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Stadler hat sich gefangen – Aufholjagd im zweiten Semester 2020 nach Rückschlägen als Folge der Pandemie

Beim Schienenfahrzeugbauer normalisiert sich die Lage Schritt für Schritt. Umsatz und Rentabilität nehmen wieder zu, Aufträge werden abgearbeitet, Bahnen können allmählich abgeliefert werden. Doch noch hat Stadler ein gutes Stück Weg vor sich, bis an eine Rendite auf dem anvisierten Niveau zu denken ist.

Thomas Griesser Kym
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Stadler hat alle Hände voll zu tun: Fertigung im Werk am Thurgauer Hauptsitz Bussnang.

Stadler hat alle Hände voll zu tun: Fertigung im Werk am Thurgauer Hauptsitz Bussnang.

Bild: Urs Bucher (5. März 2020)

In der zweiten Jahreshälfte 2020 hat Stadler die Kurve gekriegt. Der Umsatz wurde gegenüber dem ersten Semester mehr als verdoppelt, die betriebliche Marge, die auf ein halbes Prozent zusammengeschmolzen war, wurde auf sieben Prozent der Verkäufe verbessert. Damit resultiert für das ganze Jahr eine Marge von 5,1 Prozent (Vorjahr 6,1 Prozent) und ein Umsatz von 3,1 Milliarden Franken, der lediglich gut 100 Millionen tiefer liegt als 2019.

Und Stadler hat weiteres Aufholpotenzial. Nach den Unterbrüchen der Lieferketten und Verzögerungen der Abnahme fixfertiger Fahrzeuge im ersten Semester wegen der Pandemie warten noch immer Bahnen auf ihre Auslieferung. Stadler schreibt: «Die coronabedingt nicht ausgelieferten Fahrzeuge sind weitestgehend fertiggestellt und bereit zur Zulassung und Kundenabnahme.» Dann erst werden sie auch umsatzwirksam und spülen Geld in die Kasse.

25'000 Arbeitstage im Eimer

Die Hindernisse im Zusammenhang mit der Pandemie (Unterbrüche der Lieferketten, Reisebeschränkungen, Quarantäne) haben Stadler im ersten Semester laut eigenen Angaben 25'000 Arbeitstage gekostet. Zudem haben Bahngesellschaften einzelne Grossprojekte verschoben. Stadler nehme aber «keinen Nachfrageeinbruch» wahr. «Es kam weder zu Stornierungen laufender Aufträge noch wurden Ausschreibungen ausgesetzt.»

Insgesamt gelang es dem Unternehmen, im ganzen Jahr neue Aufträge im Volumen von 4,3 Milliarden Franken in die Bücher zu nehmen. Der Auftragsbestand liegt mit 16,1 Milliarden etwas unter der Rekordmarke von 16,8 Milliarden zur Jahresmitte und sichert eine mehrjährige Grundauslastung. Erst vor wenigen Tagen hat Stadler einen Auftrag im Wert von 1,1 Milliarden Franken der spanischen Bahngesellschaft Renfe an Land gezogen: 59 Nahverkehrszüge für Madrid und Barcelona.

Stadler-Patron Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident, Konzernchef und Ankeraktionär in Personalunion.

Stadler-Patron Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident, Konzernchef und Ankeraktionär in Personalunion.

Bild: Urs Bucher (5. März 2020)

Anknüpfen ans zweite Semester 2021

Ein Ausblick ist ein Stück weit ein Blick in die Glaskugel. Unter der Annahme, dass sich die Coronalage zeitnah normalisiere, erwartet Stadler, verzögerte Zulassungen und Schlussabnahmen von Fahrzeugen im Jahr 2021 aufholen zu können.

Für den Auftragseingang erwartet der Konzern ein Volumen von 4 bis 5 Milliarden Franken, der Umsatz soll auf 3,5 bis 3,8 Milliarden zunehmen. Unter diesen Voraussetzungen gehe Stadler von einer betrieblichen Marge von über sechs Prozent aus. Mittelfristig peilt Stadler weiterhin acht bis neun Prozent an. In den weiteren Ausbau der Produktionskapazität etwa an den Standorten Berlin oder Ungarn will Stadler 200 Millionen Franken investieren.

Der Generalversammlung, die von Verwaltungsratspräsident und Konzernchef Peter Spuhler als Ankeraktionär beherrscht wird, wird eine Dividende von 85 Rappen pro Aktie oder total 85 Millionen Franken vorgeschlagen. Im Vorjahr waren es 1.20 Franken pro Aktie.