Reisebüro
Auch wenn nichts gebucht wird, muss der Reisewillige zahlen

Reisetipps von Globetrotter und Hotelplan gibt es nicht umsonst. Wer sich in Reisebüros informiert, muss eine Beratungsgebühr zahlen, auch wenn nichts gebucht wird. Auch Kuoni denkt schon über eine solche Gebühr nach.

Thomas Schlittler
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In der Reisebranche sind die Margen so gering wie in kaum einem anderen Wirtschaftszweig. Preisvergleiche haben dank dem Internet Hochkonjunktur. Um konkurrenzfähig zu sein, müssen Reisebüros Flüge und Zimmer zu gleichen Preisen offerieren wie die Airlines und Hotels auf ihren Websites.

Um die eigenen Kosten zu decken, wird bei einer Buchung im Reisebüro traditionellerweise eine Buchungspauschale fällig. Einige der grossen Schweizer Reisebüroketten verlangen aber auch Geld für die Beratung – selbst dann, wenn am Ende gar nichts gebucht wird.

Erholung sieht anders aus: Überfüllter Strand in Montenegro. Tipps von Reisebüros sollen Abhilfe schaffen.

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«Unser Wissen hat einen Wert und wir können dieses nicht mehr kostenlos weitergeben», sagt Patrick Binz, Leiter Verkauf bei Globetrotter. Der Individualreisenspezialist bietet reine Beratungen an, wenn jemand von vornherein nicht buchen, sondern sich nur über ein Land informieren möchte. Je nach zeitlichem Aufwand werden für eine solche Länderberatung 50 bis 200 Franken fällig.

Bei Buchung Gebühr geschenkt

Bei anderen Reiseberatungen wird die Beratungszeit pro halbe Stunde verrechnet – dabei ist es nicht relevant, ob der Kunde bucht oder nicht. «Wenn er jedoch bucht, werden dem Kunden die Beratungs- und Offertgebühren geschenkt», so Binz. Dieses Vorgehen ist eine Folge davon, dass die Verbindlichkeit der Kunden gegenüber dem Reisebüro durch das Internet gesunken sei.

Bilanz 2013: Ägypten macht Sorgen

Kuoni: Die Schweiz Sparte verzeichnete im ersten Halbjahr 2013 höhere Nettoerlöse und ein gesteigertes Betriebsergebnis, sagt Sprecher Peter Brun. Die gesamte Gruppe schreibt weiter rote Zahlen: Der Reinverlust im ersten Semester betrug 47,4 Millionen Franken. Belastet wurde das Ergebnis erneut vom Ausstieg aus dem defizitären europäischen Reiseveranstaltergeschäft.

Hotelplan: In der Schweiz sei die Sommersaison durchzogen verlaufen, so Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Für die Wintersaison habe sich das Unternehmen durch die schlechten Ägypten-Buchungen einen Dämpfer erlitten. Trotzdem werden 2013 für die Schweiz schwarze Zahlen erwartet. Anders auf Gruppenbasis: Hier drohen erneut Verluste, allerdings nicht so grosse wie im letzten Jahr.

Tui Suisse: Das Unternehmen sei im Rahmen der eigenen Erwartungen unterwegs, sagt Sprecher Roland Schmid. Eine abschliessende Beurteilung sei wegen Ägypten aber nicht möglich.

Globetrotter: Man sei sehr gut unterwegs, so Leiter Verkauf Patrick Binz. Blieben negative Weltereignisse aus, rechne man mit einer Umsatzsteigerung. (TSC)

Hotelplan erhebt eine Servicegebühr, die je nach Aufwand variiert. Bei einem Kundengespräch beziehungsweise einer Offertenanfrage werden nach 15 Minuten 60 Franken als Servicegebühr einkassiert. Bei einem längeren Gespräch wird diese Gebühr nicht erhöht, und wenn es zu einer Buchung kommt, wird das Geld wieder gutgeschrieben. «Bei langjährigen Stammkunden wird zudem keine Servicegebühr mehr verlangt», sagt Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir.

Kuoni hat Sympathien für Modell

Bei Kuoni werden Kunden für Beratungen nicht zur Kasse gebeten – noch nicht. Sprecher Peter Brun sagt auf Anfrage der «Nordwestschweiz»: «Die Meinungsbildung dazu läuft intern. Wir beobachten den Markt.» Brun glaubt, dass bei Reisebüros, die für individuelle, massgeschneiderte Reisen einen Mehrwert bieten können, die Akzeptanz für eine bezahlte Beratung steigen wird: «Vor allem bei Leistungen, die den Kunden viel Zeit ersparen.»

Die Erfahrungen der beiden Vorreiter bestätigen diese Einschätzung: «Die meisten Kunden haben Verständnis», sagt Binz von Globetrotter. Dasselbe bei Hotelplan: «Dadurch, dass wir die Gebühren offen zeigen und den Kunden den Mehrwert unserer Dienstleistung darlegen, kommt es so gut wie nie zu Missmutsäusserungen», so Huguenin-dit-Lenoir.

Andere Beratungen kosten auch

Die Reisebranche hofft, dass Beratungsgebühren in Zukunft so selbstverständlich sein werden wie in anderen Branchen. Huguenin-dit-Lenoir: «Bei Anwaltsberatungen zahlt man jeweils einiges mehr als 60 Franken.» Binz sieht schlicht keine andere Möglichkeit: «Ein Zeichen dafür, dass es auf dem traditionellen Weg langfristig kein Überleben gibt, ist das Reisebürosterben.» Bisher sei das Reisebüro immer eine Gratis-Informationsquelle gewesen. «Der Mensch tut sich oft schwer mit Veränderungen», so Binz.

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