von Medmix weiter positiv entwickeln wird. Medmix entspringt übrigens auch einem Business-Experiment aus der Sulzer-Forschung, das vor rund zehn Jahren begonnen hatte. Was an der Börse nach schnellem Geld aussieht meist eine lange Geschichte.

Aktuelle Nachrichten