Kooperation
Blochers Gratiszeitungen rüsten auf – mit Best-of-Seite von Satirezeitschrift «Nebelspalter»

Die Satirezeitschrift «Nebelspalter» steuert neu wöchentlich eine Seite zu den 25 Gratiswochenzeitungen von Christoph Blocher bei. Für die «Nebelspalter»-Autoren ist das finanziell lukrativ.

Christian Mensch
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Christoph Blochers Medienholding, die Zuger Zeitungshaus AG, hat im vergangenen September 25 gratis verteilte Wochenblätter der Ostschweizer Verlagsgruppe Zehnder gekauft. Nun werden diese publizistisch aufgerüstet – wenn auch nur bescheiden.

Geschäftsführer und Mitinhaber Rolf Bollmann erklärt auf Anfrage, die Zeitungen erhielten ab Anfang Jahr zwei einheitliche Mantelseiten: eine Gesundheitsseite, wie sie bisher schon in der «Basler Zeitung» zu lesen ist, sowie eine humoristische Seite, produziert vom «Nebelspalter».

Die Chefredaktion des «Nebelspalters» hat ihre satirischen Schreiber und Zeichner in einer Hausmitteilung vorsichtig auf die neue Tätigkeit vorbereitet. Wöchentlich werde aus der aktuellen «Nebelspalter»-Ausgabe eine Best-of-Seite zusammengestellt und als «Der kleine Nebelspalter» in den Wochenzeitungen abgedruckt. Berücksichtigt würden vor allem humoristische und weniger politsatirische Beiträge. Dies nicht etwa aufgrund des politischen Generalverdachts der Einäugigkeit, unter dem die Gratiszeitungen allerdings nicht erst seit der Übernahme durch die Zeitungshaus AG stehen. Entscheidend für die entpolitisierte Digest-Auswahl sei vielmehr, dass die Beiträge «auf eine sehr viel breitere Leserschaft treffen dürften als der klassische ‹Nebi›».

Die redaktionelle Verantwortung bleibe beim «Nebelspalter». Die Autoren, deren Beiträge verwendet werden, erhalten einen fünfzig-prozentigen Honoraraufschlag.

Der «Nebelspalter» blickt auf eine 130-jährige Geschichte zurück. Die grösste Popularität hatte die Zeitschrift während und nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich die Publikation mit ihren karikierenden Mitteln für die geistige Landesverteidigung starkmachte. Nach einem steten Bedeutungsverlust drohte in den 1990er-Jahren der totale Absturz, als sich der «Nebelspalter» unter Chefredaktor Iwan Raschle vom staatstragenden Humor-Korrektiv zum bissig-bösen Oppositionsorgan wandelte. Die Institution stand unmittelbar vor der Liquidation. Nach wilden Hand- und Chefredaktionswechseln kam der «Nebi» 1998 zum Thurgauer Verleger Thomas Engeli, der die bis heute defizitäre Zeitschrift seither am Leben hält.

Ironie des Schicksals

Engeli hält den «kleinen Nebelspalter» für eine Marketingchance. Dank der Verbreitung in den Gratiszeitungen könne die direkte Auflage von 21 000 Exemplaren indirekt auf 750 000 Exemplare gesteigert werden. Vielleicht, so hofft der Verlag, lasse sich dadurch der eine oder andere zusätzliche Abonnent gewinnen – und dadurch die Zukunft des ältesten Satiremagazins der Welt sichern. Wenn dies nicht zur Satire anregt: Blocher, der wohl meist karikierte zeitgenössische Schweizer Politiker, rettet das Satiremagazin.

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